Spatz - Haussperling

Aus "Brehms Tierleben"

Bezeichnend für den Sperling ist, dass er überall, wo er vorkommt, in innigster Gemeinschaft mit dem Menschen lebt. Er bewohnt die volksbewegte Hauptstadt wie das einsame Dorf, vorausgesetzt, dass es von Getreidefeldern umgeben ist. [...]

Geistig wohl veranlagt, hat er sich nach und nach eine Kenntnis des Menschen und seiner Gewohnheiten erworben, welche erstaunlich, für jeden schärferen Beobachter erheiternd ist. Überall und unter allen Umständen richtet er sein Tun auf das genaueste nach dem Wesen seines Brotherrn, ist daher in der Stadt ein ganz anderer als auf dem Dorfe, wo er geschont wird, zutraulich und selbst zudringlich, wo er Verfolgungen erleiden musste überaus vorsichtig und scheu, verschlagen immer.
Seinem scharfen Blicke entgeht nichts, was ihm nützen, nichts, was ihm schaden könnte; sein Erfahrungsschatz bereichert sich von Jahr zu Jahr und lässt zwischen Alten und Jungen seiner Art Unterschiede erkennen, wie zwischen Weisen und Toren. Ebenso, wie mit dem Menschen, tritt er auch mit anderen Geschöpfen in ein mehr oder minder freundliches Verhältnis, vertraut oder misstraut dem Hunde, drängt sich dem Pferde auf, warnt seinesgleichen und andere Vögel vor der Katze, stiehlt dem Huhne, unbekümmert um die ihm drohenden Hiebe, das Korn vor dem Schnabel weg, frisst, falls er es tun darf, mit den verschiedenartigsten Tieren aus einer und derselben Schüssel.

Ungeachtet seiner Geselligkeit liegt er doch beständig mit anderen gleichstrebenden im Streite, und wenn die Liebe, welche bei ihm zur heftigsten Brunst sich steigert, sein Wesen beherrscht, kämpft er mit Nebenbuhlern so ingrimmig, dass man glaubt, ein Streit auf Leben und Tod solle ausgefochten werden, obschon höchstens einige Federn zum Opfer fallen.

Nur in einer Beziehung vermag der uns anziehende Vogel nicht zu fesseln. Er ist ein unerträgliche Schwätzer und ein erbärmlicher Sänger. "Schill, schelm, piep", seine Locktöne, vernimmt man bis zum Überdruss, und wenn eine zahlreiche Gesellschaft sich vereinigt hat, wird ihr gemeinschaftliches "Tell, tell, silb, dell, dieb, schilk" geradezu unerträglich. Nun lässt zwar der Spatz noch ein sanftes "Dürr" und "Die" vernehmen, um seinem Weibchen Gefühle der Zärtlichkeit auszudrücken; sein Gesang aber, in welchem diese Laute neben den vorher erwähnten den Hauptteil bilden, kann trotzdem unsere Zustimmung nicht gewinnen, und der heftig schnarrende Warnungsruf: "Terr" oder der Angstschrei bei plötzlicher Not: "Tell, terer, tell, tell, tell." ist geradezu ohrenbeleidigend. Trotzdem schreit, lärmt und singt der Sperling, als ob er mit der Stimme einer Nachtigall begabt wäre ...

Bildquelle

 

 

Kennzeichen

Der Haussperling ist ein kräftiger und etwas gedrungener Singvogel. Er wiegt ungefähr 30 Gramm und die Körperlänge liegt bei etwa 14 bis 16 Zentimetern. Er fällt besonders durch seinen großen Kopf und den kräftigen Schnabel auf.

Männchen und Weibchen des Haussperlings unterscheiden sich in ihrem Aussehen. Mit einer schwarzen Kehle, einem aschgrauen Scheitel und einem kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten sind die Männchen deutlich auffälliger gezeichnet. Auch durch ihren bräunlichen Rücken mit schwarzen Streifen lassen sich die Männchen leicht von den insgesamt unscheinbareren, matt braun gezeichneten Weibchen unterscheiden.
Lautäußerungen

 

Gesang

Der Gesang des Haussperlings ist ein eher monotones Tschilpen. Häufig zetert er aber auch "terrteterrterr" oder gibt einfache Warnrufe von sich. Haussperlinge werden während der Dämmerung aktiv. Der Gesang beginnt im Mittel etwa 18 Minuten vor Sonnenaufgang, wobei durch Bewölkung verursachte Helligkeitsunterschiede weitgehend ohne Einfluss bleiben. Das Ende der Aktivität liegt auch im Winter noch vor Sonnenuntergang.

 

Nahrung

Der Spatz ernährt sich vegetarisch mit einer Vorliebe für Körner und Samen. Seine Jungen füttert er in den ersten Tagen allerdings mit Insekten und deren Raupen.

 

Flug

Haussperlinge fliegen schnell und geradlinig, relativ niedrig und meist vom Nistplatz zu einem nahe gelegenen Baum oder Gebüsch. Dabei können sie Geschwindigkeiten von annähernd 60 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Flügel schwingen in der Sekunde etwa 13 mal auf und ab. Am Boden bewegt sich der Haussperling fast immer beidbeinig hüpfend fort.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar