Blitze und eine Drachenschnur

Eine Ansprache aus der Freien Waldorfschule Leipzig

Liebe 6. Klasse,

tja, auch die schönsten Ferien gehen einmal zu Ende und wir starten in ein neues ereignisreiches Schuljahr.

Ob in den Ferien oder im Alltag: ständig sind wir von den Phänomenen der Natur umgeben. Darüber denken wir gar nicht weiter nach. So selbstverständlich erscheint uns das. Unsere Sinne nehmen viele Dinge wahr: Töne, Licht und Schatten, Farben, Wärme und Kälte, Bewegungen. Und wenn man diese vielen Erscheinungen nun genau beobachtet und darüber nachdenkt, lassen sich erstaunliche Gesetzmäßigkeiten entdecken. So können wir die Welt verstehen lernen.

Einer, der sich intensiv dem Studium der Phänomene gewidmet hat, war Benjamin Franklin. Franklin war einer der Gründerväter Amerikas. Trotzdem er nur zwei Jahre zur Schule gehen konnte - die Familie war arm und hatte 15 Kinder - wurde er ein hervorragender Politiker und Wissenschaftler. Er hat sein Leben lang nie aufgehört, zu beobachten und zu lernen. So hat er viele nützliche Erfindungen gemacht. Von einer möchte ich euch heute erzählen:

Zu Zeiten Franklins, also vor mehr als 250 Jahren, war den Menschen noch nicht bekannt, dass ein Blitz elektrisch geladen ist. Vielmehr glaubten sie, dass Blitze eine Strafe des Himmels seien.

Franklin wollte seine Zeitgenossen von diesem Aberglauben abbringen und beweisen, dass ein Blitz nichts anderes ist als sichtbar gewordene Elektrizität.

Für seinen Versuch befestigte er stromleitendes Metall an einer Drachenspitze. Am Ende der Schnur befestigte er einen Schlüssel. Als er im Beisein seines Sohnes am 15. Juni 1752 seinen Drachen bis auf Höhe der Wolken steigen ließ, funktionierte sein Versuch tatsächlich. Der Drachen zog mächtige Funken auf sich, die aus dem Schlüssel sprangen. Der Blitz hatte also die Elektrizität an die Drachenspitze aus Metall abgegeben, die von da aus durch die nasse Schnur bis zum Schlüssel geleitet wurde.

Durch dieses lebensgefährliche Experiment, das man auf gar keinen Fall nachmachen sollte, hatte Franklin bewiesen, dass Blitze aus elektrischer Energie bestehen. Wäre der Blitz direkt in die Drachenspitze eingeschlagen, hätte es ihn das Leben gekostet. Doch er hatte Glück und auch die Idee für eine neue Erfindung. Er überlegte sich, dass es doch auch möglich sein müsste, Blitzeinschläge von Gebäuden fernzuhalten und damit großen Schaden abzuwenden.

Aufgrund seiner Erkenntnisse entwickelte er ein Gerät, das die Spannung des Blitzes in die Erde ableiten konnte. Seine Erfindung nannte er, ihr habt's bestimmt schon erraten, Blitzableiter. Es ist ein Segen, dass es Blitzableiter gibt und wir Menschen uns bei Gewitter in unseren Häusern sicher fühlen können.

In unserer ersten Physikepoche werden wir uns beobachtend mit verschiedenen Phänomenen beschäftigen. Aber es erwarten uns noch viele andere spannende Dinge, wie z. B. die Entstehung Roms oder die Gesteinskunde.

Ich freue mich darauf, das alles mit euch gemeinsam zu entdecken.

Anita Zebrowski

 

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