Die Humanisten

Besonders für die Dichter und Denker der Renaissance war die Antike eine Fundgrube, die sie nun wiederentdeckten. Man begann die Klöster in halb Europa nach alten Handschriften zu durchstöbern. Hier fand man - manchmal vergilbt, vermodert und von Mäusen angenagt - Pergamentrollen antiker Schriftsteller in großer Zahl; man hatte sie aufbewahrt, aber vergessen. Die Päpste schickten ihre Schreiber aus und man begann zu kopieren und zu vervielfältigen. 1453, als das Oströmische Reich mit dem Fall von Konstantinopel unter türkische Herrschaft kam, flohen zudem viele Gelehrte nach Italien, die diesen Prozess unterstützten.

Gleichzeitig wurde der Buchdruck erfunden. Durch ihn war es möglich, dass die alten wiedergefundenen Schriften rasch verbreitet wurden. Die Leser staunten. Sie staunten über die schöne Sprache, das klare Latein, das geistvolle Griechisch. Und noch mehr beglückte sie, dass sie hier Nahrung fanden für ihren neuen Erkenntnishunger, ihre Fragen nach Mensch und Welt, ihren Drang nach allseitiger menschlicher Bildung.
Im Mittelalter hatten die Menschen mehr nach Gott als nach dem Menschen gefragt. Ihr Streben richtete sich auf das Jenseits. In der Renaissance aber fragte man sich zunehmend mehr nach dem Sinn des eigenen Lebens. Wer ist der Mensch und was bedeutet es menschlich zu sein?

 

Jetzt aber stand der Mensch im Mittelpunkt aller Fragen.

Das lateinische Wort für Mensch heißt «homo». Daher nennt man diese Zeit, in der eine neue Menschlichkeit entdeckt wird, den "Humanismus". Voll Vertrauen in die guten Anlagen der Menschennatur, sahen die Humanisten die wichtigste Lebensaufgabe jedes Menschen darin, diese Anlagen zu entwickeln und sich dadurch zu reiner «Humanität», reiner Menschlichkeit, zu erheben.

 

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