Sandburgen bauen

Eine Ansprache aus der Freien Waldorfschule Leipzig

Sommer und Sonne, was macht man da? Natürlich am Strand liegen. Wenn man dann so eine Weile gelegen hat, sind irgendwann alle Wellen gleich, der Himmel bleibt blau und der Sand klebt an den Keksen und knirscht beim Essen. Wer jetzt kein Spielzeug hat, der findet keines mehr. Zum Glück hatte ich dieses schöne Eimerchen mit und noch einige meiner Lieblingsspielzeuge. Doch was kann man am Strand damit anfangen? Ja, natürlich den Eimer ausmessen und dessen Volumen berechnen. Gedacht, getan. Das Volumen beträgt ca. 2700 cm³. Nach dieser kurzen Rechnung schlug ich die Zeitung auf und fand ein ganz erstaunliches Foto. Ein Foto von einem Strand. Aber nicht einfach nur Strand mit Meer im Hintergrund, wie bei fast jedem nach dem Urlaub auf Facebook, dort sah man sogar Sandburgen, offensichtlich mit einem Eimer, wie ich ihn besitze, gebaut. Den restlichen Tag verbrachte ich mit Sandburgenbauen.

Erschöpft fing ich irgendwann an, den Artikel unter besagtem Foto zu lesen. Offensichtlich haben noch andere sehr viele Sandburgen gebaut. So auch der Physiker Daniel Bonn. Ihm waren bei einem Spaziergang gewaltige Sandburgen aufgefallen. Nach dem Stand der Wissenschaft hätte diese aber gar nicht so groß sein können. Also stellte Bonn einige Formeln auf und fand heraus, dass die maximale Höhe der Burgen mit der Zwei- Drittel- Potenz des Radius wächst. (Man überlege sich, was das bedeutet, aber bitte keine Leserzuschriften zum Thema einsenden.)

Nun mögen einigen von euch diese Forschungen völlig sinnlos erscheinen. Bedenkt man jedoch, dass Stoffe in der Landwirtschaft, im Bergbau usw. von ähnlicher Konsistenz sind wie Sand, erkennt man vielleicht auch die anwendungsseitige Bedeutung. Die Gutachter fanden Bonns Arbeit auch sehr interessant, jedoch bemängelten sie, dass seine Theorie noch nicht von Experimenten gestützt wurde. Und ohne Beobachtung der Gesetze in der Natur oder im Experiment bleibt eine Theorie halt nur Theorie oder Modell, wie bei vielen Forschungen. Also baute Bonn Sandburgen und fand seine Gesetzmäßigkeit bestätigt.

Auch wir werden uns in der 11. Klasse mit Denkmodellen beschäftigen, Erklärungsversuche für Beobachtungen aller Art anstellen, Interessantes herausfinden, Methoden kennen lernen und vielleicht die Auswirkung des Sandkorns auf das Ganze sehen. Ich wünsche euch, dass ihr immer das rechte Verhältnis zwischen Höhe und Basis beachtet, damit eure Burgen nicht einstürzen.

Stephan Wogatzke, Tutor der 11. Klasse

 

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