Kuh

Die Rinder sind große, stark gebaute Tiere mit sehr fülligen Formen. Sie sind jedoch kaum fähig, sich zu verbergen oder gar zu schleichen. Manche Rinderarten weiden daher auch arglos auf den großen natürlichen Grasflächen, doch werden auch sie stets für einen ge­hörigen Abstand von ihren Feinden sorgen. Eigentlich leben sie ständig in­mitten eines üppigen und wuchernden Lebens, ob sie nun von dem saftigen Gras genießen, das aus dem Boden hervorsprießt oder von dem jungen Laub der Bäume und Sträucher. Nur während der schlechten Jahreszeit, wenn es sehr trocken oder kalt ist, müssen sie sich ihren Lebensunterhalt mitunter erkämpfen.

Ihr ganzer Bau und ihre Lebensweise verraten, dass sie im Bereich der dichten Erden-Kräfte ihr Lebenselement haben. Wir sehen das bei den holländischen Kühen an den plumpen, steifen Füßen, am schweren Bau, an der einfachen Geometrie der Formen. Die Rückenlinie ist oftmals so grade wie der Horizont. Den Kopf halten sie zwar während des Grasens meistens der Erde zugeneigt, sie heben ihn aber auch nicht einmal beim Stehen ganz empor. Von der Seite gesehen, ist der Körper einfach ein Viereck und von hinten ein wohlgerundeter Kreis, oder besser noch: eine Tonne.

Einige Rinderarten, z. B. die Bisons, lassen den Kopf sogar ständig tief herabhängen. Bei ihnen fällt auch noch mehr als bei den übrigen Rindern die ungewöhnlich schwach entwickelte Sinnesfunktion des Auges auf.

Beachtenswert ist die Art und Weise, wie die Tiere sich ihrer großen Auf­gabe widmen, mächtige Futtermengen in sich aufzunehmen und diese dann gründlichst in ihren Stoffwechselorganen umzuwandeln.

Geduldig grasen die Rinder in breiter Bahn, Schritt vor Schritt setzend, gehen sie langsam vorwärts. Der Kopf bewegt sich ruhig von links nach rechts und von rechts nach links. Sie schlagen ihre Zunge um jedes Büschel Gras und reißen es so sorgfältig ab, dass ihnen kaum ein Hälmchen ent­geht. Endlich, nach langer Zeit, sind sie voll. Dann liegen sie schwer und breit auf der Wiese, mit leicht erhobenem, wie träumendem Kopf. Ein Grasknäuel gleitet durch ihren Hals herauf, und das Maul beginnt zu mahlen. An die sechzig Mal schiebt sich der Unterkiefer hin und her, bis einen Augenblick Ruhe eintritt, die gekaute Masse zurückgleitet und ein neues Knäuel hochsteigt. Und was dann im Inneren noch weiter geschieht, ist genau so durchgreifend.

Es gibt kaum ein Tier, das mit größerer Gründlichkeit seine Nahrung verarbeitet, wie das Rind. Kein Wunder, dass dieses Tier ungewöhnlich viel für andere leisten kann. Zu einem großen Teil hat das menschliche Leben sich nur zu entwickeln vermocht dank der starken Kräfte des Rindes. Ohne das Rind hätte die Menschheit niemals eine genügende Erschließung des Bodens erreicht. Ohne seinen Dünger wäre es nicht möglich geworden, den Acker fruchtbar zu machen und genügend Leben in ihm aufzurufen. Und wenn die Rinder nicht freundlicherweise das viel zu harte Gras für uns verarbeiteten in Fleisch und Milch, dann hätte sich niemals ein so reicher und hoher Kulturzustand ent­wickeln können. Unsere Kühe verwenden ihre Kraft nicht nur für sich allein, sondern stellen sie auch in den Dienst von etwas anderem. Sie opfern sich fortwährend zum Nutzen des Menschen und der Welt.

Der Stier ist in seinem Körperbau noch gedrungener als die Kuh; er gleicht einem einzigen massigen Muskelblock. Meistens verhält er sich sehr ruhig, aber trotzdem sieht er immer aus, als stünde er unter einer großen Spannung. Furchtbar wird er, wenn diese Spannung sich in Zorn entlädt. Wild schlägt er dann mit seinem Schwanz, zerwühlt mit den Füßen den Boden; den schweren Kopf schwenkend und drehend, gräbt er mit seinen Hörnern tiefe Löcher in den Grund, so dass die Erdklumpen nur so nach allen Seiten fliegen. Plötzlich stürzt er mit seinem ganzen Gewicht auf seinen Feind los. Begegnet er einem anderen Stier, dann ringen sie Kopf an Kopf mit hervorquellenden Augen und weit aus dem Maul hän­genden Zungen. Kleinere Gegner nimmt der Stier auf seine Hörner und schleudert sie in großem Bogen von sich weg. Es ist unglaublich aufschlussreich, wenn man vergleicht, wie ein Tier mit Hörnern, z. B. der Stier, kämpft oder wie das ein Raubtier mit seinen Klauen tut. Beim Stier ist alles zentrifugale Bewegung, alles in der Umgebung wird fortgestoßen, zer­stampft oder weggeschleudert. Der Löwe dagegen umklammert den Gegner und schlägt ihm seine Krallen und Zähne ins Fleisch. Die Bewegung ist hier zentripetal.

Einerseits finden wir also tiefgreifende Unterschiede im Verhalten von Kuh und Stier, andererseits müssen wir sagen, dass sie im Wesentlichen doch gut übereinstimmen. Sie nehmen stärkste Erdenkräfte in ihre Organisation auf und suchen die größten Widerstände. Ob es sich nun um außergewöhnliche Stoffumwandlungen oder um ungestüme Kraftleistungen handelt, stets setzen sie ohne Vorbehalt ihre ganze Organisation.

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Kommentar
21.01.2018 | Frank | Klassenlehrer
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22.01.2018 | Frank Lange | Anwalt
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