Einleitung

Eine Vogelkundeepoche in der 6. Klasse ist bislang eher ungewöhnlich. Aus verschiedenen Gründen scheint aber eine solche Epoche sowohl thematisch als auch menschenkundlich sinnvoll zu sein.

Die Mitte der Kindheit ist mit dem 12. Lebensjahr und dem 5. Schuljahr erreicht. Der Mensch befindet sich seelisch und körperlich in einem einzigartigen Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde. Noch kündigt sich nicht die Erdenschwere der bald beginnenden Pubertät an, auf der anderen Seite sind der Kinderspeck und das Kleinkindalter vorüber.

Nun beginnen mit dem 13. Lebensjahr und dem 6. Schuljahr erst ganz leise, dann aber immer stärker neue Töne in der Seele des Menschen zu erklingen. Manchmal sind es freudvolle, wenn man z. B. merkt, dass man einen bestimmten Jungen oder ein Mädchen besonders gern hat, manchmal sind es auch dissonante Töne, wenn man sieht, dass man mit der Umgebung zunehmend in Konflikt gerät.

Mit diesem Alter vollzieht sich ein Entwicklungssprung. Im Innern entsteht ein neuer Seelenraum, in dem sich ganz eigene Gefühle regen. Dadurch verändert sich das komplette Verhältnis des Kindes zu seiner Umgebung. Dieses wird distanzierter und ferner. Die ersten Momente der Einsamkeit können sich ankündigen.

Die Vogelwelt spiegelt viele Elemente davon wieder. Zwar umgeben uns die Vögel mit ihrem Gesang, sobald wir aus dem Haus in die Natur treten, und doch haben die Vögel etwas von dieser Unnahbarkeit, die sich ab dem 13. Lebensjahr in der Seele des Kindes einschwingt. Die meisten Vögel sehen wir nicht, obwohl wir sie hören. In Zeiten zunehmender Denaturierung sind uns die wenigsten Vogelstimmen bekannt. Was man nicht kennt, hört man auch nicht. So wie die Seelenwelt des Kindes neue Töne anschlägt, kann man auch in die Welt der Vogeltöne neu eintauchen. Sie bringt eine wichtige Voraussetzung mit sich: Innerlich sind uns die Vögel zugleich nah und fern. Dies erlaubt es dem Kinde, sich noch dafür zu interessieren. Für die nächste Lebensphase besteht also die Möglichkeit, viele kleine neue Freunde zu gewinnen. Sucht man sie, werden sie immer zu einem Schwatz aufgelegt sein, egal wie dunkel die Welt auch sonst erscheinen mag .... Zwinkernd

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