Der Geist Olympias

Eine Ansprache aus der Freien Waldorfschule Leipzig

Liebe Kinder der 5. Klasse!

Herzlich willkommen in der Mittelstufe! Ihr habt einen großen Entwicklungsschritt gemacht und die Unterstufe hinter euch gelassen! Vier Jahre Unterstufe - vier Jahre des fleißigen Lernens und Schaffens liegen hinter euch! Und vier Jahre - hoffentlich ebenso fleißigen Lernens und Schaffens - liegen nun vor euch, bevor ihr die Mittelstufe ebenfalls hinter euch lassen werdet.

Alle vier Jahre finden auch die olympischen Spiele statt, an denen Sportler und Athleten aus aller Herren Länder sich in fairen Wettkämpfen messen. Ihr habt sicher verfolgt, dass die olympischen Spiele in diesem Jahr in London stattfanden und vielleicht habt ihr den ein oder anderen Wettkampf gesehen und mit euren Favoriten mitgefiebert. Die Spiele sind schon sehr alt und wurden erstmalig vor etwa 3000 Jahren im alten Griechenland zu Ehren des Göttervaters Zeus ausgetragen. Das war eine große Sache.
Aus ganz Griechenland wurden junge Männer eingeladen, ihre Kräfte und ihre Geschicklichkeit zu messen. Nach der Stadt Olympia wurden die Wettkämpfe Olympische Spiele genannt. Damals schon fanden die Spiele alle vier Jahre statt und es war für jeden griechischen Mann - damals durften nur Griechen und nur Männer teilnehmen - die größte Ehre, dort mitzumachen: Dabei zu sein war wichtiger als zu siegen. Es ging nicht vordergründig darum, schneller, besser oder stärker als die anderen zu sein. Wichtiger war es, einen schönen, gekräftigten Körper zu haben und die verschiedenen Wettkämpfe in schönster Körperhaltung auszuführen.

Dennoch wurden Sieger natürlich in ihrer Vaterstadt groß gefeiert und waren angesehene Leute. Üblich für alle Sieger war, dass sie bis an ihr Lebensende keine Steuern zahlen mussten.

Damals war zwischen einzelnen Städten ständig irgendein Krieg. Damit aber jeder Grieche an den Festlichkeiten teilnehmen konnte, wurden zur Zeit der Olympischen Spiele alle Waffen niedergelegt. Alle Teilnehmer vergaßen ihre Streitigkeiten und unterwarfen sich den strengen Ritualen und Regeln der Wettkämpfe und der Schiedsrichter und achteten sehr darauf, fair zu sein. Wer unfair handelte oder gegen die Regeln verstieß, wurde sofort ausgeschlossen und wurde verspottet und die Menschen hatten keine Achtung mehr vor ihm. So wurden die Spiele auch zum Symbol der Fasirness, des Friedens und der Verständigung.

Immer wieder wurden die Spiele im Laufe der Geschichte entweder durch Verbote oder große Kriege unterbrochen und konnten nicht stattfinden. Aber immer wieder wurden sie neu ins Leben gerufen und weiterentwickelt. Sie waren dann nicht mehr eine kultische Zeremonie zu Ehren des Göttervaters Zeus, sondern eine Möglichkeit der Begegnung der unterschiedlichsten Menschen, Kulturen und Länder. Frauen durften dann selbstverständlich auch teilnehmen.

1984 kam etwas sehr wichtiges dazu: Die "Paralympics". Sie finden jetzt gerade in London statt. Seitdem können auch behinderte Sportler miteinander ihre Kräfte messen. In 18 Sportarten starten sie z. B. im Rollstuhl zum Basketball oder blind im Fahrradrennen mit einem sehenden Partner auf dem Tandem. Dahinter steht die große Idee der Menschheit: Alle Menschen sind gleich viel wert, niemand wird ausgeschlossen; nur eines ist wichtig: sich um sein Bestes bemühen!

Sich um sein Bestes bemühen - in allen Bereichen - in diesem Sinne, meine liebe 5. Klasse, möchte ich mit euch ins neue Schuljahr starten und freue mich auf viele, viele neue Inhalte, von denen die Griechenland-Epoche und die Olympiade ein Teil sind.

Anita Zebrowski

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