Christoph Steins

Dampf entströmt der schneebedeckten Erde
Wo das Wasser heißer Quellen aus dem Boden zischt.
Durch die weiße Weite schleicht ein Tiger,
Folgt der frischen Spur, die ihm ein Mahl verspricht.

Sonnenlicht erlöst vom Schlaf die Taiga,
Weckt den Wind zu sanftem Rauschen im verschneiten Wald.
Zwischen frostbereiften Stämmen steht ein Jäger;
Die Fährte, der er folgt, ist noch nicht alt.

Plötzlich eine unerwartete Bewegung –
Mensch und Tiger, Aug in Auge, wie gebannt,
Stehen regungslos für etliche Sekunden.
Dann wendet sich das Tier und ist verschwunden;
Selbst - und sein Gegenüber anerkannt.

 

 

 

Festen Fußes stapfen Elche
Durch die Sümpfe, durch die Auen,
Streifen durch die Kiefernwälder,
Stehn in lichten Birkenhainen,
Äsen im Gehölz der Bäume,
Zehren von den zarten Zweigen.

Abends queren sie die Dünen,
Sammeln sich am Meeresufer,
Tollen voller Wohlgefallen
In der Brandung breiten Brechern,
Schütteln ihre mächt`gen Schaufeln,
Schwimmen nordwärts bis zur Nehrung,
Ziehn hinauf zum sand`gen Strande,
Kehrn zur Nacht zurück zum Wald.

 

 

Über die weite Savanne
Streicht flüchtig der Westwind daher,
Jagen grazile Gazellen,
Springen in schwingenden Wellen,
Ein wogendes Herdenmeer.

Es trommeln die Hufe den Boden,
Doch plötzlich halten sie ein,
Die Tiere, mit bebenden Flanken,
Mit Augen, den großen und blanken,
Verharren im Sonnenschein.

Da reckt der Bock an der Spitze
Geschwungene Hörner ins Licht,
Und wieder, in wogendem Fluss,
Die Herde, sie flieht mit Genuss
Als flöge sie ohne Gewicht.

 

 

Kolibri, Kolibri, Vögelein flink,
Flirrest in pfeilschnellem Fluge dahin,
Surrest mit wirbelndem Flügelschlag,
Mein Auge dir kaum zu folgen vermag,

Hältst still in der Luft vor dem Blütenmund,
Züngelst Nektar von des Kelches Grund.
Buntes Gefieder, grad hier, jetzt dort,
Eben noch naschend, schon wieder fort.

 

 

Dunkel ruht der Wald,
Tierlein warm im Nest,
Kaum ein Lüftchen regt sich,
Kein Blatt am Strauch bewegt sich,
Schlafesstille bald.

Da ertönt von fern
Zarte Melodie,
Schallen helle Klänge,
Der Nachtigall Gesänge,
Unterm Abendstern.

 

 

Kraft, Geduld, Friedlichkeit sind seine Eigenart,
Sein gutes Gedächtnis ist weithin bekannt.
Ausgiebig putzt er sich, pickt Parasiten,
Er badet, und pudert den Rücken mit Sand.

Schattige Wälder durchstreift er im Herdentross,
Tritt leichten Fußes, doch fest auf das Land.
Saftige Schösslinge sprießenden Bambusses
Frisst mit Genuss ... unser Freund Elefant.

 

 

Wenn am Morgen Nebelschwaden
Träge aus dem Urwald wallen,
Wenn der Sonne Seidenstrahlen
Schimmernd durch das Laubwerk fallen,
Dann erwachen Gibbonaffen
Hoch auf ihren Ruheplätzen,
Recken sich und strecken sich;
Weithin schallt ihr Morgenchor.

Schon springen sie spielend von Krone zu Krone,
Im Winde sich wiegend, halb hängend, halb fliegend.
Zu Hause im Baum, im luftigen Raum,
Schwingen behend sie zum Wipfel empor.

 

 

Heftig hämmern harte Hufe,
Dröhnen dumpf; es bebt die Erde.
Eine Herde wilder Mustangs
Folgt dem Falben fort ins Tal.

Ohren spitz, gebläht die Nüstern,
Blickt er suchend in die Runde,
Wiehernd schüttelt er die Mähne,
Trotzig schnaubt er in den Wind.

Stuten führen ihre Füllen
In den stillen Schutz der Senke,
sollen hier geruhsam grasen.
Wachsam steht am Hang der Hengst.

Kurz nur gönnt er ihnen Ruhe,
Sprengt hinab zur Furt im Flusse,
setzt in großen Sprüngen über,
jagt jenseit`ges Ufer hoch.

Und die Herde dicht dahinter,
prasselnd prescht sie durch das Wasser,
Galoppiert hinauf zur Höhe,
sucht die Weite der Prärie.

Auf leisen Sohlen schnürt der Fuchs
am Morgen durchs Gehölz.
Der Sonne sanftes Licht erwärmt
Reinekes roten Pelz.
Am Waldrand ist es plötzlich still
wo grad noch Leben war;
Die spitze Schnauze windet kurz:
es kündigt sich Gefahr!

