Christoph Steins

Noch fern, doch gleich nah,
Jetzt hier und bald da,
Den Blümchen so fein
Ein Gast will ich sein.

So flieg ich im Spiel,
Der Nektar mein Ziel;
Flieg heimwärts im Nu –
Im Stock find ich Ruh.

 

 

Nach der Ruh kurzer Nacht
ist das Blümlein erwacht,
schwelgt im Licht, das die Erde erhellt.

Winkt dem Schmetterling zu;
der begrüßt es im Nu,
und eilt gleich wieder fort übers Feld.

Träumt das Blümelein leis:
Zög gern auch auf die Reis’,
flög mit Lust weit hinaus in die Welt.

 

 

Es ruht in der Erde,
in Finsternis tief,
dem Blicke verborgen,
im Stein, wo es schlief.

Ich weiß es zu finden,
ich habe die Kraft;
der Felsen gebrochen –
nun ist es geschafft!

Erreicht ist am Ende
das, was ich gewollt;
Ans Tageslicht bring ich
das glänzende Gold.

 

 

Auf gewaltigen Schwingen
Steigt der Adler empor
Zu der Pracht höchster Gipfel,
Nah dem himmlischen Tor.

Zieht mit stolzer Gebärde
Durch der Winde Palast –
Schwebt, er selber ein König,
Ohne Müh, ohne Hast.

Mit erfolgs-sich`rem Auge
Sucht er wachsam sein Ziel;
Ringsumher schrilles Kreischen,
Doch der Adler bleibt still.

 

Als Stern kam es zur Erde,
fand auf dem Dach sein Bett;
unter der weißen Decke
es gern geschlummert hätt’.

Doch weckte es die Sonne
Und rief: „Mach dich bereit!
Du gehst jetzt auf die Reise
In allerkürz`ter Zeit.“

Da putzt es sich und glitzert
Und hüpft behend vom Dach –
tropfend es singt,
klingend es rinnt,
jubelnd es springt in den Bach.

 

 

Ich stehe gelassen.
Mein Atem ist still.
Das Auge ist ruhig.
Die Hand hält den Pfeil.

Es schwirret die Sehne.
Der Pfeil schnellt ins Ziel.
Ins Schwarze getroffen –
Ich kann was ich will.

 

 

Flink hüpft der Buchfink von Ästchen zu Ast,
Trillert und zwitschert mit Lust,
Schlüpft durch die Hecke, fliegt auf in sein Nest,
Jubelt aus voller Brust.

Gleich einem Vöglein, mit freudigem Mut
Sing ich, wie mir es gefällt;
Fühle was recht ist, bedenke was gut,
Schreite hinaus in die Welt.

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