Brieftauben fliegen gen Himmel

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Unser Pfingstfest

Die KlassenlehrerInnen der Freien Waldorfschule Freiburg St. Georgen haben versucht, dem diesjährigen Pfingstfest einen besonderen Rahmen zu geben. Das schien uns zunächst gar nicht so einfach, weil sich die pfingstliche Kernbotschaft ja eigentlich an den Erwachsenen richtet: Verbinde dich ideell aus den Kräften deiner Individualität mit anderen Menschen.

Die Bibel berichtet, dass Jesus Christus in den Ostertagen vom Tode auferstanden und an Christi Himmelfahrt in den Himmel aufgefahren ist. Die Jünger fühlten sich verlassen, allein, einsam. Sie waren auf sich selbst zurückgeworfen. Am Pfingsttag, der ursprünglich ein jüdisches Erntedankfest war, versammelten sie sich. Plötzlich erfüllte ein Brausen den Raum und der Heilige Geist senkten sich in Form von Feuerflammen auf die Häupter der Jünger. Die Einsamkeit war überwunden. Nun sprachen sie wie aus einem Geist und diese Begeisterung übertrug sich auf viele Menschen, unabhängig von deren Sprache.
 

 

Festgestaltung

Der Weg

Unsere Gestaltung des Tages sollte die wesentlichen Elemente des Pfingstfestes enthalten. Folgende Ideen sind uns dazu gekommen: Wir wollten mit der Unter- und Mittelstufe auf einen naheliegenden Berg, den Schönberg, wandern, jedoch nicht klassenweise. Die Klassengemeinschaft, die jedem Schüler Halt und Sicherheit bietet, sollte in Anlehnung an die Pfingstgeschichte für die Zeit der Wanderung aufgehoben werden. Wir bildeten insgesamt 12 altersgemischte Gruppen. Aus den Klassenstufe 1-7 wurden immer zwei Schülerinnen bzw. Schüler einer Gruppe zugeordnet.

Wichtig war uns, dass die Gruppen ohne einen Erwachsenen vom Startpunkt losgingen. Die Großen passten auf die Kleinen auf, kümmerten sich in Tempo und Hilfsbedürftigkeit umeinander. Die Elternhäuser hatten zuvor eine Einverständniserklärung unterschrieben. Am Vorabend markierten wir Lehrer vier verschiedene Wege zum Zielort mit roten Pfeilen. Wanderdauer etwa 75 – 90 min.

Am Morgen um 8:10 Uhr dann versammelten sich die Schülerinnen und Schüler der ersten vier Gruppen auf dem Schulhof. Noch einmal wurden die Regeln klar formuliert:

  • Die Großen kümmern sich um die Kleinen. Die Kleinen hören auf die Großen.
  • Die Gruppe darf sich nicht trennen oder mit einer anderen Gruppe, falls man sich doch begegnen sollte, mischen.
  • Keine Gruppe darf überholt werden.
     


Dann gingen die ersten vier Gruppen auf vier verschiedenen Wegen los. 15 min. später Gruppen 5 - 8, wiederum 15 min. später die Gruppen 9 – 12. Anschließend folgten vier LehrerInnen, die die Pfeile auf den Routen wieder einsammelten. Eine andere Lehrergruppe fuhr mit dem Auto zum Zielplatz, um vor der ersten Gruppe auf der Wiese am Schönberg zu sein. 
 


Blumenmandala

Nach dieser ganz ungewohnten, auch abenteuerlichen Wanderung, wollten wir auf der Wiese Gemeinschaft neu erleben. Schon erblickte man die erste Gruppe. Jeder Schüler, jede Schülerin hatte eine Blume mit im Gepäck. Auf der Wiese des Schönberges sollte ein wunderschönes Blütenmandala von über 400 Blüten entstehen. Das Mandala wuchs mit jeder ankommenden Gruppe. Dann war Zeit zum Vespern. Kurz nachdem die letzte Gruppe die Wiese erreicht hatte, versammelten sich alle Klassen im Kreis.

„An hellen Tagen“ fünfstimmig

Die Pfingstgeschichte wurde von einem Lehrer erzählt und eingebettet. In den Wochen zuvor hatte jede Klasse eine bestimmte Stimme vom fünfstimmigen Satz „An hellen Tagen“ geübt. Keine Klasse kannte jedoch das Lied mit allen Stimmen. Das Zusammenführen der Stimmen wurde durch unseren Musiklehrer unter freiem Himmel zu einem wunderbaren Erlebnis.

Tauben

Der letzte Höhepunkt sollte das Aufsteigen von 6 Brieftauben sein. Ein Taubenzüchter hatte uns diese zur Verfügung gestellt. Anstelle der Feuerzungen, die sich vom Himmel auf die Jünger senkten, ließen wir mit den letzten Klängen des Liedes die Tauben in den Himmel aufsteigen. Das war tief beeindruckend. Zur Orientierung flogen sie zunächst am Himmel ihre Kreise und entschwanden dann unserem Blick, um ihre Heimreise anzutreten.

Anschließend machten sich die Kinder im Klassenverband mit ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern auf den Heimweg. Damit endete der letzte Schultag vor den Pfingstferien. 

Natürlich klappte nicht alles reibungslos. So gab es ganz vereinzelt Kinder, die nicht bei ihrer Gruppe blieben und vorauseilten. Abgesehen davon war es ein sehr schönes Fest, das einen tiefen Eindruck hinterlassen konnte.
 

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