der Kreuzestod des Christus Jesus

Rudolf Steiner führt in dem folgenden Vortragsausschnitt aus, in welcher Weise das Blut des Christus Jesus, das aus seinen Wunden während der Kreuzigung rann, die gesamte ätherisch-astrale Natur der Erde veränderte. Blut ist der physische Ausdruck unserer ICH-Kraft. Was geschieht also, wenn sich die ICH-Kraft des Christus Jesus mit der Erde verbindet?


Rudolf Steiner, aus der Gesamtausgabe 103 „Das Johannesevangelium“, S. 122-123, 26. Mai 1908

Es spitzt sich in dem Johannes-Evangelium alles zuletzt darauf zu, dass innerhalb der Menschheitsgeschichte dasjenige geschieht, was wir nennen das «Mysterium von Golgatha». Dieses Mysterium von Golgatha in esoterischer Weise verstehen, heißt zu gleicher Zeit den tiefen Sinn des Johannes-Evangeliums enträtseln. Wenn man ins Auge fasst, was eigentlich im Mittelpunkte des ganzen Mysteriums von Golgatha steht, und dies im Sinne des Okkultismus erläutern will, so muss man denken an den Augenblick der Kreuzigung, als das Blut des Erlösers aus den Wunden rann. Und wir erinnern uns dabei an etwas, was wir schon öfter im Verlaufe dieser Vorträge gesagt haben: dass für den Kenner der geistigen Welten alles, was materiell, stofflich, physisch ist, nur der äußere Ausdruck, die äußere Offenbarung ist für ein Geistiges.

Und nun lassen wir vor unsere Seele treten das physische Ereignis, den Christus Jesus am Kreuz, das Blut aus den Wunden fließend. Dieses Bild, dessen Inhalt physisches Ereignis ist, was drückt es geistig für denjenigen aus, der das Johannes-Evangelium richtig verstehen kann?

Dieser physische Vorgang, das Ereignis von Golgatha, ist der Ausdruck, die Offenbarung für einen geistigen Vorgang, der im Mittelpunkte alles Erdengeschehens steht. Wer im Sinne der heutigen materialistischen Weltanschauung dieses Wort auffasst, wird sich nicht viel dabei vorstellen können. Denn er wird sich nicht denken können, dass dazumal bei diesem einzigartigen Ereignis auf Golgatha etwas geschehen ist, was sich unterscheidet von einem etwa physisch ähnlichen oder gleichen Ereignisse. Es ist ein gewaltiger, großer Unterschied zwischen allen Erdenvorgängen, die vor diesem Ereignisse auf Golgatha liegen, und denen, die nachher kommen.

Wenn wir uns das einmal in den Einzelheiten in die Seele malen wollen, so müssen wir sagen: Nicht nur der einzelne Mensch oder irgendein anderes Einzelwesen hat physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, so wie wir das in den vorhergehenden Vorträgen in mancherlei Beziehung geschildert haben, sondern auch ein Weltenkörper ist nicht nur diese physische Materie, als die er dem Astronomen und anderen physischen Forschern erscheint; auch ein Weltenkörper hat einen Ätherleib und einen astralischen Leib. Unsere Erde hat ihren Ätherleib, ihren astralischen Leib. Würde unsere Erde nicht ihren zu sich gehörigen Ätherleib haben, so würde sie nicht Pflanzen beherbergen können; würde unsere Erde nicht ihren zu sich gehörigen astralischen Leib haben, würde sie nicht Tiere beherbergen können. Wenn man sich den Ätherleib der Erde vorstellen will, so muss man sich dessen Mittelpunkt ebenso im Mittelpunkt der Erde denken, wie der physische Erdenleib seinen Mittelpunkt dort hat. Dieser ganze physische Erdenleib ist eingebettet in den Ätherleib der Erde und diese beiden zusammen wieder in einen astralischen Leib. Wenn nun jemand hellseherisch den astralischen Leib der Erde beobachtet hätte im Laufe der Erdentwickelung, im Laufe langer Zeiträume, so würde er gesehen haben, wie tatsächlich dieser astralische Leib und dieser Ätherleib der Erde nicht immer dieselben geblieben sind, dass sie sich veränderten.

Um uns die Sache recht bildlich vorzustellen, wollen wir uns einmal im Geiste versetzen außerhalb der Erde auf irgendeinen anderen Stern, wollen denken, ein hellseherischer Mensch sehe von einem anderen Stern auf unsere Erde hinab. Ein solcher Mensch würde nicht nur die Erde schweben sehen als einen physischen Planeten, sondern er würde eine Aura sehen, er würde die Erde von einer Lichtaura umgeben sehen, weil er wahrnehmen würde Ätherleib und astralischen Leib der Erde. Würde nun ein solcher hellseherischer Mensch auf diesem fernen Stern lange weilen, so lange, dass er die vorchristlichen Zeiten für die Erde vorübergehen und das Ereignis von Golgatha hätte eintreten sehen, so würde sich ihm folgender Anblick darbieten: Die Aura der Erde, Astralleib und Ätherleib bieten einen gewissen Anblick von Farben und Formen vor dem Ereignis von Golgatha; dann aber würde er sehen, wie die ganze Aura ihre Farben ändert von einem bestimmten Zeitpunkte an. Welcher Zeitpunkt ist das? Das ist derselbe Zeitpunkt, wo auf Golgatha das Blut aus den Wunden des Christus Jesus floss. Alle geistigen Verhältnisse der Erde als solche veränderten sich in diesem Augenblicke …

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar