Franklin lässt einen Drachen-Steigen

Die französischen Versuche bleiben Franklin natürlich nicht verborgen. Unfasslich scheint es ihm zunächst, dass sie von Erfolg gekrönt sind, obwohl die Stange entgegen seinen Vorstellungen nicht bis in die Wolken gereicht hat. Er beginnt daher im Juni 1752 eigene Versuche mit einem Drachen, der hoch genug hinaufsteigen kann, um in das Innere der Wolken zu gelangen. Über die Konstruktion des Drachens berichtet er am 19. Oktober des gleichen Jahres Collinson. Der Drachen besteht danach aus zwei gekreuzten Zedernholzstangen, die so lang sind, dass sie zu den Ecken eines ausgebreiteten Taschentuches reichen. Die vier Ecken des Tuches werden an die Stangen geknotet, und an der Spitze des aufwärts stehenden Stabes ist ein scharf zugespitzter Draht be­festigt, der einen Fuß oder etwas mehr über das Holz hinausragt. An das Ende des Bindfadens, nach der Hand zu, wird ein seidenes Band geknüpft, und dort, wo sich Seide und Bindfaden vereinen, kann ein Schlüssel be­festigt werden.

Begleitet von seinem 21jährigen Sohn begibt sich Franklin hinaus auf das Feld, um die Elektrizität aus den Wolken abzuleiten. Der Sohn stellt sich zum Schutz vor Regen unter einen Schuppen und lässt den Drachen aufsteigen. Obwohl eine Gewitterwolke vorbeizieht, zeigt sich am Ende der Schnur zunächst keinerlei Elektrizität. Plötzlich bemerkt er, wie sich die feinen losen Fasern der Schnur aufrichten, hält einen Fingerknöchel gegen den Schlüssel und verspürt einen starken Schlag. Als schließlich die Schnur von dem einsetzenden Regen nass wird, gelingt es ihm auch, eine Leidener Flasche mit der himmlischen Elektrizität zu füllen.

Im September errichtet Franklin eine Eisenstange auf dem Dach seines Hauses, um die Luftelektrizität in das Zimmer zu leiten und dadurch bequemer zu experimentieren. Zahlreiche gleichartige Versuche mit der „himmlischen" und der „irdischen" Elektrizität, bei denen er jeweils eine Leidener Flasche mit Elektrizität aus den Wolken und eine zweite durch Berührung mit einem geriebenen Glas­stab füllt, ermöglichen ihm vollends den Beweis der Identität.

Der Franzose Romas wiederholt 1753 den Drachen­versuch in Nerac in größerem Maßstab. Sein Drachen steigt 180 m hoch und seine Schnur ist mit Eisendraht umwickelt.

 

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