Marionettenprojekt der Klasse 7

Ein Beitrag von Silke Heyenga und Rachida Saadaoui (Freie Waldorfschule Schopfheim)


„Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hieß Lummerland und war nur sehr klein."
 


Folgende Szenerie: Ein komplett dunkler, kleiner Festsaal, ein winzig kleines Lummerland, gespannte Stille, rechts das Klassenorchester. Das erste Lied setzt ein, vom Orchester gespielt und dann erscheint nach und nach die gesamte siebte Klasse, 37 Kinder der Klassenlehrerin Manuela Jankowski-Meier, die mit ihrem Gesang den Einzug der Bewohner von Lummerland begleiten. Der Gesang klingt wie aus einem Mund, zart und passend zu der Kleinheit der Bühne. Sofort war man verzaubert von den wunderschön gestalteten Marionetten und davon, wie die Kinder sie lebendig werden ließen. Sicher war es nicht einfach, die Gestik der Figuren passend zum gelesenen Text zu spielen. Den Siebtklässlern gelang dies bravourös. 

 


Auch die Sprecherinnen und Sprecher glänzten mit ihrer deutlichen und exakten Sprache. Auch sie füllten die Figuren mit Leben. Und auch das Orchester brachte Stimmung in den Saal. Passend, wie eine Filmmusik, begleitete es die einzelnen Szenen mit seinen Klangwelten. Je nach Dramatik der Szene bot es alles auf und verließ dabei gewohnte musikalische Pfade. So kamen wir in den Genuss, eine Stunde lang Jim Knopf und seinen Freund Lukas auf der Reise nach China ins Tal der Dämmerung und schließlich zu Frau Mahlzahn begleiten zu dürfen, um mit der Lokomotive Emma mitzufiebern, die in einer dramatischen Szene mit Nebel und Lichteffekten die gefangenen Kinder von Frau Mahlzahn befreit. Man hat gemerkt, dass die Schüler absolut eins mit dem Stück waren, ob als Sprecher, als Spieler, als Musiker.
 


Und doch? Ist es nicht ungewöhnlich, dass Siebtklässler sich kurz vor oder schon mitten in der Pubertät mit solch einem kindlichen Stück voll und ganz verbinden? Wäre in ihrem Alter nicht etwas „Cooleres" dran? An den Kindern konnte man ablesen, dass dieser Rückgriff auf die Kindheit noch einmal genau das Richtige war. Hier konnten sie sich die Nahrung holen für die unbekannten Gebiete, die auf sie zukommen, anknüpfen an die Kindheitskräfte, die auch jeder Erwachsene noch so dringend bräuchte, wie Unbefangenheit, Vertrauen, Kreativität, Lebendigkeit, Präsenz und Initiativkraft. Und - die Nahrung war nicht nur, dass die Kinder ein solches Stück spielten, sondern auch der Inhalt des Stückes. Es geht ja bei Jim Knopf und Lukas genau um die Kindheitskräfte, mit denen sie die gefährliche Reise ins Unbekannte meistern. Daheim ist es zu eng für sie geworden, also reisen sie unbefangen drauflos, kennen keine Angst und haben immer eine Idee, wie die nächste Herausforderung bewältigt werden kann. Auch von einem Scheinriesen lassen sie sich nicht beeindrucken und erkennen hinter dem Schein den Menschen Turtur. Wie oft lassen wir uns doch vom Schein irreführen, anstatt ohne Urteile erst einmal genauer hinzusehen? Es gibt noch einige solcher Beispiele im Stück, wie Frau Mahlzahn, der böse Drache, die in einer dunklen, kalten Drachenwelt als Lehrerin alles Lebendige bei den gefangenen Kindern abtöten möchte. Am Schluss besiegt Emma den Drachen, aber Jim Knopf und Lukas töten ihn nicht. Noch so etwas Weisheitsvolles von Michael Ende: Es ist nicht so, wie wir zunächst darüber denken. Der besiegte böse Drache verwandelt sich schließlich zum goldenen Drachen der Weisheit....Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Weitere schöne Impressionen: 
 

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