Der Kalk und seine Gesichter

Der Kalk gehört zu den einfachen oder ungemengten Mineralien und zwar zu den Steinen und Erden. Er ist gewöhnlich gelblich oder grau, mittelhart, mäßig schwer und zeigt einen muscheligen oder schieferigen Bruch. Der Kalk findet sich auf der ganzen Erde sehr häufig und bildet mächtige Kalkgebirge. Diese enthalten viele Höhlen (meist mit Tropfsteinen) und zahlreiche Versteinerungen (Muscheln, Schnecken usw.). Auch im Wasser und in den Pflanzen ist Kalk enthalten, und die Wasser- und Landtiere bilden daraus ihre Gehäuse (Schalen) und Knochen.

Der Kalkstein dient zur Beschotterung der Straßen und Bahndämme, sowie als Baustein, besonders aber zur Bereitung von Mörtel. Zu letzterem Zwecke muss er zuerst in einem Kalkofen in großer Hitze gebrannt werden. Der gebrannte Kalk (Ätzkalk) ist weit leichter, weicher und lockerer als der ungebrannte. An der Luft zerfällt er bald zu einem weißen Kalkmehl. Gießt man Wasser auf ihn, so zischt und siedet er und verwandelt sich in einen Kalkbrei, gelöschter Kalk genannt. Derselbe wird in Gruben aufbewahrt, worin er sich verdickt. Mit Wasser zu Kalkmilch verdünnt, dient der gelöschte Kalk zum Weißen der Wände; mit Sand vermischt, bildet er den Mörtel, mit dem die Bausteine zusammengekittet werden. Gebrannter Kalk dient auch als Dungmittel, bes. für saueren und tonigen Boden.

Übergießt man Kalk mit einer Säure (Schwefelsäure, scharfem Essig usw.), so braust er auf. Er ist nämlich eine Verbindung von Kalkerde und Kohlensäure, einer Luftart, welche durch die Säure vertrieben wird. Dasselbe geschieht durch Brennen. - Der Mörtel erhärtet bald und wird um so fester, je älter er wird; denn er zieht aus der Luft wieder Kohlensäure an sich und verwandelt sich so nach und nach wieder in Kalkstein. - Der Zement ist ein Gemenge von Kalk und kieselhaltigem Ton, die gebrannt und fein gemahlen sind. Durch das Brennen wird die Kieselerde aufgeschlossen, d. h. wasserlöslich und verbindet sich dann beim Befeuchten mit den beiden andern Stoffen zu einer steinharten, unlöslichen Masse.

 

Arten

Der gewöhnliche Kalk findet sich als gemeiner oder dichter Kalkstein, als Muschelkalk, Tropfstein, Tuffstein (Kalktuff), Rogenkalk und oft kristallisiert als Kalkspat.

Die Kreide ist ein lockerer, weicher und abfärbender Kalkstein. Kreideberge finden sich auf der Insel Rügen, sowie an der französischen und englischen Küste. Sie dient zur Bereitung von Mörtel, Glaserkitt (mit Leinöl und Firnis), als Metallputzpulver und bes. zum Schreiben. Dazu wird sie zuerst gemahlen, dann in Wasser geschlämmt und wieder getrocknet (Schlämmkreide). In den Kreidebergen findet man die Feuersteine in Gestalt von größeren und kleineren Knollen.

Der Marmor ist kristallinisch-feinkörniger Kalk, sehr hart, weiß, schwarz oder bunt (marmoriert) und erhält durch Polieren einen schönen Glanz. Der schönste ist der carrarische von Carrara in Italien. Er dient zu Bildwerken, Grabsteinen, Säulen, Tischplatten, zu Bauverzierungen usw.

Der Gips ist schwefelsaurer Kalk (mit Wasser); er findet sich seltener und dann gewöhnlich als Begleiter des Steinsalzes. Er ist meist grau, ziemlich weich, glanzlos und erdig im Bruch. Gemahlen bildet er ein vortreffliches Dungmittel für Klee und Hülsenfrüchte. Durch Brennen verliert er seinen Wassergehalt; gemahlen und mit Wasser zu einem dicken Brei angerührt, erhärtet er rasch wieder und dient zur Herstellung von Gipsfiguren, Verzierungen an Decken und Wänden, zu Modellen, Gipsverbänden usw. Der Alabaster ist ein feinkörniger Gips, meist weiß oder schwach geadert. Er wird bes. bei Florenz gefunden und zu Figuren, Leuchtern, Schalen usw. verarbeitet. Der Gips kommt auch in Kristallen, sowie blätterig als Fraueneis vor. Dieses lässt sich leicht in dünne, durchsichtige Blättchen spalten, die früher oft statt des Glases benutzt wurden.

 

Entstehung

Die Kalkgebirge sind meist deutlich geschichtet (Flözgebirge) und haben sich demnach durch Niederschläge aus dem Wasser und zum Teil aus den Gehäusen der Wassertiere gebildet.

 

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