Heidi Engel

Wenn die Rosen erblüh‘n
und mich duftend umringen,
möcht‘ vor Freud’ ich und Glück
durch die Gärten gleich springen:

Von Ros‘, zu Ros‘, von Duft, zu Duft,
von Gelb zu Rot, in Sommers Luft.
Ein Rosengärtner möcht‘ ich sein,
dann soll‘n sie täglich mich erfreu’n!

*

Meister so sprecht,
ruhig mir Rat:
wie wird es rund,
rollendes Rad?

Mit Bedacht der Wagner redet:
Viel Geschick, das brauche ich,
Bohrer, Messer, Hammer, Zirkel,
dass nur ja das Rad nie bricht!

*

Kutscher kann ich heute sein,
meine beiden Gäule,
treib ich tüchtig, lenk sie leise,
ganz gekonnt auf meine Weise.

Wartet die Weide am Ende des Weges,
füttre ich fleißig die fröhlichen Pferdchen,
geb‘ ihnen Gras und gutes Getreide,
geb‘ ihnen Wasser und gute Worte.

*

In der Küche kochen Köche,
Liebevoll die Leckereien,
wiegen Waren auf der Waage,
schneiden schnell mit scharfem Messer.
Braun im Bräter brutzeln Braten,
Dämpfe dringen unter Deckeln,
duftend in die Küchenluft.
Das Gericht, gekocht, gegart,
fertig wird es fein serviert.

Ich will gedenken der Kunst dieser Köche,
und ich will danken für Speise und Trank.

*

Seht in einer kleinen Kammer,
all die Stoffe, all die Farben,
Filz und Bast und Stroh und Band,
schön geordnet von fleißiger Hand.
Schwarz glänz ein Zylinderhut,
grün grüßt ein Tiroler Hut,
rot ein Käppchen hier aus Samt,
weiß ein Hut mit Schleier und Band.

Hutmacher, Hutmacher, lehre mich gleich,
du bist ein Künstler im buntesten Reich!

*

Schuhmacher, du,
mit Fleiß und Ruh,
baust mir den Schuh,

Hohe Stiefel für die Damen,
feine Schuhe für den Herrn,
Kappen- und Pantoffelschuhe,
deine Schuhe hab ich gern!
Würde sonst nur barfuß laufen
über Wege, über Straßen,
deine Schuhe werd‘ ich kaufen,
will doch keinen Weg auslassen!

*

Seh ich das Haus
sicher gebaut,
Mauern aus Stein,
Fenster so fein,
ein dichtes Dach,
sprech ich und lach:

Maurer, Tischler, Zimmermänner,
haben hier gewirkt, geschafft,
dass ich ruhig leben kann
in diesem Haus, bei Tag und Nacht.

*

Sieh, der Schnitter mit Schwung
seine Sense heut schwingt,
schau, die Sichel so scharf
in die Halme eindringt.

Die Sichel klingt,
die Sichel singt:
von Brot, von Korn,
von Speis‘ und Trank.

*

Ein Hirte, der hütet am Hügel die Herde,
er kennt alle Schafe und Lämmlein genau,
Mit ruhigen Schritten treibt er seine Tiere,
mit Hilfe der Hunde treibt er sie voran.

So ziehen die Schafe von Weide zu Weide,
so wandert der Hirte von Ort zu Ort.

*

Es donnert und grollt überm Tale,
der Bauer bedenket sich wohl:
mit Mühe gemäht,
getrocknet das Gras,
so liegt es auf freiem Feld.
Noch vor dem Gewitter,
muss er dort hinaus,
in die brennende Glut des Tages.

Und gekonnt türmt er hoch auf den Wagen das Heu,
er wirft Gabel um Gabel hinauf,
und voll Glück fährt der Bauer geschwind auf den Hof,
vor dem Regen, der prasselnd bald fällt.

*

Behände, so werden
die Weiden geschnitten,
gewässert und prüfend beschaut.
Der Korbflechter greift sich die Ruten heraus
und beginnt nun sein herrliches Werk.

Es wächst jetzt ein Wunder,
geflochten aus Zweigen:
Bewahrer der Dinge!
Schau, welch prächtiger Korb!

*

Feines Leder scheint zu fließen,
durch des Täschners flinke Hand,
viele Farben, weiche Felle
öffnen mir ein Zauberland:
Bunte Taschen, große, kleine,
schwere, leichte, grobe, feine:

Da türmen sich Koffer, auf Tischen sie drängen,
Taschen versammelt, am Schranke sie hängen.
Blick ich zum Täschner: geschickt und behänd,
Stich sich auf Stich durch das Leder drängt.

