Schiimpf - eine Spielform

Ein Beitrag von Patrick Oeltjendiers (Lehrer für Sport an der FWS Bremen Touler Straße)

Super chaotic high intensive & impulsive massive pillow fight

Die Philosophie

  • Ehrlichkeit: Schiimpfer*innen sind fair, keine über­heblichen Siegerinnen und gute Verlierer*innen
  • Hilfsbereitschaft: Schiimpfer*innen sind stets hilfs­bereit und unterstützen die anderen Schiimpf-er*innen
  • Toleranz: Schiimpfer*innen schließen nie­manden aus
  • Respekt: Schiimpfer*innen fluchen im Sinne der Schiimpf-Kultur, passen sich ihren Trainingspartner*innen an und schlagen niemals eine Person ohne Kissen
  • Sicherheit: Schiimpfer*innen legen alles ab, was ihre Partnerinnen oder sich selber gefährden könnte - Schiimpfer*innen benutzen keine „Schlagmittel", die nicht absolut flauschig sind
  • Freundschaft: Schiimpfer*innen begegnen ihren Partnerinnen auch im Kampf freundschaftlich ... Spielen um des Spielens willen!
     


Das Material: Kissen

Wenn man unterschiedliche Schülerinnen in einer Aula mit vielen verschiedenen Bällen frei spielen lässt, kann man folgendes Szenario beobachten, welches sich meist bei unterschiedlichen Altersklassen wie­derholt: Es gibt Schülerinnen, die stürmen auf den Ball und schießen ihn in die Weiten der Aula, andere eröffnen ein Spiel mit mehreren, wieder andere spie­len für sich und versuchen, den Ball mit dem Fuß und / oder auf dem Kopf zu jonglieren. Neben den Misch­formen und denjenigen, für die ein Ball kein reizvolles Material darstellt, geht dieses Freispiel nur für wenige Minuten gut und man muss es abbrechen. Die Stim­mung kippt, weil sich ein Ball ungefragt mit der Nase eines Kindes verabredet hat.

Wenn man hingegen unterschiedliche Schülerinnen in eine Aula mit vielen verschiedenen Kissen frei spie­len lässt, kann man folgendes Szenario beobachten, welches sich meist bei unterschiedlichen Altersklas­sen wiederholt: Es gibt Schülerinnen die stürmen auf das Kissen und schießen es in die Weiten der Aula, andere eröffnen ein Spiel mit mehreren, wieder ande­re spielen für sich und versuchen das Kissen mit dem Fuß und / oder der Hand zu jonglieren, darauf zu rut­schen, es zu werfen, es auf dem Kopf zu balancieren, oder daraus Türme zu bauen. Und natürlich einander damit zu verhauen. Und? Alle Kinder fühlen sich von dem flauschigen Material inspiriert und bewegen sich. Das freie Spiel wird höchstens abgebrochen, weil man die Kinder in den nächsten Unterricht schicken muss.
 

Wie wird es gespielt?

Schiimpf ist ein klassenübergreifendes Spiel mit vielen Variationen. Es kann als klassisches „Schiimpf", also eine regelgeleitete Kissenschlacht gespielt werden, in der die Schiimpfer*innen versuchen, sich zu verteidi­gen, indem sie das Kissen mit beiden Händen schüt­zend vor sich halten und Schläge abblocken. Wie greift man an und wo darf man jemanden treffen? Dies darf man nur mit einer Hand, die das Kissen hält. Treffen ist nur am Rücken und Rumpf, an den Beinen und Füßen erlaubt. Werden die Tabuzonen -Kopf, Schulter, Arm oder Hand - getroffen, setzen die Schiimpfer*innen sich auf ihr Kissen, machen eine Pause oder eine Fitnessübung und sind wieder im Spiel. Die typische Frage: „Herr Oeltjendiers, wer hat jetzt gewonnen?", bleibt aus. Vielleicht liegt es dar­an, dass nach drei Minuten alle total ausgepowert sind oder weil das Spiel diese Option des Gewinnens, Punktesammelns, Schneller-Seins erst einmal aus­klammert. Spielen, weil es Spaß macht, ist hier das Motto.
 

Was bringt Schiimpf?

Natürlich Spaß, aber aus sportwissenschaftlicher Sicht werden hier viele Skills wie Spielintelligenz, Reaktionsfähigkeit, Raumwahrnehmung und Koor­dination geschult, außerdem ist es ein spielerisches Ganzkörper-Workout, in dem auch unsere 135 Lach­muskeln involviert sind. Denn es ist sehr auffällig, wie viel bei diesem Spiel gelacht wird. Wenn wir Schiimpf als „Kleines Spiel" (sogenannte Spielformen, die auf die „Großen Spiele", wie Fußball, Hockey, Volleyball und co. vorbereiten) einsetzen, kann man ein Kissen wunderbar werfen, schießen, passen ... ohne sich zu verletzen und somit auch keine Sporttraumata im Zu­sammenhang mit Spiel-Unfällen entstehen lassen. Die Erfahrungen, die ich mit den Mittelstufen- und Oberstufenschüler*innen mache, sind, dass Schiimpf auch für Nichtsportler*innen ein leicht zugängliches Mittel ist, einfach mal wieder herzlich zu lachen, sich vom Alltagsgroll zu befreien und ganz nebenbei sich richtig auszupowern.
 

Schiimpf in der Waldorfschule? Unbedingt!

Warum Schiimpf so gut in den Waldorfsportunter­richt passt? Weil man es von der 1. bis zur 12. Klasse entwicklungsgerecht anpassen kann. Schiimpf bie­tet neben den kleinen Spielen sehr viele Variationen für gruppendynamische Aktivitäten, Rätselaufgaben bis hin zu Partnerübungen und kann überall und mit jedem Menschen gespielt werden. Schiimpf selbst produziert keinen Einfluss von außen, der den Spie­lerhabitus verfälscht, wie beispielsweise bei ande­ren großen Sportspielen oder Trendsportarten (Merchandise, Frisuren, Codes, Klassenunterschiede). Die Kampfkissen können im Handarbeitsunterricht oder zu Hause hergestellt werden und man kann sie zu jeder Gelegenheit benutzen. Ein Sportgerät für viele Spiele. Schiimpf möchte die „Fluchkultur" revoluti­onieren, man lernt ab der ersten Klasse, richtig zu schiimpfen. Anstatt Seh.., F**k oder Ar#*~ gibt es Schiimpf-Mottos wie beispielsweise: Obst + Körper­teil = Bananenfuß!

Vorsicht: Auf dem Kissen kann man bei bestimmten Untergründen ausrutschen, man kann es nicht drib­beln und bei langen Würfen fliegt es unberechenbar. Die „Ich hab dich getroffen, nee hast du nicht"-Debatte gibt es nach wie vor. Ich freue mich jedenfalls, wenn es wieder heißt: „Auf die Plätze, fertig, Schiimpf!"

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