Sven Saar

Der Tintenfisch

Träumend tief im blauen Meer,
wiegt er sanft sich hin und her,
lässt die Arme, diese vielen,
froh im kühlen Wasser spielen
und sich von den großen Fischen
schlauerweise nie erwischen:
Denn kaum kriegt er einen Schreck -
Sprüht er Tinte und ist weg!         

 

 

Tigerkinder

Streitige mutige Tigerlein
möchten schon immer gern Sieger sein:

Wissen mit Schlangen
Streit anzufangen,
Elefanten anzugranten,
freche Affen anzublaffen,
Mit scharfen Zähnen
gar grausig zu gähnen....

Willst du sie friedlich, so kraul sie:
Dann werden schnurrig und faul sie!

 

 

Der Ziegenbock

Die Hörner, die spitzen,
die Augen, sie blitzen,
die Hufe, sie scharren im Staub -
schon senkt der Kopf sich,
jetzt nimm in Acht dich,
elender Bock - bist du taub?

Es donnert drauflos,
es gibt einen Stoß,
nun kommt das Böcklein gekrochen -
mit wildem Mut
und haltloser Wut
hat es den Spiegel zerbrochen!

 

 

Das Eichhörnchen

Durch die Luft
auf den Ast,
keine Ruh,
keine Rast.
Pass nur auf
in der Hast,
dass du's Ziel
nicht verpasst!

Baumstamm rauf
und hinab,
schnapp die Nuss
dir und grab.
Doch hab acht:
darfst den Ort
nicht vergessen!

Denn der Winter
wird kalt,
und wenn Schnee
liegt im Wald
hast du Armes
nichts Warmes
zu essen!

 

 

Der Adler

Herrlich ist es, frei zu schweben,
in der Luft fast still zu stehn,
Hoch am Berg im Wind zu leben
Und die weite Welt zu sehn.

Doch entgeht mir auch  nichts Kleines
Tief im fernen, grünen Tal:
Späht mein Auge etwas Feines,
fass ich mir ein Herz -
und fall!

 

 

Das Känguruh

Hopp! Ich bin das Känguruh!
Hopplahopp! Wer bist denn Du?
Fröhlich bin ich, groß und jung,
komm herbei mit Riesensprung,
hüpfe manchmal auch zu weit -
War das dein Fuß? Tut mir Leid -
Hoppla, komm, hab Spaß mit mir -
Hopplahopp, jetzt spielen wir!

 

 

Das Reh

Ein schnupperndes Näslein, ein zuckendes Ohr,
scheu kommt das Reh aus dem Dickicht hervor -
Hält inne und spürt,
was im Wald so passiert,
ist stets bereit, schnell zu verschwinden.

Doch führt es die Neugierde eifrig und gut
zu frohem Entdecken mit vorwitz'gem Mut:
Was soll ich hier stehen?
'S gibt so viel zu sehen!
Jetzt auf in die Welt und es finden!

 

 

Das Fohlen

Sorgsam mit zarten, leis stolpernden Hufen
folgt es der Mutter mit wiehernden Rufen,
braucht es zum Mute
noch die Stute
in der Herde
der großen Pferde -
Doch was ist das?
Grutzgrünes Gras!
Frischblaue Luft!
Blütenduft!
Auf geht's und losgaloppiert in die Welt,
weil mir hier alles so herrlich gefällt!

 

 

Die Schildkröte

Unbeirrt, bedächtig, stetig,
folgt sie sicher ihrer Bahn.
Hetz und Hast hat sie nicht nötig,
kommt auch so am Ziele an.
Weise ist sie, sanft und milde
und führt Gutes nur im Schilde.

 

 

Der Schäferhund

Noch vor kurzem war der Hund
flauschig, tapsig, klein und rund.
Doch gewachsen ist man schnell,
froh und laut ist sein Gebell.
Seine Schafe kennt er gut,
schützt sie vor dem Wolf mit Mut,
treibt sie an den richt'gen Ort,
folgt dem Schäfer stets aufs Wort.

 

 

Die Kuh

Gut geht's der Kuh
in ihrer Haut,
hat ihre Ruh'
und kaut.
Doch ist sie nur selten
so ganz ohne Regung:
Zumindest ihr Mundwerk
ist stets in Bewegung.
Um sie herum ist es immer gemütlich -
wären wir alle doch immer so friedlich!

 

 

Der Hahn

Sonnenaufgang, Nacht zu Ende,
aus dem Bett und Augen auf!
Tiere, Menschen, große, kleine,
jetzt nimmt's Tagwerk seinen Lauf!

Alle mir nach! An die Arbeit!
Menschen! Esel! Federvieh!
Zugepackt und fröhlich schaffen!
Alle mir nach! Kik'riki!

 

 

Die Ameise

So stark bin ich, du glaubst es kaum,
ich lauf mit raschem Schritt
und schwerer Last am hohen Baum-
stamm mit den Brüdern mit.

Dass ich dem Wald von Nutzen bin,
und Gutes tu, das weiß ich:
Drum bin ich auch mit frohem Sinn
stets arbeitsam und fleißig.

