"Heim ins Reich" - Hitlers Annexionen - noch fiel kein Schuss

Der Zweite Weltkrieg war ein vom nationalsozialistischen Deutschland ausgelöster Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem langfristigen Ziel, ein unangreifbares deutsches Großreich aus eroberten und abhängigen Gebieten zu schaffen. Das von Beginn an geplante Ziel war eine deutsche Weltmachtstellung und die „rassische Neuordnung des europäischen Kontinents". Hierzu zählten einerseits die Gewinnung von „Lebensraum im Osten" mit Umsiedlung oder Vernichtung der dort lebenden, als „rassisch minderwertig" angesehenen, vorwiegend slawischen Völker, andererseits die „Endlösung der Judenfrage", das Tarnwort für die Vernichtung der europäischen Juden.

Nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung sollte die Volksgruppe der Slawen den Deutschen zunächst unterworfen und das eroberte Osteuropa von deutschen Siedlern, sogenannten Wehrbauern, nutzbar gemacht werden. Nach Vernichtung ihrer Elite sollten die slawischen Völker für immer ein Reservoir an ungebildeten und gehorsamen Land- und Hilfsarbeitern stellen. Die eroberte Sowjetunion sollte in verschiedene Gebiete unter der Leitung von Reichskommissaren aufgeteilt werden. Nur Weißrussen, Ukrainer und baltische Völker wurden als lebenswerte Völker eingestuft, jedoch galt nach den Worten Alfred Rosenbergs, „dem Russentum werden sicher sehr schwere Jahre bevorstehen".

 

1848 /1871

Die Idee eines Großdeutschen Reiches war nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert gab es sie. Bemühungen in dieser Richtung bleiben jedoch immer erfolglos. 1848 scheiterte dieses Vorhaben in der Frankfurter Paulskirche an Österreich selbst. Nur mit Ungarn zusammen wollte Österreich aufgenommen werden. Preußen war der andere deutsche Machtblock. Die Rivalität und Verschiedenheit beider deutschsprachiger Großmächte waren zu groß. Maßgeblich durch Bismarck und dem Krieg gegen Frankreich 1871 nahm die kleindeutsche Lösung Gestalt an.

 

1919

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Rheinland von den Alliierten besetzt und von deutschen Truppen geräumt. Im Friedensvertrag von Versailles wurde es Deutschland untersagt, Befestigungen, sowohl auf dem linken Ufer des Rheins wie auch auf dem rechten Ufer westlich einer 50 Kilometer östlich dieses Flusses gezogenen Linie beizubehalten oder zu errichten. Auch wird Deutschland jegliche militärische Mobilmachung in dem Gebiet verboten. Sollte Deutschland die genannten Bestimmungen verletzen, würde dies als feindliche Handlung betrachtet werden.

 

1935 Volksabstimmung Saarland

1935 entschied sich die Bevölkerung des Saargebiets mit über 90 % per Volksabstimmung für den Anschluss an das Deutsche Reich. Diese Vorgehensweise widersprach nicht dem Versailler Vertrag. Die Möglichkeit war bereits 1919 vereinbart worden.

 

1936 Militarisierung des Rheinlandes

1936 wurde zwischen Russland und Frankreich ein Beistandsvertrag geschlossen. Als Reaktion darauf ließ Hitler im Februar 1936 die entmilitarisierte Zone im Rheinland wiederbesetzen, um die Souveränität des Reiches an der Westgrenze Deutschlands wiederherzustellen. Die Besetzung führte zu keinen nennenswerten negativen Folgen für Deutschland und stellte einen weiteren Schritt in Hitlers Programm dar, Deutschland wieder als Großmacht aufzubauen.
Italien näherte sich ohnehin Deutschland an. Großbritannien war nicht bereit, sich in der Mitte Europas mit Problemen zu beschäftigen, die es nicht direkt anging. Frankreich wollte nicht allein gegen Deutschland vorgehen. Der Völkerbund scheiterte in den Beratungen über den Vertragsbruch Deutschlands und kam ebenfalls zu keiner einheitlichen Stellungnahme.

 

1938 Annexion Österreichs

Österreich ist nicht erobert, sondern gleichsam annektiert worden. Hitler berief sich auf das "Selbstbestimmungsrecht der Deutschen" und kam damit durch. Im Vorfeld stellte Hitler der österreichischen Regierung unannehmbare Forderungen. Alle verhafteten Nationalsozialisten sollten frei gelassen und sowohl das Heeres- als auch das Wirtschaftswesen sollten Deutschland angeschlossen werden. Der österreichische Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg wollte hierzu eine Volksbefragung durchführen lassen. Hitler verhinderte dies jedoch. Schuschnigg wich daraufhin der aggressiver Politik Hitlers und trat zurück. Hitler forderte nun, dass der österreichische Innenminister Seyß-Inquart Bundeskanzler werden solle. Der österreichische Bundespräsident Miklas verweigerte jedoch dessen Ernennung. Daraufhin bat Seyß-Inquart Hitler um militärischen Beistand.

Am 12.3.1938 marschiert Hitler in Österreich ein. Die deutschen Soldaten wurden mit Begeisterung empfangen. Die Annexion Österreich nannte man hinterher sogar den "Blumenkrieg". Hitler beauftragte Seyß-Inquart mit einer nationalsozialistischen Regierung. Schon am 13.3. wurde in Linz von Hitler und Seyß-Inquart das Gesetz zur Wiedervereinigung des Deutschen Reiches mit Österreich unterschrieben. Im Artikel 1 heißt es: "Österreich ist ein Land des Deutschen Reiches. Das Reich heißt fortan Großdeutschland."

In nur wenigen Tagen wurden anschließend in Wien 67.000 Menschen verhaftet. Schuschnigg wurde 1941in das KZ Dachau deportiert.

 

1938 Annexion des Sudetenlands

Ein Großteil der Tschechoslowakei grenzte seit dem Anschluss Österreichs im März 1938 an das Deutsche Reich. Heute sprechen wir manchmal von "böhmischen Dörfern", wenn wir etwas nicht verstehen. Einstmals jedoch gehörte Böhmen zur Mitte Europas. Es war der Sitz deutscher Kaiser und der Mittelpunkt des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen". Zu den Ländern der böhmischen Krone zählten Böhmen, Mähren, und Sudetenschlesien. Hier trafen das westlichste der slawischen Völkern, die Tschechen, auf die Deutschen. Die so genannten Sudetendeutschen bestehen aus keinem einheitlichen Stamm. Sie fassen die Gebiete von Niederbayern, Franken, Obersachsen und Schlesien ein. Der Name "Sudetenland" ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts. Es rührt von dem Gebirgszug der "Sudeten" her, der an der nordöstlichen Grenze zu Schlesien liegt.

Im Sudetenland lebten eine deutschsprachige Minderheit von 3,2 Millionen Menschen. Auch diesen Teil wollte Hitler "heim ins Reich" holen. Die europäischen Großmächte Italien, England und Frankreich trafen sich in München, um den "Konflikt" friedlich zu regeln. Das Ergebnis des "Münchner Abkommens" bestand darin, dass die Tschechoslowakei dazu verpflichtete wurde, die deutschsprachigen Gebiete an Deutschland abzutreten. Wiederum konnte sich Hitler durchsetzen. Hitler ging jedoch noch weiter und ließ die Wehrmacht auch in die "Rest-Tschechei" einmarschieren und gliederte sie als "Protektorat Böhmen und Mähren" ins Deutsche Reich ein.

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