Des Adlers Schatten gleitet rasch
und lautlos übers Feld.
Der klare Blick, der Fänge Macht
hat manches Wild gestellt.
Ja selbst ein Fuchs wird nicht verschmäht;
jedoch der Fuchs ist schlau:
Mit einem waghalsigen Satz
verschwindet er im Bau.

 

 

Der Sonne letzte Strahlen zaubern
Goldene Blüten in der Bäume Dach;
Des Abends kühle Schatten streifen
Zebras und Gnus am frischen Wasserloch.

Da kommt Bewegung in der Tiere Menge,
Unruhig heben sie die Köpfe in den Wind,
Respektvoll weichen sie vom sumpf`gen Ufer:
Stolz tritt ein Löwe in das Rund und trinkt.

Ein Haufen heulender Hyänen
Sucht mit dem Herrn der Tiere Streit.
Der schenkt der wilden Meute keine Achtung,
Kehrt heim zum Rudel mit Gelassenheit.

 

 

Stumm wie Fels steht fest der Steinbock,
Trutzig blickt das stolze Tier,
Schweift sein Auge in die Weite,
Wächter über sein Revier.

Schulter stark und hart die Hufe,
Zeigt er Mut, Geschicklichkeit,
Kraft im kühnen Schwung der Hörner,
Kraft, zu kühnem Sprung bereit.

 

 

Schwach und geschunden,
mit lahmendem Lauf,
Trottet ein Wolf durchs Revier.
Tiefer und tiefer hinab in das Tal
Treibt Hunger das hagere Tier.

Kommt aus dem Dorfe eine Knabe des Wegs,
Im Mantelsack Schinken und Brot.
Ängstigt er sich vor dem wilden Geschöpf?
Nein. Doch er sieht seine Not.

Sanfte Worte weiß er dem Wolf,
Sein Vesper, er teilt`s mit ihm gern.
Täglich besucht er ihn draußen im Wald,
Freundschaft, ein leuchtender Stern.

 

 

Klitzekleines Känguru
Klettert kräftig bis zum Beutel.
Angekommen kann es ruhn,
Wochenlang sich gütlich tun.

Ist es dann herangewachsen
Hüpft es hurtig aus der Hülle,
Hüpft und springt in großen Sätzen,
Lernt die weiten Wiesen schätzen.

Knabbert kurz an kargem Kraute,
Schabt geschickt die feste Schale,
Reckt sich, wittert, sieht sich um,
Klopft den Boden, dum dum dum.

Bei Gefahr flieht es im Fluge,
Setzt davon mit mächt`gen Sprüngen,
Schaut zurück, – dem Feind entkommen
Wird ein Mittagsschlaf genommen.

 

 

Brauner Biber baut am Bache
Dichten Damm aus starken Stämmen,
Staut mit Ästen, Zweigen, Steinen
Fließend Wasser auf zum See.

Nagt die Rinde grüner Espen,
Fällt die schlanken Weidenbäume,
Konstruiert im Dach des Deiches
Breit und luftig seine Burg;

Taucht mit fischig-glattem Schwanze
Schnell und sicher durch die Fluten.
Tüchtig tätig in der Dämm`rung,
kommt am Tage er zur Ruh.

 

 

Glänzende Flossen in gleißenden Fluten,
Delfine frohlocken in schäumender Gischt.
Sie ziehen in Schwärmen der Sonne entgegen,
Sie ziehn in den Süden, zur Wärme, zum Licht.

Friedliche Tiere mit freundlichen Augen,
Helfen dem Schwimmer ermattet im Meer,
Umspielen die Schiffe wie Tänzer im Reigen,
Durcheilen die Wellen Poseidon zur Ehr.

 

 

Hell glänzt am Himmel die Sichel des Mondes.
Blassgraue Wolken zieh`n ruhig dahin.
Dunkel erhebt sich der Wald aus der Aue.
Der Vögel Gezwitscher ist lang schon verstummt.

Zwischen den Bäumen fliegt lautlos der Waldkauz.
Einsam durchstreift er sein weites Revier.
Keine Bewegung entgeht seinem Auge.
Er hört selbst das leiseste Rascheln im Laub.

Blitzschnell ergreift er die Maus mit den Fängen,
Trägt sie zur Höhle, zu hungrigen Käuzchen.
Bald fliegt er auf in die Weite des Waldes,
Gleitet hinaus in die Stille der Nacht.

 

 

Kantige Klippen,
Klaffende Klüfte,
Kurzer, geknickter Kiefernstamm.

Hier herrscht die Gämse,
Geschwinder Geselle,
Klettert gelenkig auf felsigem Grund.

Leicht wie die Schwalbe
Erklimmt sie die Höhen,
Jagt steilste Hänge hurtig hinauf.

Steht auf der Spitze
In strahlender Sonne,
Schaut mit erhobenem Haupte ins Tal.

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