 

 

Die Schwänin

Mutter Schwan
zieht die Bahn
auf dem Teich
weiß und weich,
hält den Schwanz
hoch und ganz
wie ein Fähnchen.

Und sie weiß
ganz genau:
Hinter ihr
klein und grau
mühen artig
und hart sich
die Schwänchen.

Die Lerche

Dort in den Lüften, kaum noch zu seh'n,
unsichtbar fast, scheint sie stille zu steh'n,
hat sich erhoben hoch über die Weide,
Flügel froh schwingend voll Lebensfreude.

Und ihre herrlichen klangvollen Lieder
weisen des Menschen Herz himmelwärts wieder.

 

 

Der Schmetterling

Leichtfüßig taumelnd, tanzend,
flatterhafter Falter, du,
spring, Schmetterling,
in der Blüten Ring.
Find deine Blume
Und ruh'.

 

 

Die Eule

Still im hellen Tageslicht -
schläft sie oder schläft sie nicht?
Scheinbar träumend,hat sie acht
auf die Dämm'rung,  auf die Nacht.
Lautlos steigt sie in die Luft,
schwebt durch zarten Blütenduft:
Unter ihr bewegt sich viel -
sicher findet sie ihr Ziel.

 

 

Der Seestern

Bin ein kleiner Seestern,
hab die weichen Wellen gern,
liege auch voll Wonne
in der warmen Sonne.
Doch am liebsten fühle
ich das Meer, das kühle,

Seh' zu, wie die Möwen
hoch über mir fliegen
und sich die Algen
im Wellengang wiegen.

 

 

Der Elefant

Ach, der Elefant beim Spiel,
läuft herum und steht nicht viel.
Deshalb fällt ihm (weil sehr munter)
manches kostbare Ding herunter.

Ach, er wär' so gern manierlich,
doch er ist nun mal nicht zierlich:
Deshalb steht er, wenn er will,
Einfach still.

 

 

Der Bär

Vom Winterschlaf erwacht
aus wochenlanger Nacht,
ist die Schwere nun verschwunden -
steht der Bär geduldig Stunden
in dem weißen Wasserfalle,
Harret dort der Lachse alle,
und kann geschickt von den silbrigen Fischen,
soviele er braucht, mit der Pranke erwischen.

 

 

Der Rabe

Schau des alten Raben Rast:
Auf dem kahlen Winterast
sitzt er und sieht in die Welt -
Ob sie ihm wohl auch gefällt?

 

 

Die Amsel

Schönes, schwarzes Amseltier;
hast gar keine Angst vor mir,
legst das Köpfchen seitlich keck,
schaust mich an und fliegst nicht weg...

Wenn du in die Luft dich schwingst,
auf dem Dach sitzt und da singst,
einfach so,
bin ich froh.

 

 

Der Nachtfalter

Angezogen von den lichten,
leichten Flammen aus der dichten,
dunklen Nacht,
schwirrst betört du
unbeirrt zu
auf die helle
Feuerpracht.
Doch nun zügel deine Flügel -
kommst zu nah der Gefahr:
Willst du noch lang dich am Funkeln erbauen,
Darfst du aus sicherem Dunkel nur schauen.

 

 

Die Katze

Leis und schlau,
ich weiß genau,
wo die leck'ren Mäuse wohnen -
also wart' ich
still und artig,
denn mein Sitzen soll sich lohnen.
Samtig, kratzig,
heb' die Tatz' ich,
fang die Maus -
Aus!

 

 

Der Maulwurf

Unter der Erde bin ich ein ganz Schlauer,
spitz nur einen Augenblick aus meinen Hügeln
und lach mir ins Pfötchen, wenn oben der Bauer
versucht, meine Aufwürfe gerade zu bügeln.

Schnell kann ich schaufeln durch feuchtkalte Enge,
wenn er mich auch dran zu hindern meint;
sorgfältig bau ich verschlungenste Gänge -
was kümmert's mich, ob die Sonne heut scheint?

 

 

Die Libelle

Wenn sie will,
steht sie still,
doch bei Schreck
ist sie weg
aus dem Gefunkel
in das Schilfdunkel.
Blitzesschnelle
flitzt Libelle
aus der Dichte
hin zum Lichte.
Fliegt sie hier?
Schwebt sie dort?
Schnelles Tier,
ist schon fort -
willst du es dir einmal länger besehn,
so bleib nur geduldig am Ufer stehn.

 

 

Der Igel

Unter Blättern, dichten Hecken,
tief in großen Bretterhaufen
kann ich mich sehr gut verstecken,
was ich lieber tu' als laufen,
denn ich hab' recht kleine Beine,
tripple durch die dunkle Nacht -
Angst vor Feinden hab ich keine:
Dank sei meiner Stachelpracht!

 

 

Der Falke

Dick der Handschuh, stark die Faust
gegen scharfer Krallen Stich,
zuckt der Schnabel, fliegt das Auge -
bleib noch da, gedulde dich!

Gleich darfst du die Schwingen breiten,
wird der Falkner Weisung geben,
und dich frei von Erdenfesseln
in die blaue Luft erheben.

 

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