Jahre vorausgreifen: Jeden Sommer solltest du ...

Aus dem Blog 'Gedanken zur Waldorfpädagogik' von Dieter Centmayer

"Jeden Sommer solltest du ein oder zwei Bücher lesen, die Hintergrundmaterial bieten für eine Epoche, die du erst in einigen Jahren unterrichten wirst. Zum Beispiel in dem Sommer vor der zweiten Klasse lies eine Biographie von Martin Luther; in dem Sommer vor der vierten Klasse nimm dir Ernst Lehrs Mensch und Materie vor, um über Naturwissenschaft in der achten Klasse nachzudenken. Auf diese Weise wird dein Interesse wachsen, lange bevor die strenge Notwendigkeit dir befiehlt, neue Wissensgebiete zu entwicklen. ..."

Quelle: Eugene Schwarz Überlebenshandbuch für Waldorflehrer, S. 18, Maroverlag, 2000

 

Man möchte diese Ratschläge noch dadurch ergänzen, dass man empfiehlt, in den Ferien mehr Literatur zu lesen, die das Gefühl anspricht, als jene, die den Kopf anspricht. Also besonders Bücher, die man gut für den Erzählteil brauchen kann oder die in irgendeiner Weise die Phantasie beflügeln und als Hintergrund für verschiedene Epochen dienen können.

Immer noch wird die Bedeutung des Künstlerischen, Literarischen, des Schönen und der Phantasie in der alltäglichen Vorbereitung unterschätzt. Für die meiste Unterrichtsvorbereitung in der Klassenlehrerzeit braucht man viel weniger intellektuelles Wissen als man auch in Waldorfkreisen verbreitet denkt.

Wenn auf einem bescheideneren Wissensfundament eine recht aktive, künstlerische Phantasie des Lehrers sich entzündet, dann wird die Klasse davon mehr Gewinn haben. Ist die Vorbereitung schon intellektuell, dann wird es auch den Unterricht färben und die Kinderseelen werden nur mangelhaft erreicht.

Und wer sich in den Ferien nicht richtig erholt, nicht kräftig Herz und Seele erfrischt, dem wird auch das nächste Schuljahr zu viele Kräfte kosten.

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