Singabend der 11. Klasse

Ein Beitrag aus der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer


Von Emelie Amann (Schülerin der 11. Klasse)

Erstmal vorab: „Wow, jetzt gehört dieser Teil meiner Schulkarriere ebenso der Vergangenheit an… Gibt es einen Zeitstoppknopf?“

Back to the topic. „11.-Klass-Singabend“ – wenn ich dieses Wort, ob in der 10. Klasse oder auch schon in der 8., gehört habe, ist sofort Aufregung pur in mir aufgestiegen. Nie hätte ich mir vorstellen können, den Mut aufzubringen, mich dort oben auf die Bühne zu stellen und ein Lied zu singen, mich vor so viele Leute zu stellen und bereit zu sein, meine Seele ein Stück weit zu öffnen, nie…

Als wir Anfang des Schuljahres begonnen haben, uns mit dem Singabend zu beschäftigen und jeder langsam sein Lied fand, hatte ich ehrlich gesagt jedes Mal Angst vor den Musikstunden, denn nur der bloße Gedanke, vor der ganzen Klasse zu singen, löste ein Fluchtgefühl in mir aus. Unvorstellbar war es für mich, ganz alleine vor meinen Freunden singen zu müssen.

Aber auch dieser Tag kam und wurde überwunden, mit zittriger Stimme und heißem Gesicht. Nach und nach wurde das Singen leichter, und Sicherheit schlich sich ins Gefühlschaos ein. Natürlich waren da auch oft Tage, wo sich die Zweifel überschlugen: Werden wir das in der verbleibenden Zeit schaffen? Wie wird das mit dem Bühnenbild klappen? Waren andere Klassen schneller oder besser… Kann ich überhaupt singen?! Doch langsam fingen Ideen an, zu Taten zu werden und schiefe Töne zu einer Melodie.

Als wir dann das ganze Wochenende vor dem Singabend nützten, um das Bühnenbild von einer vagen Zeichnung zu dem zu machen, was es im Endeffekt wurde und jede/r das erste Mal die Chance hatte, auf der Bühne zu singen, verflogen schnell die Zweifel und wurden allmählich zur Vorfreude.

Uns blieb noch eine Woche: fünf Tage vollgestopft mit Proben, die wir ausnützten, bis das erste Mal das Wort „überprobt“ fiel. Am Donnerstag ergriff uns dann jedoch noch einmal der volle Ehrgeiz, und wir perfektionierten bis spät am Abend das Bühnenbild, bis es unserer Ansicht nach bereit zum Vorführen war! Und so standen wir am Freitagabend, den 17. Mai, noch ein wenig ungläubig auf der Bühne und genossen den tranceartigen Zustand von Aufregung und Bewunderung.

So, und eines möchte ich jetzt noch an die folgenden Klassen weitergeben: Egal, wie sehr dieser Abend und vor allem auch Herr Albrecht an Euren Nerven zerren können – es ist eine der krassesten Erfahrungen in Eurer Waldorfschulzeit. Genießt jede noch so nervenaufreibende Minute davon!!!
 


Von Astrid Amann (Schülerinnenmutter)

Seit Jahren bin ich – und ich glaube, da kann ich für viele aus unserer Schulgemeinschaft sprechen – ein großer Fan, sozusagen ein Groupie des Singabends der 11. Klasse.

Ein Musikprojekt mit Tiefgang. Die Vorbereitungen beginnen zart und leise am Anfang des Schuljahres. Sensibel, konsequent und mit viel Freiraum von Stefan Albrecht begleitet und geführt. Viele können sich da noch nicht vorstellen, vor einem großen Publikum zu stehen und zu singen, ihr Lied, das sie erst noch finden müssen… Der Prozess beginnt…

Zwei Wochen vor dem Termin – die Plakate sind gedruckt, es gibt kein Zurück mehr J – beginnt eine intensive Zeit für die 11. Klasse. Das Wochenende davor wird in der Schule verbracht: Die Lieder werden auf der Bühne geprobt, das Bühnenbild, in der Fantasie der Klassengemeinschaft entstanden, wird umgesetzt, mit großem Einsatz der SchülerInnen und ihrer großartigen HelferInnen. Das Ergebnis ist beeindruckend: ein weißer Raum, eine weiße Tür, darüber eine große Wolke aus Luftballons, von der Lichtregie in viele Farben getaucht. Ganz dem Motto des Abends entsprechend: „Colours“!

Die Spannung, die Aufregung, die erwartungsvolle Vorfreude sind schon Tage zuvor im ganzen Schulhaus zu spüren. Und endlich ist es so weit: Der Vorhang geht auf, die Vorstellung beginnt. Das Publikum tobt. Es folgt nun eine Aneinanderreihung von magischen Momenten: Ein junger Mensch nach dem anderen betritt die Bühne – alleine – und beginnt zu singen. Es ist unglaublich berührend, bewunderns- und auch beneidenswert.

Was für eine Mutprobe, was für eine Selbsterfahrung, was für ein Geschenk!

In meinen Augen ist dieses Projekt, das den SchülerInnen ermöglicht, diese Erfahrung in diesem Alter machen zu dürfen, ein pädagogisches Meisterwerk unserer Schule. Dafür bedanke ich mich von Herzen.
 

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