Mauersegler - Der kleine König der Lüfte

Mauersegler sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Außerhalb der Brutzeit halten sie sich über mehrere Monate höchstwahrscheinlich ohne Unterbrechung in der Luft auf. Die wichtigste Lebensäußerung der Mauersegler besteht in dem unaufhörlichen Durchstürmen des Himmelsraumes.

 

Aussehen

Seine Gestalt ist schwalbenähnlich, jedoch ist der Mauersegler etwas größer als die europäischen Schwalben. Die Flügel sind im Vergleich zum Körper lang und ihre Sichelform ist im Gleitflug gut zu erkennen, der Schwanz ist relativ kurz und gegabelt. Männchen und Weibchen sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Das Gefieder ist ruß- bis bräunlichschwarz, mit Ausnahme des grauweißen Kehlflecks. Die Rumpflänge beträgt durchschnittlich 17 Zentimeter, beim Anlegen der Flügel kreuzen sich diese und überragen den Schwanz um etwa vier Zentimeter. Die Flügelspannweite liegt zwischen 40 und 44 Zentimetern.

 

Fliegend schlafen

Bereits im 18. Jahrhundert war von Lazzaro Spallanzani vermutet worden, dass Mauersegler in der Luft nächtigen, da er oft abends beobachten konnte, wie sie sich immer höher schraubten. Zunächst durch Verfolgung mit Sportflugzeugen, später mit Radarortungen wurde dieser Verdacht bestätigt und mittlerweile ist unumstritten, dass Mauersegler, insbesondere die nicht brütenden Vögel, häufig fliegend schlafen. Der Mauersegler ist derzeit die einzige Seglerart, von der sicher bekannt ist, dass sie die Nacht auf diese Weise verbringt.

Vorwiegend bei schönem Wetter erfolgt das abendliche, gesellige Aufsteigen unter Ausnutzung von Aufwinden über den wärmeren Luftschichten. Die Nacht verbringen die Segler in Höhen zwischen 400 und 3.600 Metern, einzeln oder in Schwärmen und sind meist stumm. Dabei schlagen sie gelegentlich mit den Flügeln, allerdings in langsamerer Frequenz als tagsüber. Offenbar versuchen die Vögel möglichst stationär zu bleiben und fliegen vergleichsweise langsam gegen den Wind, so dass sie bei stärkeren Winden sogar rückwärtig abgetrieben werden und morgens zurückfliegen müssen, um wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen.

 

Das schnellste Tier der Welt

Für den Mauersegler gibt es keinen Ruheplatz, keinen Fleck, auf dem er Schutz findet oder sich verbergen kann. Bei der Jagd muss er seine Schnelligkeit mäßigen, doch fliegt er dann immer noch mit einer Geschwindigkeit von un­gefähr 60 km in der Stunde. Beim Spiel mit den Artgenossen und auf der Flucht vor Verfolgern steigert er sein Tempo auf mehr als 200 Stundenkilo­meter. Er ist damit das weitaus schnellste Tier.

 

Eigentlich sind Mauersegler Höhlenbrüter

Ursprünglich hat der Mauersegler als Höhlenbrüter in Felsen gebrütet. Er hat sich aber auch perfekt an das Stadtleben angepasst. Man findet seine Nester an Gebäuden mit Türmen, Kirchen, Brücken, Mauern, Ruinen, Wohnhäusern, auch Hochhäusern. Vor allen Dingen bei alten Gebäuden bieten sich Ziegellöcher, Firstziegel, Schlupflöcher an Dächern, Rollädenkästen als Neststandorte an. Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten an Wohnhäusern bedeuten für die Mauersegler häufig die Beseitigung ihrer jahrelang genutzten Brutplätze. Durch die Erhaltung dieser Nistgelegenheiten und auch durch Nistkästen und spezielle Niststeine kann ein Rückgang der Mauersegler verhindert werden.

Sein Nest bildet eine unordentliche, flache Schale mit einer zentralen Vertiefung, die mit klebrigem, rasch erhärtendem Speichel überzogen wird. Häufig wird ein Nest viele Brutperioden nacheinander benutzt und alljährlich nur ergänzt und neu eingespeichelt, wobei der Durchmesser von 9 Zentimetern bei Neuanlage auf 15 Zentimeter anwachsen kann. Es besteht vor allem aus Halmen, Blättern, Haaren, Federn und ähnlichen leichten Materialien, welche die Mauersegler im Flug aus der Luft aufsammeln haben.

Mauersegler führen eine monogame Ehe zumindest für eine Saison, in der Regel aber über viele Jahre. Die partnerschaftliche Treue basiert auf einer ausgeprägten Nistplatzbindung. Die Partner treffen auch nicht gemeinsam, sondern meist im Abstand von etwa 10 Tagen im Brutgebiet ein.

