Lebens- und Sexualerziehung

Ein Beitrag von Sven Saar

Der Erziehungswissenschaftler Gert Biesta spricht davon, dass alle Pädagogik drei Ziele verfolgen muss: Sozialisation, Qualifikation und Individuation.[1] In jeder Unterrichtseinheit – selbst einer einzigen Stunde – will ich als Lernender erfahren, wie ich mich besser in mein soziales Umfeld eingliedern kann, will neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben und mich schließlich auch selber kennenlernen.

Für sozial wichtige und zugleich tief persönliche Bereiche wie Liebe und Sexualität ist es von besonderer Bedeutung, Beziehungszusammenhänge erforschen zu können, Werkzeuge zum sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang auf diesem Feld zu erhalten und zu lernen, meinen eigenen Instinkten und Intuitionen zu vertrauen.

In der folgenden PDF können Sie sehr wertvolle Anregungen zu dieser Epoche von Sven Saar erhalten:

Eine Epoche zur Lebens- und Sexualerziehung

 


[1] Biesta, G. J.J. (2014): The Beautiful Risk of Education. Boulder.

Kommentar
30.06.2018 | Ulla Paulus | Klassenlehrerin
Lieber Herr Saar, zum Glück bin ich bei der Vorbereitung der Epoche für Ende der 6.Kl. auf Ihren Beitrag gestoßen! Mit "Typisch Junge, typisch Mädchen" sind wir in den ersten Stunden eingestiegen. Mit der Frage" In welcher Epoche haben wir denn schon etws über Vermehrung, Fortpflanzung und Befruchtung gehört" kamen wir schnell auf die Pflanzenkunde. Die Beispiele aus dem Tierreich, die Sie beschreiben, boten die Gelegenheit, bestimmte Begriffe schon einzuführen (z.B. Sperma), ohne dass es schon persönlich wurde. "Das Kind im Mutterleib" stieß auf großes Interesse, auch da konnte ich schon Namen für die weiblichen Organe einführen. Als wir dann auf das Thema Menstruation kamen, waren auch die bisher eher Zurückhaltenden alle dabei. Drei Stunden lang hatten die SchülerInnen Fragen über Fragen und wir konnten über fruchtbare und unfruchtbare Tage, Schädigungen des Kindes durch Alkohol, Zigaretten und Drogen (worüber die SchülerInnen sehr erschrocken waren und auch weitergehende Fragen zu diesen Giften hatten) und vieles mehr sprechen. Ich hatte Binden und Tampons mitgebracht, wir probierten aus, wieviel Flüssigkeit sie aufnehmen können. Als einige merkten, dass niemand lacht, verwendeten sie auch die entsprechenden Wörter schon in ihren Fragen und Beiträgen. Es enstand eine ganz neue, offene Stimmung in der Klasse. Wir haben auch gemeinsam viel zu lachen gehabt, das lockerte alles auf. Inzwischen habe ich mir schon die Frage gestellt, ob die Eltern wohl solch eine Epoche gefordert hätten, wenn sie wüssten, wieviel Privates ich (und die Klasse) nun auch über sie erfahren habe (vom dicken Hinterteil der Mutter über Vorgänge während der Geburt bis hin zu im Familienauto gefundenen Kondomen). Jetzt sind noch der Geschlechtsverkehr und die männlichen Organe dran und ich denke, das können wir bei dem Vorlauf gut besprechen. In der 7. Klasse kommen dann zwei Mitarbeiter einer Familienberatung (Mann und Frau), so dass die SchülerInnen in getrennten Gruppen dann auch ganz persönlich Dinge fragen und besprechen könne, ohne Lehrer. Vielen Dank für Ihren Beitrag und meine dadurch so gut gelungene Epoche.
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