LÖWE

Der Löwe bewohnt vor allem die Gebiete der Erde, wo die Übermacht der Sonne einen üppigen Baumwuchs unmöglich macht: die tropischen Steppen­gebiete. Man findet dort in Afrika mächtige Grasflächen, die nur hier und da einen Baum oder eine kleine Baumgruppe aufweisen. Dort weiden Zebras und Strauße, Giraffen und zahllose Antilopen durcheinander. Es fliehen die borstigen Gnus vor ihren Verfolgern und machen dabei die wunderlichsten Sprünge, nachts beunruhigt das grausige Geheul der Hyänen, die in ihren fahlgrauen Fellen umherschleichen. Inmitten der wildreichsten Gegenden ist das ideale Gebiet der Großwildjagd.

 

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In diesem reichen Gebiet, wo die Natur in ihrem Bestreben, viele und vielerlei Tierformen hervorzubringen, ihren Höhepunkt erreicht, lebt der Löwe in einer würdigen Umgebung. Er fällt nicht gern kleine Tiere an. Auch er lebt von der großen Jagd. Was wäre eine Mahlzeit ohne Kampf und Spannung? Am liebsten überfällt er die Zebras, die größer und viel schneller sind als er und die sich kräftig wehren können.

Vor allem in der Nacht rumort und lärmt es ganz besonders in der Wild­nis, doch auch das stört den Löwen nicht. Wenn er mit tiefem Grollen seine Stimme hören lässt, sein Fauchen und das donnernde Gebrüll, bei dem er den Kopf zur Erde senkt, dann schweigt der ganze Umkreis. Es gibt kaum ein anderes Geschöpf der Erde mit einem so mächtigen Laut.

Während er jagt, verhält sich der Löwe ganz lautlos. Das starke Tier mit dem braungelben Fell schleicht dann totenstill durch die Nacht. Gerne sucht es ein Versteck bei einem der vielbegangenen Pfade, die zu den Trink­plätzen führen. Vorsichtig schnuppernd, die Ohren weit geöffnet, naht eine Herde Antilopen. Plötzlich ein dumpfes Grollen, ein paar gewaltige Sprünge, und das Leittier stürzt wie vom Blitz getroffen nieder. Da liegt es am Boden, während der Löwe mit seinem mächtigen Leib wie festge­klebt auf ihm ruht. Mit einem schweren Prankenschlag hat er seiner Beute das Genick gebrochen und, immer noch knurrend und fauchend, zuge­bissen. Meistens wird das Opfer ein Stück fortgeschleift und dann mit leidenschaftlichem Knurren zum Teil verschlungen.

Nach der Mahlzeit gibt sich der Löwe der Ruhe hin. Dann liegt er wie aus Stein gehauen, den stolzen Kopf mit der flammenden Mähne und dem kühnen Blick hoch erhoben. So ein gesättigter Löwe ist das Sinnbild eines würdigen Ausgeglichenseins in sich selbst, eines angenehmen Bewusstseins der eigenen Kraft. Mitunter trifft man den Löwen auch tagsüber in­mitten seines Jagdgebietes an, auf einer kleinen Erhebung stehend. Es ist dann, als schaue er auf seine Untertanen herab.

Der Löwe sucht Situationen auf, die größte Spannungen auslösen und das Äußerste an Kampffähigkeit voraussetzen. Immer wieder lässt er sich durch heftige Emotionen aufpeitschen, doch erlangt er auch stets wieder seine volle Ruhe zurück. Selbst im schwersten Kampf weiß er sich über­legen. Er ist der stets Beherrschte, der Alles-Überwältigende. Das Räuber­handwerk macht auch die Tiere meist zu rauen Wesen; der Löwe übt es mit edler Würde aus.

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