10 Jahre Kletterwand

Ein Beitrag von Stefan Warnek (Freie Waldorfschule Kassel)

Jeder Mensch kann klettern. Und wer schon einmal mit einer Schulklasse mit jungen Kindern unterwegs war, der kennt auch das schier unbezwingbare Bedürfnis zumindest der kleinen Menschen, nicht nur Bordstein kanten und Treppenstufen, sondern möglichst jede Mauer und jeden Baum oder sogar Laternenmasten zu erklimmen.

Nur leider ist Klettern an vielen Stellen nicht erlaubt: Im Park Wilhelmshöhe steht das gleich an jedem Eingang, auf dem Schulgelände sprechen Versicherungsgründe dagegen, im Steinbruch ist es zu gefährlich und wenn man mal im Freien klettern möchte, spielt oft genug das Wetter nicht mit. Klassenräume und Schulstunden sind auch nicht gerade darauf ausgerichtet, der Freude an der Bewegung oder auch dem Krafterproben beim Klimmen und Klettern entgegenzukommen.

 

 

So entstand die Idee, an unserer Schule andere Klettergelegenheiten zu schaffen, und vor mittlerweile zehn Jahren war es soweit:

Die Planungen für eine Kletterwand waren abgeschlossen. Sponsoren hatten sich mit teilweise großzügigen Spenden an der Finanzierung beteiligt. Vor allem aber hatten Kinder und Jugendliche selber mit Hilfe eines Spendenlaufes auf der Sportwiese weitere Gelder „eingesammelt" und schließlich war durch den Weihnachtsmarkt die letzte Kostenlücke geschlossen worden. Mit Hilfe einer Fachfirma und einigem ehrenamtlichen Engagement verwandelte sich die eine Ecke der unteren Turnhalle in eine Kletterhalle.

Natürlich ersetzt so eine Anlage keinen echten Felsen oder Baum, aber, jeweils vom Partner gesichert, kann hier doch wirklich jeder erleben, dass z.B. gar nicht so sehr die Kraft der Arme, sondern die der Beine gefragt ist (es heißt ja auch Bergsteigen und nicht -ziehen...).

Nebenher trainiert man so ziemlich alle Muskelgruppen (außer Armen und Beinen auch Bauch und Rücken) oder freut sich, hinterher am Sicherungsseil quer durch die Halle zu baumeln.

Durch die regelmäßig gut besuchten Kurse der Ganztagsschule haben mittlerweile zwanzig Halbjahrgänge von Kindern nicht nur das Bouldern (seitliches Klettern in Absprunghöhe), das Klettern im Nachstieg (am Sicherungsseil) und das Klettern im „Vorstieg" erlernt (bei dem das Seil selber mitgenommen und in die Sicherungskarabiner eingeklinkt werden muss), sondern vor allem auch das Sichern des Kletterpartners. Wenn das Wetter es zuließ, fuhren viele Sommerkurse zum Abschluss zum „Scharfenstein", einem Basaltfelsen südlich Kassels. Natürlich ist das Klettern an der frischen Luft etwas ganz anderes, aber alle merkten doch, wie gut sie durch das Üben in der Halle darauf vorbereitet waren, einfach ihren Körper besser kennengelernt, sich gekräftigt oder sogar anfängliche Höhenangst überwunden hatten.

Über all die Jahre gab und gibt es auch die Kletter-AG, welche offen für Jugendliche und Erwachsene ist. Auch hier werden die Grundtechniken vermittelt, Gurte, Sicherungsgerät und Seile stehen zur Verfügung. Unsere Kletterwand ist zwar nicht sehr hoch, aber als Besonderheit gibt es den extremen „Überhang" der Hallendecke und den verkleideten Balken: Hier kann man rücklings hangeln wie ein Affe (oder ein Faultier?) und dabei durchaus an seine Grenzen kommen.

Durch eine großzügige Spende wird es im Jubiläumsjahr möglich, dass wir unser Kletterangebot nochmals attraktiv erweitern!

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