Sportunterricht mal ganz anders

Ein Beitrag von Patrick Oeltjendiers (Freie Waldorfschule Bremen Touler Straße)


In einer Doppelstunde Sport der 5. Klasse kann man vieles erleben und lernen. Der Bauchladen an Möglichkeiten, den SportlehrerInnen mit sich herumtragen, kann den SchülerInnen etwas bieten, was zu ihnen passt. Die Kunst besteht darin, übergeordnete und allgemeine Unterrichtsziele des Sportunterrichts mit der Entwicklung und den Wünschen der Kinder zu kombinieren, damit Räume des Ausprobierens entstehen und Unmögliches möglich werden kann.

Diese Räume des Ausprobierens entstehen natürlich beim freien Turnen, beim Rugby, beim Joggen, beim Erlernen der Disziplinen der griechischen Olympiade, eben bei allen Unterrichtsinhalten, die von den Kindern ausgeübt werden. Nur, was passiert, wenn ich meinen Raum des Ausprobierens als SchülerIn nicht gefunden habe, der blaue Fleck am Unterarm mich daran erinnern lässt, wie blöd ein Turngerät ist, der Fallschirm aus dem Spieleturnen, unter dem ich mich verstecken soll, Platzangst verursacht. Und was passiert, wenn ich mir nicht vorstellen kann, einen Speer zu werfen und wenn ich bei der Turnhalle an die unfairen Aktionen im letzten Rugbyspiel denken muss. Wenn ich einfach mal eine Pause vom Sportunterricht brauche!
 


Damit schlechte Erlebnisse im Sportunterricht nicht dazu führen, sich zu verstecken oder Traumata zu verdrängen, bis sie sich im Erwachsenenalter nur noch mit viel Mühe aufbrechen lassen, gehen wir eine Runde Heißluftballonfahren.

Dazu packe ich die Sportmaterialien, die wir in den letzten Wochen, Monaten, Jahren hatten, in meinen Einkaufswagen und verlasse die Sporthalle. Der platzangstverursachende Fallschirm wird zur Ballonhülle oder dient als Segel auf einer kleinen Jolle. Der Gymnastik- Holzstab, den ich beim Stockkampf gegen das Schienbein bekommen habe, wird zu einem riesigen Speer und die frische Luft ist eine willkommene Abwechslung zum Aulaklima. Die Sportmaterialien werden in Kleingruppen genau unter die Lupe genommen und mit neuen Eigenschaften versehen, schlechte Assoziationen werden durch fantasievolle Bilder ersetzt und es entsteht eine kreative Auseinandersetzung mit dem Sportunterricht.
 

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