Mauersegler legen meist zwei bis drei weiße, elliptische Eier. Nach dem Schlüpfen vergehen in normalen Jahren etwa 41 Tage bis zum Flüggewerden, bei guten Bedingungen nur 37, bei schlechten aber bis zu 56 Tage. Die Geschlechtsreife wird frühestens am Ende des zweiten Lebensjahres erreicht. Mauersegler können bis zu 20 Jahre alt werden. Ohne zu üben sind Mauersegler von Anfang an perfekte Flieger. Schon ihre erste Nacht verbringen sie sogleich in der Luft, wie mit Telemetrie-Sendern nachgewiesen wurde.

Brutvögel sammeln die Nahrung dabei im Kehlsack, bis eine definierte Menge beisammen ist, was bei gutem Wetter bereits in knapp 40 Minuten erledigt sein kann, bei schlechter Witterung aber erheblich länger dauert. Ihre große Mundspalte erleichtert das Einfangen der Beute. Junge Mauersegler werden mit großen Futterballen gefüttert, die 300 Insekten enthalten können. Bei schönem Sommerwetter sammelt ein Elternpaar ca. 35 Futterballen täglich. Ein fütterndes Brutpaar kann bei guten Bedingungen an einem Tag 50 Gramm Futter herbeischaffen, was mehr als 20.000 Insekten oder Spinnentieren entspricht. Die Hauptbeute sind wohl Blattläuse, Hautflügler, Käfer und Zweiflügler, häufig spielen auch fliegende Ameisenstadien und in Afrika zudem Termiten eine wichtige Rolle.

Das Trinken erfolgt in einem schnellen, geraden Gleitflug, wobei der Körper einen Winkel von etwa 20 bis 35 Grad zur Wasseroberfläche bildet. Die Flügel werden dabei in V-Stellung gehalten. Der Schnabel taucht auf einer Strecke von ungefähr einem halben Meter ein und nahezu gleichzeitig mit dem Öffnen des Schnabels werden die Schwanzfedern abwärts gedrückt.

 

Seine Füße sind nicht für die Erde gemacht

Bei diesen Tieren sind die Flügel so lang, dass sie in angelegtem Zustand weit über den Schwanz hinausragen, wäh­rend die Beine so klein sind, dass sie nur dazu verwendet werden können, sich irgendwo festzuklammern. Dies ist eine Folge der extremen Anpassung des Mauerseglers an den Luftraum. Seine kleinen Füße sind für die Bodenlandungen und die Fortbewegung am Boden nicht sonderlich geeignet. Am Boden steht er auf den Krallen und Fersengelenken, mit leicht gesenktem Kopf und weit ausholender Bewegung der etwas gespreizten Füße vermag der Mauersegler eidechsenartig zu laufen, was einen recht unbeholfenen Eindruck macht. Mittels der vier nach vorn gerichteten Krallen vermögen erwachsene Vögel ausgezeichnet zu klettern. An Zweigen oder Stangen können Mauersegler hängen, nicht aber darauf sitzen. Auch wenn Mauersegler nicht ohne Not auf flachem Boden landen, können gesunde Tiere entgegen anders lautender Behauptungen mühelos vom Boden starten, sofern eine ausreichende freie Strecke für den Start vorhanden ist.

 

„Screaming Parties"

Mauersegler sind das ganze Jahr über gesellig und leben zur Brutzeit im Regelfall in Kolonien. Besonders auffallend sind die nur bei gutem Wetter vorwiegend abends zu sehenden sozialen Flugspiele, die so genannten „Screaming Parties", die von lauten Rufen begleitet sind. Dabei bilden die Vögel einen mehr oder weniger geschlossenen Schwarm, der zeitweilig in großer Höhe kreist und wiederholt mit rasanter Geschwindigkeit dicht an den Nistplätzen vorbeifliegt. Daran beteiligen sich alle Vögel der Kolonie, auch die Brutvögel und im Spätsommer die flüggen Jungen. Bei diesen Flugspielen sind sehr komplexe Flugmanöver zu sehen, teilweise erinnern diese an die Balzflüge. Auf die „Screaming Parties" folgt oft unmittelbar das Aufsteigen zur Nächtigung in der Luft. Besonders intensiv sind die Flugspiele kurz vor dem Wegzug, möglicherweise dienen sie der sozialen Synchronisation.

 

Wanderung

Mauersegler verbringen sowohl im Brutgebiet als auch im südafrikanischen Winterquartier nicht mehr als 3 bis 3½ Monate, die restliche Zeit des Jahres beansprucht der Weg- und Heimzug. Der Wegzug erfolgt kurz nach dem Ausfliegen der Jungvögel, in Mitteleuropa meist in der zweiten Julihälfte oder Anfang August.

 

Bauanleitung eines Nistkastens für Mauersegler

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