Das preußische Heer

Im Zentrum des staatlichen Lebens stand nach wie vor das preußi­sche Heer. Es machte unter Friedrich 3 % der Bevölkerung aus. Um alle technischen Einzelheiten des Heeres kümmerte sich Friedrich aufs genaueste. Es setzte sich auch unter ihm zum Teil zwar aus «Kantoni­sten», d. h. ausgehobenen Landeskindern, zum anderen Teil aber aus solchen Soldaten zusammen, die im Ausland geworben waren, und zwar nach wie vor mit den Mitteln der List und Gewalt. Aber Friedrich wünschte, dem Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht noch recht fremd, die Zahl der Geworbe­nen aus volkswirtschaftlichen Gründen sogar zu erhöhen, da er seine eigenen Untertanen vor allem in der Wirtschaft, im Sinne seiner staatli­chen Wirtschaftsgestaltung, arbeiten lassen wollte. Er war der Ansicht, «der friedliche Bürger solle nicht merken, wenn die Nation sich schlägt». Auch unter ihm konnte das aus solchen Elementen zusammengesetzte Heer nur durch die äußerste Härte und Strenge, ja durch grausame und barbarische Mittel in der notwendigen Disziplin gehal­ten werden. «In diesen dunklen Grund staatlicher Macht leuchtete er mit dem Lichte seiner Humanität nicht hinein», wie Friedrich Meinekke sagt.

Besonders ließ Friedrich sich das Offizierkorps angelegen sein. Er hat es gehegt und gepflegt, ja eigentlich geradezu geschaffen und unter weitgehendster Bevorzugung des Adels mit derjenigen Art aristokratischen Geistes erfüllt, die es fortan durch lange Zeit charakte­risierte und die durch es in Preußen im allgemeingesellschaftlichen Leben tonangebend werden sollte.

Friedrichs einzigartiges Verdienst um sein Heer bestand aber vor allem in der unerreichten taktischen Ausbildung seiner Truppen. Mit diesem Instrument, das er sich selbst zubereitet hatte, vollbrachte er als sein eigener Feldherr seine unver­gleichlichen militärischen Leistungen.

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