Das Schloss von Versailles

Die Prunksucht eines Königs trug zum Ruin eines Landes bei; zugleich aber schenkte sie der Welt eine erstaunliche Sehenswürdigkeit. Der König war Ludwig XIV. von Frankreich, die Sehenswürdigkeit ist das Schloss von Versailles.

Dieser Palast, Mittelpunkt des französischen Hofes und Sitz der Regierung, war ursprünglich ein bescheidenes Jagdhaus, wo Ludwigs Vater, Ludwig XIII., sich von den Anstrengungen des Hoflebens erholte. Nach seinem Tod beschloss der Sohn, es durch ein Denkmal für sich selbst, den ,,Sonnenkönig", zu ersetzen. Die Arbeiten begannen 1661. Der Platz, den man für ,,das größte Schloss der Welt" auswählte, erwies sich sogleich als ein Alptraum für Baumeister. Die Fundamente des Bauwerks sanken teilweise in dem feinen Sand ein, und die Umgebung war wild und ungastlich. Ludwig XIV. war von Versailles besessen. 50 Jahre lang beaufsichtigte er selber, sofern er nicht gerade Krieg führte, die Anlage von Gebäuden und Gärten, und er ließ sich weder von den Kosten noch von dem Elend der Arbeiter oder den vielen Toten schrecken, die das Werk forderte. Oft waren in Versailles mindestens 30.000 Menschen beschäftigt, viele davon unbezahlt oder zur Arbeit gepresst. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen hatten Epidemien zur Folge, und Hunderte starben.

Wasserkünste für den König - Der Park, der etwa einen Quadratkilometer bedeckt, ist das Werk von André Le Nótre. Ludwig liebte Blumen. Jedes Jahr ließ er vier Millionen Tulpenzwiebeln aus Holland kommen - wenn er nicht gerade mit den Holländern im Kriege lag. Besondere Attraktionen waren die Thetisgrotte und die Menagerie. Die Grotte war mit Kieselsteinen und Muscheln inkrustiert und enthielt eine mit Wasser betriebene Orgel. Eine weitere, von Besuchern allerdings weniger geschätzte Besonderheit waren versteckte Düsen, die arglose Betrachter mit Wasser bespritzten. Die Menagerie war in einem kleinen Chateau untergebracht und beherbergte exotische Tiere, darunter auch Vögel. Im Park ließ Ludwig einen großen Kanal anlegen, 60 Meter breit und gut eineinhalb Kilometer lang; auf ihm wurden geschmückte Gondeln und andere Boote gehalten. 1685 baute Mansart die Orangerie, in der ausgewachsene importierte Orangenbäume gepflanzt wurden. Prächtigster Bestandteil des Parks waren jedoch die Wasserkünste. Hierfür brauchte man Unmengen Wasser und eine mächtige Pumpanlage. Die ,,Machine de Marly", 1681 bis 1684 gebaut, sollte das Wasser aus der Seine heranschaffen. Sie leistete aber nicht, was sie sollte; so versuchte man, den Lauf der Eure zu verändern. Diese Arbeiten verschlangen unmäßige Summen und kosteten viele Menschenleben; der Krieg gegen die Große Allianz brachte sie 1688 zum Stillstand. Schließlich sammelte man das Wasser des Plateaus zwischen Versailles und Rambouillet und leitete es durch Kanäle in die Gärten.

(Bild: Spiegelsaal)

Alle Rechnungen der gesamten Bauzeit sind erhalten geblieben. Zählt man die Ausgaben zusammen, so ergeben sich 25.725.836 Livres (etwa 100 Millionen Euro). Fast alle Aufträge wurden ausgeschrieben, Voranschläge unbedingt eingehalten, die Armee in Friedenszeiten zu Bauarbeiten herangezogen. Finanzminister Jean-Baptiste Colbert achtete auf äußerste Sparsamkeit. Was den meisten Betrachtern als unglaublicher Luxus erschien, war in Wirklichkeit so kostengünstig wie nur möglich gebaut, was zur Folge hatte, dass die Kamine oft nicht zogen, die Fenster nicht richtig schlossen und das Leben dort im Winter sehr unkomfortabel war. Die Aristokratie, so sie nicht zur königlichen Familie gehörte, hauste in engen Dachkammern. Ludwig XIV wollte weitere Aufstände wie die Fronde verhindern, indem er den Adel um sich scharte und streng überwachen ließ. Nur bei Hofe konnten Posten und Ämter ergattert werden, wer sich von der Sonne entfernte, wurde seiner Vorrechte verlustig.

1682 zog der gesamte Hof nach Versailles um, und bis 1789 war dieser Ort die Hauptstadt Frankreichs. Ludwigs Hof war ebenso grandios wie sein Schloss. Er zählte 20.000 Personen, unter ihnen 9.000 Soldaten, die in Versailles einquartiert lagen. Im Schloss selbst lebten 1.000 Höflinge und 4.000 Lakaien. Doch die großartigen Räume und Galerien eigneten sich nicht für den normalen menschlichen Gebrauch. Das Gebäude war praktisch nicht zu heizen, und sanitäre Einrichtungen waren so gut wie nicht vorhanden. Nach dem Tode Ludwigs XIV. errichtete sein Urenkel, Ludwig XV., noch einige Erweiterungsbauten, so den Petit Trianon, wohin Königin Marie Antoinette, die Gemahlin Ludwigs XVI., sich später besonders gern zurückzog. Ludwig XVI. fügte noch Wohngemächer für Marie Antoinette an; doch mit der Revolution von 1789 endeten Macht und Einfluss von Versailles.

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