Rolf Krauss

Schwanket das Schilfrohr noch so heftig im Wind
Es wiegt sich doch leicht nur, so wie ein Kind
Und kann auch der Sturm selbst Eichen knicken,
Beim Schilfrohr wird es ihm niemals glücken.
So mag auch der Mensch gar manches Mal wanken,
Im Sturme des Lebens dem Schilfrohr gleich Schwanken
Bewahrt er im Innern stets Wert und Gefühl
So hoffet und kämpft er nie ohne Ziel.

 

 

Wie Thor, der seinen Hammer schwang
Mit seines Willens hartem Schlage,
Im Kampfe Riesen gar bezwang,
So tritt`s im Menschen auch zu Tage:
Die Kraft des Willens ist gar groß,
Doch lässt er seinen Eigenwillen los,
Dann erst gerät sein Schicksal ihm zum Glück-
Es kehrt der Hammer ihm, dem Gotte gleich, zurück!

 

 

Aufgewacht und wohl bedacht
Schreiten wir zu Taten,
Wenn das Herz vor Freude lacht,
Wird es wohl geraten.
Uns`re Hände sollen segnen,
Was zuvor sie sicher führn,
Allen woll`n wir so begegnen,
Dass sie Gottes Liebe spür`n.

 

 

In Stein und Baum, in jeder Blüte
Lebt Gottes Wort und Gottes Güte -
Jedoch in meines Herzens Tiefe
Ist es, als ob er selbst mich riefe.
Verborgen an dem heil`gem Ort
Erstrahlt des Gottes schönstes Wort.

 

 

Was noch im Verborg`nen lebt
Beständig hin zum Lichte strebt.
Im Lichte erst wird`s offenbar
Und zeigt sich allen reich und klar.
Die Liebe gibt dem Menschen sein Gesicht
Das Lächeln drinnen, das ist Gottes Licht.

 

 

Des Menschen Wort, es schaffet Welten.
Das Weltenwort den Mensch erschuf.
So mag mein Wort als Tat nun gelten
Und Antwort sein auf Gottes Ruf,
Dass liebend ich bei Namen nenne,
Was ich als wahr und recht erkenne!

 

 

Aus manchem kleinen Schritt im Leben
Wird rasch ein großer Weg im Nu,
Doch braucht`s den stärksten Mut grad eben,
D`rum trau den ersten Schritt dir zu!
Nur die, die unablässig schreiten,
Begreifen auch im Gehen ihre Bahn
Und fangen stets auf`s Neu von vorne an
Und wissen, dass die guten Geister sie begleiten.

 

 

Ein jedes Tier auf seiner Weise
Ist eins mit der Natur
Und ziehet dort in engem Kreise
Nach seiner Sinne Spur.
Allein der Mensch hat freie Hände
Zu schaffen und zu bauen,
Auf dass sein Schicksal selbst er wende
In göttlichem Vertrauen.

 

 

Schaffe ich fleißig und treu,
Was mir das Leben bereitet,
Geh ich durch manche der Mühen
Leicht wie von Engeln begleitet-
Siehe, so wächst mir der Mut,
Schweres durch Liebe zu wandeln,
Find ich im Innern die Kraft
Frei und auch sicher zu handeln.

 

 

Thor hat den Hammer fest in der Hand,
So schützt er Asgard, der Götter Land.
In Blitz und Donner wird offenbar,
Der Starke scheuet keine Gefahr.
Ja, Im Herzensmute lebt seine Kraft,
Dort kämpft er mit aller Leidenschaft.

 

 

Auf den Berg kann man nicht fliegen,
Klettern muss man Stück für Stück.
Mühsam wird er nur erstiegen,
Doch vom Gipfel – welch ein Blick!
Wie sich das Bewusstsein weitet!
Klar und deutlich ausgebreitet
Liegt die ganze Welt zu Füßen
Und du kannst sie jubelnd grüßen.
Wie froh, wer`s hier herauf geschafft
Aus eig`nem Willen, eig`ner Kraft.

 

 

Dieses ist des Löwen Kraft:
Mut und Selbstvertrauen
Lässt ihn ruhig in die Weite
Voller Würde schauen.

Dieses ist des Löwen Stärke:
Furchtlos steht vor dir das Tier
Und es prüft mit seinem Blicke,
Was an Stärke du in dir.

Dieses ist des Löwen Sinn:
Das ich ganz ich selber bin!

 

 

Der Blumen Duft,
Der Blätter Klang,
Sie nähren sich von Vogelsang.
Das Licht, es ruft aus tiefer Nacht,
Was in der Stille ward vollbracht.
Geheimnisvoll ist alles Sein
Umflossen ganz von Gottes Schein:
Die Schönheit lebt in dir und mir
In Baum und Blume, Stein und Tier.

