Hitlers Ideen eines Großdeutschen Reiches

Hitler hatte die Neuordnung des Kontinents nach territorialen und völkischen Gesichtspunkten zum Ziel. Dabei wurde die Eingliederung vieler Staaten in das Deutsche Reich, die Aus- und Umsiedlung von Bevölkerungsteilen sowie die Unterdrückung und Ausbeutung und in letzter Instanz die Ermordung einer großen Anzahl von Menschen geplant, auch unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft.

 

Die frühen Pläne Hitlers

Bereits vier Tage nach der Machtübernahme der NSDAP ließ Adolf Hitler die Spitze der Reichswehr wissen, er werde mit der Eroberung und Germanisierung von „Lebensraum im Osten" nicht zögern und eine großdeutsche Volkstumspolitik betreiben, um alle Deutschen in einem Reich zu vereinigen.

In "Mein Kampf" hatte er noch einen Bund mit Italien und Großbritannien vorgesehen, aber Frankreich sollte seiner Großmachtstellung beraubt werden. Danach würde er sich der Vergrößerung des Lebensraums im Osten zuwenden. In der Mitte Europas sollte ein Reich aller Deutschen - weit über die Grenzen von 1914 hinaus - entstehen. 1934 sprach Hitler von einem stählernen Kern, bestehend aus Österreich, der Tschechoslowakei und Westpolen.

Außerdem stellte er verschiedene Bündnisse aus formell alliierten - aber nicht gleichberechtigten - Blöcken auf. Diese nannte er den Ostbund (Baltikum, Balkanstaaten, Ukraine, Wolgaland und Georgien), den Westbund (Holland, Flandern und Nordfrankreich) und den Nordbund (Dänemark, Schweden sowie Norwegen).

Hitler benutzte den Begriff Europa zuerst nur widerwillig, seine Haltung änderte sich erst, nachdem er Europa für sich selbst und den Nationalsozialismus „blutsmäßig" definiert hatte.

 

Pläne 1939-1941

Die größten Ambitionen zeigten hierbei die Pläne für ein neues Europa während der Siegeswelle von 1940/41. Zu diesem Zeitpunkt wurde über die Eingliederung Dänemarks, Norwegens, der Niederlande und Belgiens in ein „Großgermanisches Reich" debattiert - Hitler wollte aufräumen mit dem „Kleinstaatengerümpel". Für Werner Daitz war die Bevölkerung dieser Regionen genauso germanisch wie die deutsche und daher „würdig", ins Reich aufgenommen zu werden.

Eine Studie der Seekriegsleitung vom 3. Juni 1940 über Raumerweiterung nach dem Krieg plädierte bereits für die Einbehaltung Belgiens und eines Teils von Nord- und Ostfrankreich; kleinere Staaten wie die Niederlande, Dänemark und Norwegen sollten zwar formell unabhängig, aber in starker Abhängigkeit vom Reich gehalten werden. Heinrich Himmler dachte vorübergehend daran, einen burgundischen Staat zu schaffen.
Nach dem Sieg im Deutsch-Sowjetischen Krieg sollte auch Schweden und die Schweiz besetzt und eingegliedert werden.

Für Frankreich sah Hitler eine territoriale Zerstückelung vor, er wollte eine „vergrößerte Schweiz"; die Grenze zu Deutschland sollte die des Heiligen Römischen Reichs sein (d.h. die französische Schweiz zu Frankreich gehörig, die „arisch"-deutschsprachige Schweiz zum Kern-Reich). Um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, sollte Frankreich permanent besetzt bleiben.Der Nachbar Schweiz hatte im Konzept Hitlers bis zur Niederwerfung Russlands eine Sonderrolle: Bis zum Juni 1940 als neutraler, relativ gut gerüsteter Flankenschutz gegen einen Angriff Frankreichs an der Südwest-Flanke, danach vor allem als unversehrter Rüstungslieferant und als Devisen-Drehscheibe zugunsten des Reiches.

Die südosteuropäischen Völker sollten halbautonom am Rande des Reichs leben, kontrolliert von der „Reichsfestung Belgrad". Die in Norwegen und den Niederlanden eingesetzten Reichskommissare waren nur als Übergangsform gedacht; ihre Aufgabe war es, diese neue Ordnung einzuführen und die Bevölkerung dafür zu gewinnen.
Lebensraum im Osten

Im Osten Europas wurde der SS freie Hand gelassen. Himmlers Siedlungskonzept für den Ostraum gründete sich auf die „Blut-und-Boden-Ideologie" und auf „germanisches Bauerntum". Die Industrie und sowjetischen Städte sollten zerstört werden; stattdessen würden großbäuerliche Siedler aus dem Reich deutsche Musterlandgüter errichten und bewirtschaften.

Dazu wurde der so genannte Generalplan Ost entwickelt, welcher die Gliederung der Polen in verschiedenste Wertungsgruppen von I („Eindeutschungsfähig") bis IV („nicht lebenswert") zur Folge hatte. Auch das alt-österreichische Galizien, das Baltikum, die Krim (das zukünftige „Gotenland", wo man Südtiroler ansiedeln wollte) und die Wolga-Kolonie sollten deutsches Reichsgebiet werden.

Das Ziel im Osten war die Etablierung eines deutschen Herrenvolks und versklavter „Untermenschen". Man wollte auch „rassisch wertvolles Menschenmaterial" aus diesen Gebieten „abschöpfen", d. h. ins Reich eingliedern und dafür „Schmarotzer" und „Herumlungerer" aus dem Altreich in den Osten deportieren. Ralph Giordano beschreibt das Ziel der Nationalsozialisten, durch massenhafte Sterilisationen, Vernichtung durch Arbeit, Massenmord und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ein „slawenfreies Osteuropa" zu schaffen.

 

Mögliche Aufgabe:

Färbe in der Europakarte diejenigen Flächen ein, die Hitler zum Kernland zählte. Stufe dann farblich diejenigen Gebiete ab, die er sich als halbselbstständig am Rande des Reiches vorstellte.

Hier ist eine blanko Europakarte kostenfrei ausdruckbar: d-maps.com/carte

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