Heidi Engel

Seht, das Haus steht fest!
Lasst den Sturm nur toben,
übers Dach
und um die Mauern.
Ja! Dieses Haus es steht fest!
Stürme nur Sturm,
es wird dich überdauern!

 

Ruhlos läuft die Maus,
Ruhlos hin und her,
sucht sich Körnlein,
sammelt Futter,
sammelt es in kleiner Kammer
für die kalte Winterzeit.

Schau wie gemächlich, Beere um Beere,
der zottige Bär von den Sträuchern genießt,
um dann im Winter in dunkelster Höhle
ruhig dem Sommer entgegen zu schlafen.

 

Wie der Wind läuft mein Ross,
Hügel auf, Hügel ab,
im Galopp und im Trapp,
geht’s hinauf und hinab.

Im Stall steht’s still,
es findet Ruh,
bald fallen ihm die Augen zu:
Nun träumt es von Wind und Weite.

 

Schwäne ziehn auf starken Schwingen
Rast- und ruhlos Richtung Norden.
Hoch am Himmel: heimwärts, heimwärts,
singen sie der Sonne zu.

 

Wotans Wort wirkt gewaltig und weit,
kräftig klingt es, gekonnt und klug
gibt es Antwort, löst es Rätsel.

 

Ich sehe die Sonne,
den herrlichen Ball,
ich sehe ihn über mir:
golden und hell.
Er rollt Stund‘ um Stunde,
von Osten nach Westen,
bei Tage am Himmel:
ein leuchtender Strahl.

 

Die Heimat auf Erden,
bestell’n meine Hände,
erschreiten die Füße,
erfühlet mein Herze,
beschauet mein Haupt.

Hinaus will ich wandern,
die Heimat erweitern
mit fleißigen Händen,
mit schreitenden Füßen,
mit fühlendem Herzen,
erhobenem Haupt.

 

Das Samenkorn
es ruht in sich
bis zu dem Tage da es keimt:
Dann geht die Welt herfür,
es sprießt und wächst,
es blüht und grünt,
hinaus, hinauf zu mir.
So sicher, wie das Samenkorn,
wachs ich hinaus zu Dir.

 

Der Wächter am Tore
bewachet die Stadt,
zur Nacht und am Tage,
im Krieg und im Frieden.
Er ist nicht allein!
Wächter treten herein
und sie lösen ihn ab.
Ja, so ruht er sich aus -
sammelt Kraft
für die kommende Wacht.

 

Es schwingt sich der Adler
hinauf in die Lüfte,
hinauf in die Bläue
unendlichen Himmels
und zieht seine Kreise
einsam und weit.
Drunten am Boden,
da picken die Hühner
Körnlein um Körnlein
in ihren Schlund.
Es stürzt sich der Adler
hinab ins Getümmel,
ergreift sich ein zappelndes Huhn.
Am Horst in den Felsen
hockt einsam ein Junges,
erwartet die Mutter,
erwartet das Futter.

 

Die mächtigen Mauern
umringen die Stadt,
sie schützen und wehren
den Eindringling ab.
Die mächtigen Mauern
sind offen und weit
für Gäste und Freunde:
das Tor steht bereit.

 

Erde, du tragende,
Erde, du fragende,
Erde, du wartende,
Erde, du spendende,
Erde, du bebende,
Erde, du lebende:
Erde, ich gleiche Dir!
Erde, sei Heimat mir!

 

Oh, sieh nur die schöne,
gelbblütige Wiese,
des Löwenzahn Leuchten
vergoldet die Welt.
Und anderen Tages
ist alles verblühet,
die Köpfchen geschlossen,
ein trostloses Bild.
Da stülpt sich Köpfchen
für Köpfchen um,
zu glänzenden Bällen
aus silbriger Seide!
Ein Windhauch erhebt sich,
der Löwenzahn fliegt!
Feingliedrige Schirmchen
erfüllen die Luft.

 

Im Osten ist der Orient,
dort geht die Sonne auf.
Im Westen ist der Occident,
dort beschließt sie ihren Lauf.
Und meine Heimat finde ich
 - sei ich auch weit gezogen -
im stillen Lauf, im steten Gang,
unter dem Sonnenbogen.

 

Sonne spiegelt sich und schimmert,
ruhig glänzt das weite Meer.
Plötzlich rauscht die Wasserfläche
und aus allertiefster Tiefe
wuchtet sich aus weiten Wellen
hoch heraus ein Wal im Sprung:
schimmert hell im Sonnenlichte
und versinkt im Meeresgrund.
Lausche dem Rufen und hör den Gesang,
tief in dem Meer liegt verzaubertes Land.

 

Schau in den Teich:
in seinem Reich
hängt Laich an Laich,
Perlschnüren gleich.
Bald beginnt es sich zu regen
und der Teich füllt sich mit Leben,
mannigfaltig,
vielgestaltig!

 

Hoch in die Luft
schwingt sich der Aar,
höher hinauf
kreist er und kreist.
Um mit ganz gezieltem Fluge,
dann zur Erde sich zu stürzen,
dort die Nahrung zu erhaschen,
die er sah aus weiter Höhe.

 

Wenn es am Abend kühlet und graut,
Sonnenstrahl rot in die Fenster schaut,
schließt sich der Mantel der nahenden Nacht
still um mein Haus, das Dorf und die Stadt.
Senkt sich Frieden, Ruhe und Kraft
still auf mich nieder im tiefen Schlaf.

 

Auf der bunten Sommerwiese
tummeln sich die Schmetterlinge,
wiegen sanft sich in der Sonne,
wiegen sanft sich in dem Winde,
fliegen auf der Spur des Duftes
und besuchen Honigblüten.

Farbige Blüten
scheinen zu schweben
über der Wiese -
bunt wie das Leben.

 

Wach blickt herab vom Turme,
der Wächter auf die Stadt.
Er schaut, ob alles ringsumher
Ordnung und Frieden hat.
Er hebt sein Horn an seinen Mund
und bläst dort laut hinein,
sobald er sieht vom Turmesrund
einen hellen, feurigen Schein.
Er weckt die Stadt,
es schallt Alarm,
gerettet wurden Haus und Scheuer,
gerettet vor dem großen Feuer.

 

Schau auf das Schiff,
Segel gerafft,
Schau auf den Bug,
gleitende Kraft:
Wellen schwellen
und zerschellen
und zerfließen
und versprühn.

 

Ein Löwenzahnschirmchen flog einsam von dannen,
hinauf in die Luft und hinab in den Sand.
Dort wurde vom Asphalt es fest überdeckt
und lag dort und kam einfach nicht mehr vom Fleck.
Doch plötzlich da spürte es Freude und Kraft,
es wurzelte tief und entwickelt den Schaft,
es wächst und es drückt sich nach oben hinauf:
Der Asphalt er wölbt sich, dann reißt er ganz auf.
Ach Löwenzahnschirmchen, wer hätte gedacht,
dass in dir wohnt eine solche Kraft!

 

Was wusstest du, Graugans,
als nordwärts du flogst?
Woher kanntest du noch den Ort?
Laut schnattert die Gans:
Droben im Norden,
dort wurd‘ ich geboren,
und sommers muss ich dorthin zurück,
an klares Wasser, zu grauen Felsen,
zu roter Sonne und langem Tag.

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