Christoph Steins

Oktober war`s, es wurde langsam kalt.
Da fiel ein Samenkorn in einen Felsenspalt.
Den ganzen Winter hat es dort gelegen,
Blieb ungestört von Schnee und Eis und Regen.

Im Frühling hat die Sonne es entdeckt;
Mit warmem Strahl hat sie es aufgeweckt.
Es streckt ein Würzelchen tief in der Erde Schicht;
Ein grüner Spross reckt sich empor zum Licht.

Bald wachsen Stengel, Blatt und Knospe zart;
In Duft und Farbenpracht die Blüt` sich offenbart.
Und aus der Blume sonngereiftem Kreise,
Vom Wind getragen, geh`n die Samen auf die Reise.

 

 

Schnell fließt das Wasser
Vom Berge herab,
Fließt über Kanten, durch felsige Spalten,
Fließt mit Gebraus; wie es spritzt!
Wie es rauscht!
Freut sich der Kraft seiner Wassergewalten.
Nichts kann es halten.
Seht, wie im Tale wird ruhig sein Lauf,
Stetig, gemächlich, gefasst;
Wird uns zum Helfer, zum Freund in der Tat,
Trägt uns`res Schiffs schwere Last –
Mühelos und ohne Hast.

 

 

Schnell rauscht des Baches Strom,
Nimmt auf die Reise mit
Sand, Staub und Kieselstein,
Zweiglein und Blatt;

Fließt durch die Felsenkluft,
Springt über Klippen glatt,
Krümmt sich im Wiesengrund,
Eilt ohne Ruh.

Wendig das Wasser folgt
Formen der Felsenwelt,
Formt mit Beständigkeit
Selber den Stein.

 

 

Farben des Frühlings rings umher,
Licht spielt im leuchtenden Blütenmeer.
Blätter, dem Himmel entgegengestreckt,
Grüßen die Sonne, die sie geweckt.

Treibt aus der Blüte die Frucht und quillt,
Reifet und rundet, von Saft gefüllt.
Labt sich der Mensch an der üppigen Pracht,
Danket dem Schöpfer, der all dies gemacht.

 

 

Der Himmel schwärzlich zugezogen,
Den Regen im Gesicht –
Mag es doch sein!
Der düstren Wolken dräuend Wogen,
Es schreckt mich nicht.
Dem Regen folgt der Regenbogen
Mit Sonnenlicht.

 

 

Klick-klick und klack, klick-klick und klack,
So klopfen die Klüpfel beim Kirchhof im Takt.
Es klopft der Steinmetz tagaus, tagein,
Das Kirchenportal soll gemeißelt sein.

Mit grobem Eisen schlägt er hart,
Die feine Spitze führt er zart,
Formt Bogen und Säule, Mariens Gewand,
Des heiligen Petrus ehrwürdige Hand.

Er hämmert und klopft mit kräftigem Arm.
Selbst wenn es schneit, ihm ist stets warm.
Er arbeitet fleißig bis in die Nacht,
Zu Gottes Lob sei das Werk vollbracht.

 

 

Als summende, brummende, wimmelnde Wolke
Umschwärmt ein Volk wilder Bienen den Baum.
Inmitten des Tosens steht ruhig der Imker,
Bereitet behutsam dem Schwarm neuen Raum.

Dankbar empfängt er der Bienen Geschenk,
Was sie mit Eifer herbeigetragen,
Im Honig erhält er der Götter Getränk,
Der Blumen Sonnen-Lichtesgaben.

 

 

Scharf bläst der Wind,
Hoch schäumt die Gischt,
Der Schutz des Hafens ist noch fern.

Tost auch das Wasser,
Brodelt die See,
Den Steuermann kann nichts beirr`n.

Er kennt das Meer,
Er lacht den Böen,
Dem Sturme bietet er die Stirn.

Er weiß das Ziel,
Er hält den Kurs,
Gelassen folgt er seinem Stern.

 

 

Stille stehe ich im Boot,
Fern von Lärm und Hetze,
Hier, weit draußen auf dem See,
Leg` ich meine Netze.

Schau` der Sonne Morgenglanz,
Folg` der Wolken Treiben,
Auf des Wassers wiegend Plan
Mag ich gerne bleiben.

Hole ich die Netze ein,
Freu` ich mich am Fange,
Lenk` zum Ufer meinen Kahn,
Heimwärts mit Gesange.

Es pocht, es klopft, es schlägt, es hämmert
Des Feinschmieds sich`re Hand das Gold.
Er formt in flinkem Takt zum Ringe
Glänzendes Band, auf dass es klinge,
Auf dass es klar und lauter singe,
Zur Freud und Ehr der Jungfrau hold.

