Die Vogelfeder

 

Die Konstruktion der Vogelfeder ist
einfach und genial:

 

Stabil und flexibel zugleich, dazu formschön, federleicht und für viele Aufgaben geschaffen.

 

Die Feder ist ein höchst kompliziertes und faszinierendes Gebilde der Haut warmblütiger Tiere.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Federn:

Konturfedern: Deckfedern, Schwungfedern, Schwanzfedern.
Unterfedern oder Daunenfedern (auch Dunen genannt)

 

Konturfedern

Die Konturfedern bestehen aus einem langen und festen Federkiel sowie einer Federfahne. Die Fahne einer Vogelfeder besteht aus vielen Ästen seitlich vom Schaft. Bei stärkerer Vergrößerung unter dem Mikroskop kann man sehen, dass von den Ästen Bogenstrahlen und Hakenstrahlen abzweigen. An den Hakenstrahlen sitzen feine Häkchen. Diese Haken greifen in die Bogenstrahlen des benachbarten Astes. Dadurch bildet sich eine Tragfläche, welche die notwendige Steifheit und Festigkeit der Federfahne herstellen. Vögel bringen beim Ordnen des Gefieders diese Verzahnung wieder in die rechte Stellung.

 

Daunen

Die Daunen (oder Dunen) haben nur einen kurzen Schaft sowie Bogen- und Hakenstrahlen, die nicht miteinander verhakt sind, so dass keine Federfahne entsteht. Die Spezialfedern besitzen nur einen Schaft und ein Büschel kurzer, nicht verzahnter Äste. Die Daunen liegen unter den Konturfedern und dienen vor allem der Wärmeisolation.

Die Federn bestehen aus leichtem und elastischem Horn. Ist die Feder ausgewachsen, stirbt sie ab, und zurück bleibt die SEELE, die ehemals in der Spule durchblutet wurde. Es entsteht ein Hohlraum, in den bei einer Schreibfeder Tinte gefüllt werden kann.

Vögel mausern sich einmal im Jahr. Die alten Federn werden abgeworfen und durch ein neues Federkleid vollständig ersetzt.

 

Der folgende Text ist dem Buch „Wesensbilder der Tiere" entnommen (Ernst-Michael Kranich, Verlag Freies Geistesleben).

„Was den Vogel ganz besonders kenn­zeichnet, ist sein Gefieder. Die großen Federn bilden das Flug- bzw. Großgefieder der Flügel und des Schwanzes. Viel zahlreicher sind die Federn des Kleingefieders, das den übrigen Körper umgibt. Der Bussard spreizt beim Segeln die Handschwingen; dann sieht jede dieser Federn aus wie ein kleiner Flügel. Wenn man eine einzelne Handschwinge eines großen Greifvogels rasch durch die Luft be­wegt, empfindet man einen unerwartet großen Widerstand. Es ist, wie wenn man die Handfläche gegen eine Wasserströmung bewegen würde. Durch die Federn seiner Flügel nimmt der Vogel also die Luft wahr, die der Mensch ihrer Feinheit wegen normalerweise nicht empfindet. Der Vogel dringt mit seinem Wahrnehmen in einen Be­reich ein, der dem Menschen fast ganz verschlossen ist. Wir empfin­den wohl die Wärme der Luft, nicht aber ihre Substanz. So ist das kreisende Segeln des Bussards eigentlich ein sensibles Wahrnehmen der Luft und ihrer Strömungen. Beim so genannten Schlagflug und dem Rütteln ist mit dem Empfinden der Luft auch das Erleben der eigenen Aktivität verbunden.

Wie aber kommt es, dass Schwung- und Schwanzfedern dem Wahrnehmen der Luft dienen? Wir müssen, um diese Frage zu be­antworten, kurz auf den Aufbau einer solchen Feder eingehen. Jeder weiß, dass eine Feder aus Kiel und Fahne besteht. Der Kiel ist so leicht, weil er in seinem runden unteren Teil, der Spule, weitgehend hohl ist; der Schaft, der die Fahne trägt, enthält im Innern mit Luft gefüllte Kammern. Von dieser zentralen Achse geht im spitzen Win­kel eine große Anzahl der so genannten Äste aus und von diesen wiederum zahlreiche Strahlen: nach hinten gerichtet die Bogenstrahlen, nach vorn die Hakenstrahlen, die mit ihren winzigen Häk­chen genau in den Falz der Bogenstrahlen eingreifen. Die Feder ist ein Meisterwerk der schaffenden Natur. Die bis ins feinste gehende Struktur hat die Masse gleichsam überwunden. Wie leicht ist doch eine Feder und das gesamte Gefieder! Bei einem Haussperling wiegen die insgesamt etwa 3500 Federn nur etwas weniger als 2 Gramm.

In der Bildung der Feder wirkt eine ausstrahlende Tendenz. Zu­nächst strahlen vom Schaft die Äste zur Umgebung hinaus und dann an diesen noch einmal die Strahlen. Dennoch ist die Feder durch das Ineinandergreifen der Haken- und Bogenstrahlen ein Ganzes. So tritt in der Feder als abgestorbene Struktur auf, was wir eingangs als eine wesentliche Eigenschaft der Luft erwähnt haben: die Tendenz der Auflösung und des Hinausstrebens zum Umkreis. In Abwand­lung einer Goetheschen Formulierung kann man sagen: Die Feder ist von der Luft für die Luft gebildet. Und dadurch, dass im Entste­hen der Feder bei der Verdichtung der Substanz zu Hörn alles Leben erlischt, werden die Federn der Flügel und des Schwanzes Sinnes­organe. Wenn ein Sinnesorgan entsteht, weicht an bestimmten Stel­len des Organismus das Leben zurück, und es kommt die Gesetz­mäßigkeit einer bestimmten Weltqualität zur Geltung - bei den Schwung- und Steuerfedern des Vogels eben die der Luft.

Auch die Deckfedern des Kleingefieders haben eine innige Bezie­hung zum Element der Luft. Luft nimmt ja Wärme stark in sich auf und hält sie fest; sie ist ein schlechter Wärmeleiter. So bilden die Deckfedern und das Daunengefieder zusammen mit Luft eine Wärmehülle um den ganzen Vogel."

 

Bildquelle: © Semga / PIXELIO www.pixelio.de

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