„Ich will der erste Diener meines Staates sein"

Nicht die Untertanen sind für den Fürsten da, sondern der Fürst für die Untertanen. Er hat für ihr Wohl zu sorgen. Das war Friedrichs früh klar. Und das war auch die Praxis seiner Regierung. Das Fürstentum, das er lebte und für das er im 18. Jahr­hundert Schule gemacht hat, war ein Fürstentum der Pflicht. Strenge und Unbeugsamkeit gegen sich selbst gingen Friedrich aus diesem Fürstenbegriff, aus dieser seiner Gesinnung hervor.

Man hat mit Recht immer bemerkt, dass schon Friedrichs Vater, Friedrich Wilhelm I., ein solches Fürstentum der Pflicht geführt hat und dass in einem gewissen Sinne Friedrich nur das in programmatischer Weise formuliert habe, was er als die Praxis seines Vaters ken­nen gelernt, ja dass überhaupt im Hohenzollernhaus diese fürstiiche Pflichtgesinnung gewissermaßen eine Familieneigenschaft gewesen sei. Das alles heißt aber real nichts anderes, als dass Friedrich sich durch die Geburt in denjenigen Familien- und Staatszusammenhang hineingestellt hat, der es ihm am besten ermöglichte, den in ihm lebenden Impuls zu realisieren, das von ihm gemeinte Fürstentum der Pflicht im großen Stile zu handhaben, zu formulieren und zu einer ethischen Forderung allen Fürstentums zu erheben.

 

Er diente dem Staat - weniger dem individuellen Menschen

Dem Staate vor allem wollte Friedrich dienen und hat er gedient. Die Menschen (aus denen sich das «Volk» zusammensetzt) waren ihm nicht so nahe; seine Menschen­verachtung hinderte ihn daran. Die Menschen traten ihm demgegenüber zurück. Was ihm und seinem ganzen System namentlich in seinen späteren Jahren vielfach an Abneigung und Widerstreben entgegenkam, das hat zum ganz großen Teil seine innere Ursache eben hierin, dass er zwar heroisch-entsagungsvoll der Maschine diente, aber dem Menschentum immer fremder wurde.

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