 

 

Aus feuchter Erde ward der Ton gehoben,
Geformt zum Krug ward er von Menschenhand.
Die Luft gab ihm im Trocknen seine Härte,
In Feuers Hitze wurde er gebrannt.

In Feuers Glut ward er im Innersten verwandelt,
Aus edler Form entströmt nun edler Trank.
Was einstmals dumpf beginnt nun selbst zu klingen,
Erde, Luft, Wasser, heiliges Feuer, den Elementen Dank!

 

 

Das Ross hält still
Auf des Schmiedes Ruf.
Der fasst es sanft,
Hebt seinen Huf,
Nimmt Maß, und geht
Das Eisen Schmieden,
Es nach des Hufes Form zu biegen.
Das Pferd geschickt er neu beschlägt,
Dass sicher es seinen Reiter trägt.

 

 

Kreisrund der Reifen ehernes Band,
Kreisrund der Dauben hölzerner Rand.
Gesägt aus strammer Eiche Stamm,
Gespalten überm Hahnenkamm,
Gehobelt, gedübelt, ins Rund gestellt,
Gewässert, gefeuert, gezogen,
Die eisernen Reifen aufgeprellt,
Dem Fasse den Bauch gebogen.
Zuletzt die Böden eingepresst,
Steht das Gebinde, gediegen und fest.
Einen Malter Most es hält,
Küfer, hast gutes Werk bestellt!

 

 

Stund` um Stunde hat der Mühlbach
Den Mühlenteich gespeist.
Nun hat des Wassers Pegel
Den rechten Stand erreicht.
Der Müller geht zu Werke:
Er schmiert das große Rad,
Setzt Mahlwerk und Getriebe,
Dreht Schleuse und Geschiebe,
Öffnet der Flut den Pfad.
Da sprengt`s übers Wehr,
Jagd brausend daher,
Eilt rauschend hinab,
Beschleunigt das Rad.
Das Wasser auf rastloser Reise
Bereitet dem Menschen die Speise.

 

 

Es steht der Eichbaum trotzig
Fest in der Erde Grund,
Streckt mächtig seine Krone
Ins weite Himmelsrund.
Er bietet Schutz den Tieren,
Dem Menschen schenkt er Kraft,
Der, mit des Stammes Stärke,
Mit Geist, gar große Werke
Mit seinen Händen schafft.

 

 

Auf plätschernder Welle gleitet
Gemächlich des Fährmanns Kahn,
Durch schwebende Nebel steuert
Er sicher das Ufer an.

Fließendes Wasser,
Kräftige Hand,
Kurz währt die Reise,
Fest grüßt das Land.

 

 

Lebendige Welle,
behende und schnelle,
quirlt brausend und gurgelnd
am Fuße des Turms.

Der Leuchtturm steht stille,
– gebändigter Wille –
weist sicher den Weg
im Geheule des Sturms.

Sein Licht zu schauen
lässt ihm vertrauen.
Er ist der Helfer
und Freund in der Nacht.

So steht er seit Zeiten
die Schiffe zu leiten,
fest und beständig
hält er die Wacht.

 

 

Hoch schwingt der Schmied seinen Hammer.
Das Eisen, er schlägt es geschmeidig.
Rot-glühend zieht er`s aus dem Feuer,
Und schmiedet es Schlag um Schlag.
Wild zischt im Wasser das Eisen.
Der Meister, er härtet die Klinge.
Er formt das Schwert auf dem Amboss
Und schärft eine Spitze dem Stahl.
Soll es dem Mutigen dienen.

 

 

Lautlos rinnt das flüssige Metall
In die feste Schale.
Lautlos ruht es; bis es hart und kalt,
Tagt es sieben Male.

Endlich wird der Mantel aufgezwungen,
Löst sich die Form vom Blocke.
Des Gießers Hand fragt ehrfürchtig,
Wie wirst du tönen, Glocke?

Als dann im Turm sie sanft beginnt zu schwingen,
Erklingt von unten her Gesang.
Die Glocke selbst beginnt zu singen,
Erschallt allda in hellem Klang.

Kommentar
11.03.2019 | Christian Seitz | Klassenlehrer i. R.
Eine sehr schöne Anregung. Vielleicht könnte sich die Schlange in den Schwanz beißen, wobei das letzte Wort mit jenem Buchstaben endet, mit dem das erste Wort beginnt. Ein Uroboros also.
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