*

Der Buchbinder bindet
das Buch aus Papier,
mit Schnüren und Kleister,
so macht es der Meister!
Mit Pappe und Leder,
so schlägt er es ein,
er trocknet, er presst es
und schneidet es fein.

Nimm nun das Buch
ruhig zur Hand,
lass dich entführen
in fernes Land.

*

Fährmann, du fährst über den Fluss,
Fährmann, du fährst ohne Verdruss:

Hin und her, von hier nach dort,
nimm mich mit und bring mich fort.
Her und hin, von dort zurück:
Hier zu sein, das ist mein Glück!

*

Lob der Sonne,
Lob den Sternen,
Lob dem Regen,
Lob der Erde.

So singt der Sämann
zum Danke sein Lied.
So singt der Sämann
zum Danke sein Lob.

*

Bald sprießt ein Halm
aus dunklem Grund
höher hinauf,
sonnengetränkt,
regenbenässt,
wächst er und wird.
Schwer hängt am Halm
Ähre und Korn,
wenn dann im Herbst
Sichel sich schwingt,
sicher geführt
von Bauers Hand.
Sicher geführt
über das Land.

Schwach und zart
ist erst der Halm.
Stark und biegsam
trägt er das Korn.

*

Der Tischler-Geselle,
er säget und beilet,
er hämmert und feilet,
er bohret und klebet,
gekonnt mit Geschicke,
die Bretter, die Stäbe,
aus herrlichem Holze,
zu Stühlen, zu Schränken,
zu Kisten und Kästen,
zu Tischen und Bänken.

Und wenn ich mich setze,
und wenn ich mich lege,
Herr Tischler,
dann danke ich deinem Betriebe.

*

Weberschiffchen, Weberschiff,
flitzt von links nach rechts,
flitzt von rechts nach links,
webst und webst die Fäden fein,
webst und webst die Farben ein,
stehst nie still und stehst nie stumm.

Lob sei dem Schiffchen, das ruhlos sich regt,
Lob sei dem Weber, der fleißig es führt.

*

Auf der Burg überm Tal flackert hell im Kamin
eine Flamme und strahlt in den Saal,
wo der Sänger die Stimme zum Lobe erhebt,
von vergangenen Zeiten singt er:

Er singt von Lieb,
er singt von Leid,
er singt von Angst,
er singt von Freud.

*

Bäckergesell,
nimm einen Topf,
Wasser und Salz,
Hefe und Mehl,
tu nun hinein,
knete den Teig -
dann lass ihn ruh‘n!

Bald da quillt der Teig im Topfe.
Brote, Brötchen, runde, lange,
formt der Bäcker mit Geschick.
Mit dem Backbrett in den Ofen
schiebt er sorgsam Laib um Laib.
Und beizeiten öffnet er
endlich nun die Ofentür:
oh – der Duft geback‘nen Brotes
lässt mich gleich zum Bäcker laufen:
Brezeln, Brötchen, Kuchenstücke,
geh ich gern beim Bäcker kaufen.

*

Wie der Küfer geschickt seine Fässer erbaut:
Daub’ an Daube gedrängt in die Reifen aus Stahl,
fest verschließen die Deckel das Fass.

Volles Fass – rollt und rollt,
gut gefüllt, gut gebaut!
Volles Fass – ruht und ruht,
und bewahrt wertvolles Gut!

*

Herr Hufschmied,
Herr Hufschmied,
beschlaget mir fein,
vier Hufe
vom Pferdchen,
vom Rösslein mein.
Denn heut will ich reiten,
hinaus in die Welt,
Über Berge und Hügel,
so weit mir’s gefällt.

*

Bringt Wasser und Sand mir,
Zement noch zur Stelle,
dann misch ich geschwinde
den Speiß mit der Kelle
und füge im Lote
die Steine zu Mauern
in luftige Höhen,
die mich überdauern,
die mich überragen
und alles ertragen.

So singet der Maurer,
er singet sein Lied,
wenn er fröhlich wirkend
die Lande durchzieht.

*

Gleißend und grell,
scheinet die Sonn‘,
wärmet die Welt,
wärmet den Baum.

Fleißig und flink
pflücket die Hand,
Früchte vom Zweig,
wirft sie aufs Netz.

Schnell und geschickt
verliest nun die Hand,
Früchte um Frucht
Gute heraus.

Bald beginnt die Dämmerung
über dem Olivenhain,
Fässer voll der frischen Früchte
mahlt der Müller in der Mühle,
presst heraus das helle Öl
und gewinnt der Sonne Wärme.

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