Alexander Piecha

Den ganzen Sommer lang
ertönte der Grille froher Gesang.
Die Ameise hingegen,
trug auf vielerlei Wegen,
eifrig und ohne Pause
Vorräte nach Hause.
Als dann die Kälte kam,
da lag vor Hunger ganz lahm
die Grille im Schnee
und wär' wohl gestorben, o weh,
hätt' die Ameise nichts abgegeben
und ihr so gerettet das Leben:
„Dein Lied mich im Sommer erfreute
darum helfe ich im Winter dir heute."

 

 

Kaum ist es hell,
jagt ein Vogel vorbei.
Wie ein Pfeil so schnell
fliegt die Schwalbe - juchhei!
Sie vertraut der Kraft ihrer Schwingen,
hat keine Zeit zum Schnattern und Singen,
Hin und her,
kreuz und quer
fängt sie Futter für ihre Brut,
immer zielstrebig und gut.

 

 

Gewaltig ist die Stärke des Bären,
dick ist sein Fell,
ruhig sein Blut.
Es lassen ihn alle gewähren.
„Nur nicht zu schnell!",
so ist es ihm recht.
Doch sei auf der Hut,
sonst geht es dir schlecht!
Denn, wenn es mal drängt,
wird er flink und behänd'.
So bleib auch du
ruhig und gelassen,
doch greif kräftig zu,
gilt es, die Dinge zu fassen.
Im Garten auf der Mauer
liegt eine Spinne geduldig auf der Lauer.
Reglos hockt sie im Schatten versteckt,
bis sie eine saftige Fliege entdeckt.
Geduldig und leise zu schauen,
dann im rechten Augenblick sich trauen,
sich rasch zu regen,
sich flink zu bewegen,
und nie aus dem Blick das Ziel zu verlieren:
Ein solches Können hilft nicht nur den Tieren.

 

 

Früh vor dem ersten Tageslicht
bleibt dem Bäcker noch Zeit zum Beten,
dann gilt es, den Teig zu kneten,
bis das Brot fertig gebacken im Laden liegt.
Tritt nun ein Mädchen oder Bube
ein in seine warme Stube,
so gibt er hin mit freundlichem Gruß,
was ein jeder zum Leben wohl haben muss.
Wohl allen, die solch herrliche Gaben
für andere herzuschenken haben!

 

 

Oben im Lichte, da scheint er gering
der Maulwurf, den einer im Übermut fing:
Blind und mit schwarzem Fell,
plump und mit breiten Händen.
Doch gar flink und schnell
ist er in den dunklen Gängen.
Denn da ist sein Reich,
da kommt ihm keiner gleich.
Alle Wesen sind hernieden
auf Erden ganz verschieden,
drum betrachte auch du Gottes Welt
nicht nur nach dem, was dir gefällt.

 

 

Bläst der Wind frisch und frei
fegt er hinweg so allerlei.
Der Pusteblume weiße Tracht,
die packt er mit sanfter Macht,
trägt sie davon in den Himmel:
Ein fröhlich tanzendes Gewimmel.
Beruhigt sich der Wind, sinkt hernieder
auch des Löwenzahns Samen wieder
auf dass eine Pflanze er werde,
tief verwurzelt in der Erde.
Doch im nächsten Frühling aufs Neue
Gottes Wind die Saat in der Welt verstreue!

Wie weit war mein Weg!
Langsamer nun führt mich heim der Ritt
in geruhsamem Schritt
über schwankenden Steg.
Du mein tapferes Pferd,
setze behutsam den Huf,
bis uns die feste Erd'
wieder sicher trägt.
Dann hör' meinen Ruf:
Im Galopp geht es weiter!
Hell und froh tönt Gesang,
zu der Hufe Klang
und das Pferd wiehert heiter.

 

 

Hoch auf dem Baum im Wind,
da hockt ein Vogelkind,
macht sich bereit
und breitet die Flügel weit.
Heimlich raunen die Blätter:
Fliegen kannst du bald
über Feld und Wald
und bei jedem Wetter.
Im Vertrauen auf deine Schwingen,
wird dir dein Flug dann gelingen.

 

 

Die Sonne leuchtet, der Tag ist jung.
Der Wanderer schreitet kräftigen Schritt's
und mit fröhlichem Schwung
in den Sinn kommt ihm so mancher Witz.
Doch gegen Mittag, die Sonn' scheint heißer,
da rinnt der Schweiß, der Schritt wird schwerer
das Lachen leiser
und der Magen leerer.
Wie herrlich wär's nun zu rasten,
und wegzulegen die Lasten.
Abendkühle weht lind und leise,
unbeirrt schaut der Wanderer voraus:
Dort in der Ferne, da sieht er ein Haus;
bald ist er am Ziel nach langer Reise.

 

 

Ein hungriger Hund
schleppt Fleisch nach Hause.
Auf der Brücke macht er Pause,
schaut in den Fluss
und erblickt, oh Verdruss
unten einen mit größerer Beute noch im Maul.
Da springt er - nicht faul -
hinab von der Brück
zu entreißen dem anderen sein Stück.
So blieb er dann heute
ganz ohne Beute.
Du erkenne die Dinge nach ihrer Weise,
es wird dir nutzen auf deines Lebens Reise!

 

 

Wolken gehen über das Land,
weiße und graue
gleich einem ewigen Band.
Sieh nur und schaue:
Sonne und Regen,
Schatten und Licht -
steter Wechsel bringt Segen.
Vergiss das nur nicht.

 

 

Wie kunstvoll der Vöglein Nest gewoben!
Derlei Handwerk muss man loben.
Wohl mehr als tausendmal
flogen die Vogeleltern zum Neste,
flochten Zweiglein sonder Zahl,
bis alles bestellt war auf das Beste.
Nach wohl getanem Werk sodann
ein jeder frohgemut singen kann.
So will auch ich meine Arbeit freudig tun
und dann spielen, singen - oder ruh'n.

 

 

Ohne Furcht entfacht der Schmied
sein Feuer und das faucht ein Lied.
Eisen glüht, er packt die Zang'
Hörst du den wuchtigen Klang?
Er hebt den Hammer und trifft genau,
tritt näher, trau dich nur - schau:
Wie der Schmied ganz ohne Eile,
aus glühendem Eisen formt die Teile
so ergreife auch du deine Tat
bis alles sich gefüget hat.

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