Die Frau ist das Karma des Mannes und umgekehrt

Gesamtausgabe 120, 9. Vortrag, 26. Mai 1910

Rudolf Steiner beleuchtet in diesem Vortrag u.a. warum das Denken und Fühlen der Frau in der nächsten Inkarnation einen männlichen Leib begünstigt und das Denken und Fühlen des Mannes einen weiblichen Körper.

Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne dass es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt.

Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, dass die Frau einfach dadurch, dass sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muss als der Mann und dass diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelen­vorgängen, sondern dass sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur da­durch kommt, dass sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. [...] Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unter­schied zwischen Mann und Frau in Bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, dass die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele ver­schieden ist vom Manne, dass sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen, welche als emotionelle bezeichnet wer­den müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intel­lektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluss hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, dass sie Frau ist.

Nun haben wir ja geschildert, dass dasjenige, was wir als Eigenschaf­ten in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hinein­drängt in unsere nächste leibliche Organisation. Was nun stärker psy­chisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, dass die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhän­gen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissen­schaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen­leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Er­lebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkar­nation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der näch­sten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein­arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organis­mus wird dadurch hervorgebracht, dass die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, dass aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkul­tismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannes­organisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrun­gen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, dass Männer der Gegenwart einen heillosen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muss ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz ob­jektiv beleuchten.

Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserlebnissen verhält es sich so, dass wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlich­keit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, dass sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwun­dern, dass die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, son­dern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, dass bei einer Bewe­gung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer.

Und wer Mann ist, der weiß, was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Ge­dankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muss erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.

Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepresst worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellek­tuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektua­lismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit» des Gehirns sprechen. Es muss erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hineinfinden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlasst, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des See­lenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch nicht tief. 

[...] Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, dass die Intellektuali­tät etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, dass der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisa­tion einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen wor­den; deshalb wirkt sie jetzt so, dass der Mensch weniger seine Leiblich­keit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der näch­sten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!

Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarna­tion seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese Dinge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Er­lebnisse und in unser Handeln, so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Mannes­erlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, dass jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. [...]

Kommentar
27.11.2017 | Beate Fischer | Mutter
Was muss man denn rauchen, um diesen Quatsch zu glauben? Über Hinweise dankbar: beate@fischer.de
21.06.2018 | Ralf | ....
@ Beate. Ich habe nichts geraucht und verabscheue Drogen, kann aber trotzdem dem Text Rudolf Steiners einige interessante Gedanken abgewinnen. – Allerdings ist mir das Ganze viel zu statisch und stereotyp: Der Mann der Materialist, die Frau, die einen Teil von sich im Geiste zurückbehält und so ein ach reichhaltiges Innenleben hat. – Ach ja. Ich kann es schon buchstäblich mit geistigen Händen greifen, wie jetzt einige Frauen, die über sehr viel Emotionalität verfügen, meinen, das schon sei das Innenleben, das sich dem Intellekt überlegen wähnen kann. Dabei besteht die Kunst – nach STeiner – gerade darin, das ungeläuterte Emotionale durch das Gedankliche zu reinigen und so zu einer Vertiefung des Empfindungslebens zu kommen, das sich im kristallklaren Gedanklichen entfaltet. Gerade unter anthroposophischen Frauen oder Waldorfmüttern habe ich oft einen starken Zug zum Pragmatismus und Funktionalismus beobachten können – Spiritualität dient da vor allem der Erfüllung bestimmter Bedürfnisse der Seelen- und Leibeswohlfahrt. Die Neigung, sich einmal in einen philosophischen Text etwa Steiners zu vertiefen, der sich nicht gleich in besseres Essen, gesündere Kleidung usw. ummünzen lässt, sondern dessen Nutzen in der Freude an der Schulung der eigenen Gedanken und Empfindungen besteht, scheint mir unter Männern stärker verbreitet zu sein als unter Frauen.
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