Claudia Kehrer

Der Sommer ist noch lang an Tagen,
warum sollt' ich mich jetzt schon plagen?
"Vorräte sammeln kann ich morgen noch."
So sprach ein Hamster in seinem Loch.

Den ganzen Sommer blieb er faul liegen,
um seine Nase schwirrten schon Fliegen.
"Vorräte sammeln kann ich morgen noch."
So sprach der Hamster in seinem Loch.

Es wurde kälter, der Herbstwind kam,
in seinem Bau, da war's noch warm.
"Vorräte sammeln kann ich morgen noch."
So sprach der Hamster in seinem Loch.

Der Winter kam, kahl wurde das Land,
kein Tierlein noch ein Bröcklein fand.
"Vorräte sammeln kann ich jetzt nicht mehr."
Darum blieb auch sein Bäuchlein leer!

 

 

Ich bin der Schneidermeister Meck,
dauernd ist meine Schere weg.
Die Nadel hab' ich auch verloren,
ich hab' einfach zuviel um die Ohren!

Ich will in Zukunft besser achtgeben,
das erleichtert mir das ganze Leben!

 

 

Biene so klein
träumt einen Traum,
oben im Baum,
Sonn' hüllt sie ein.

Rose mit Duft
steht in dem Wald.
Die Biene hört bald
dass die Rose sie ruft.

 

 

Aus der Erde zum Lichte
bricht's sprudelnd sich Bahn,
schäumt den Berg schnell hinunter,
zu Tale fließt's dann,
rauscht bald hier, funkelt dort,
und dann spritzt's in die Höh'.
Am End' dann findet's Ruh' im See.

 

 

Was wütest du, du kleiner Wicht?
Begütigend der Vater spricht.
"Dieser da hat mich gestört,
das finde ich ganz unerhört!
Geschubst hat er mich,
Doch was kümmert das dich?"

"Was mich das kümmert? Das kann ich dir sagen:
Ich war so klein wie du vor vielen Tagen.
Auch mich hat man geärgert wie dich jetzt,
ich war damals wie du entsetzt.

Habe getreten einen jeden,
man konnte mit mir nicht darüber reden.
Ich habe darunter sehr gelitten
und dann gelernt, um Hilfe zu bitten.

Mein Großvater, der half mir dann.
Er sagte: "Probier's mal so, und fang's schlauer an!
Bleib ruhig und versuche den Leuten zu sagen,
was dich immer stört, schon seit vielen Tagen."
Ich hab's probiert und glaube mir:
Ich hab meine Wut bezwungen, das gelingt auch dir!

Doch das ist lange Zeit schon her,
heute ärgert mich niemand mehr."

 

Der Lehrling stand vor dem Meister und sann:
Was dieser Mensch so alles kann!
Sein Wissen steht für mich in den Sternen,
niemals werde ich dies alles lernen.

Der Meister jedoch überlegte und sann:
Mal sehen, ob er dies nicht doch lernen kann!
Die Aufgaben waren mal groß und mal klein,
der Lehrling übte und arbeitete fein.

Dann ward er Geselle. Der Meister, recht weise,
schickte ihn auf eine lange Reise.
Der Geselle lernte mit Kopf, Herz und Hand,
als Meister er dann vor SEINEM Lehrling stand.

 

 

"Oh Schreck,
ein Fleck,
was mach' ich bloß?
Verdorben ist die ganze Hos'.
Was sollen nur die Leute sagen?
Sie werden mich sicher zum Dorf hinausjagen!" -

"Ach was, mein Freund, so schlimm ist das nicht!
Komm einmal hierher ans Fenster zum Licht.
Ein Stückchen Stoff wird hier zur Rose,
sie verschönert noch die Hose!"

 

 

Der König der Tiere, der lag und schlief.
Er wurde geweckt von einer Maus,
die hatte große Angst und rief:
"Oh weh, jetzt ist es mit mir aus.

Herr König, bitte verschone mich,
ich will es dir auch vergelten!"
Der Löwe lachte ganz fürchterlich:
"Du kleiner Wicht? Du hast nichts zu melden!"

Das Leben schenkte er der Maus trotzdem noch.
Das war sein Glück, denn eines Tages war er gefangen.
Die Maus nagte ins Netz ein großes Loch,
der Löwe konnte durch sie seine Freiheit erlangen.

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