Der Blitz galt bisher als göttliche Erscheinung

Da der Blitz bisher als göttliche Erscheinung angesehen wird, wenden sich Theologen und Philosophen vorerst ge­gen eine Erforschung des Gewitters und betrachten den Blitzableiter als Verstoß gegen die von Gott gewollte Ord­nung. Die Kirche verweist dabei besonders auf den Tod Richmanns und stellt ihn als Strafe Gottes hin. In Italien wird der Blitzableiter als „Ketzerstange" verdammt, und die Bevölkerung läuft gehorsam gegen ihn Sturm. Sie hält sich lieber an die alten Gepflogenheiten des „Wetterläutens" der Kirchenglocken, wonach die Schallwellen der Glocken die Gewitterwolke teilen und damit unwirksam machen sollen. Für dieses Wetterläuten ent­richten die Bauern auf dem Lande gern ihren Obulus an die Kirche.

Die Verfechter des Blitzableiters aber geben den Kampf nicht auf. Sie können die Argumente der Kirche sehr schnell widerlegen, denn wenn es des Menschen Pflicht ist, sich gegen Regen und Schnee zu schützen, so gilt das Gleiche auch für den Blitz. Regen und Schnee ge­hören ebenso zur göttlichen Ordnung der Welt wie das Gewitter.

 

In Amerika

Ganz anders liegen die Dinge in Amerika, hier findet der Blitzableiter sehr schnell Anklang, denn seine praktische Bedeutung spricht für ihn. Franklin gibt alsbald Hinweise für die technische Ausführung. Danach soll die Stärke des ableitenden Drahtes gleich der Dicke eines Gänsekiels sein. Wenn auch aus finanziellen Gründen die Regel nicht immer befolgt wird, so zeigen sich doch die ersten Schutz­erfolge des Ableiters.

1760 lässt der Kaufmann West in Philadelphia auf seinem Haus eine Ableiterstange errichten. Kurze Zeit danach schlägt dort der Blitz ein. Das Haus bleibt unversehrt, nur ein Teil der Stange schmilzt ab. Insgesamt kann Franklin in diesem Jahr von drei Einschlägen erfahren, bei denen geschützte Häuser unbeschädigt bleiben. Englands erster Blitzableiter entsteht 1760 auf dem Eddystone-Leuchtturm bei Plymouth.

Deutschland folgt erst neun Jahre später, als der Hamburger Arzt J. A. H. Reimarus auf den Turm der Jakobikirche einen Blitz­ableiter setzen lässt.

 

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