 

 

Frisch mit wachen Sinnen
Jedes Werk beginnen,
Froh die Hände rühren,
Um es zu durchführen.
Liebevoll es pflegen – das bringt Gottes Segen.

Adler, du bist der König der Lüfte
Voll Stolz und Tatendrang!
Du, Löwe, bist durch Mut und Stärke
In eines Herrschers Rang!
Von Dir, oh Stier, zeugt große Kraft
 

 

Pfiffig ist das Erdmännlein,
Aufmerksam und rege.
Aufrecht steht es und ich mein
Besser so als Träge.
Fleißig und mit wachen Sinnen,
Lässt sich manches gar beginnen.
Tatkraft, Mut und Herzenskraft
Wahre Wunder dabei schafft.

 

 

Sei frohen Sinnes -
Das Neue beginn es!
Ja, das Leben ist bunt,
Jedes Ding tut`s dir kund:
Es will alles schwingen,
Heiter tanzen und springen,
Will lachen und schweben,
Will träumen und streben!
So sei guten Mutes
Und tue nur Gutes,
Dann wird`s in dir singen
Von Herzen erklingen:
Ja, das Leben ist bunt
Jedes Ding tut`s Dir kund!

 

 

Was Himmel und Erde zu einem verbindet,
Das ist der Mensch, der die Liebe findet.
Der allem dient mit Herzenskraft,
Der baut und pflegt und schützt und schafft,
Der alles adelt durch erhabenen Sinn
Und spricht: „Ich weiß, wozu ich geboren bin!“

 

 

Der Klang, er erhebet die Seele zu Gott
Gleich dem Vogel die luftige Schwinge.
So schenk ich der Erde mein Lied und mein Wort
Und tanze und spiele und singe!
Denn das ist der Mensch, dass er fühlend erfasst
Mit aufrechtem Gange des Weltenalls Grund,
Dass frei er da lebe und leben lasse
Und preise die Liebe mit göttlichem Mund.

 

 

Drunten im Dunkel, bei Gnomen und Stein,
Murmelnde Wässerlein finden sich ein,
Tuscheln und raunen vom schimmernden Licht,
Drängen empor bis der Felsen zerbricht.
Schimmernd in himmlischer, perlender Helle,
Rieselt von Vögeln umzwitschert die Quelle.
Alle Geschöpfe in Liebe sie tränkt,
Wie sie sich allen in Freude verschenkt.

 

 

Gott gab das Haupt uns mit den Sinnen,
Dass weite Umsicht wir gewinnen.
Er lässt das Herz uns freudig schlagen,
Dass wir beherzt das Rechte wagen,
Gibt Kraft den Händen, sie zu regen,
Den andern und sich selbst zum Segen!

 

 

Als Gott gebot: „Es werde Licht!“
Erhellte sich das All
Und freudig glänzt sein Angesicht
In jedem Sonnenstrahl.
Entströmt dem Menschen warm und mild,
Gar hell der Liebe Schein,
Dann wird er Gottes Ebenbild
Im Glanz der Sonne sein!

 

 

Du reine, du helle
Gar liebliche Quelle,
Du sprudelst so frische
Auf grünendem Tische.
Froh aus den Tiefen
Geister dich riefen
Mit freudigem Denken
Uns zu beschenken
Mit Leben und Licht!
Oh Quelle der Tiefe,
Dein heimliches Rauschen,
Es lehrt uns zu lauschen
Auf`s eigene Herz!

 

 

Ergreif das Gold der Tiefe
Und hebe es ans Licht,
Dass es im Strahlenglanze
Vom Geist der Sonne spricht!
Die Liebe kann nur brennen,
Gibst du dein Herze hin:
So findest du im Schenken
Des Goldes wahren Sinn!

 

 

Fern der Welten, fern der Sterne
Strahlt in uns ein stetes Licht,
Das in allen Lebenslagen
Voller Weisheit zu uns spricht.
Diesem folg ich auf dem Pfade,
Der mich in die Zukunft führt.
Blind vertrauen kann gerade,
Wer in sich dies Licht verspürt!

 

 

Ein jedes Tier hat seinen Ort
Es folget willig Gottes Ruf.
Der Mensch allein versteht das Wort
Und dankt dem Schöpfer, der ihn schuf,
Dass frei und liebend er kann handeln,
Im rechten Tun,
Im starkem Wollen,
Im tapf`rem Lieben
Sich selbst von Grund auf zu verwandeln.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar