Johannes Gutenberg

Ein Beitrag von Mathias Meier

Dieser Text gibt einen schönen Überblick über das Leben von Gutenberg, schildert Hintergründe und viele interessante Einzelheiten. 

Als Gutenberg im Jahr 1400 in Mainz geboren wurde, hatte die Stadt etwa 6.000 Einwohner. Das Stadtbild war noch geprägt von Höfen, meist mit Viehhaltung. Mainz war eine reiche Handelsstadt mit einem mächtigen Dom und dem Sitz des Kurfürsten, der höchsten kirchlichen und weltlichen Macht im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen.

Der Vater Friedel Gensfleisch war ein wohlhabender Kaufmann und seine Mutter die Tochter einer Krämers. Johannes war ihr drittes Kind. Eigentlich heißt Gutenberg also Johannes Gensfleisch. Er wurde sehr christlich erzogen. Vom Vater erbte Johannes später sein Geburtshaus, den Hof zum Gutenberg. Nach ihm nannte er sich. Sein Vater hatte gute Beziehungen zu der Schule im Stift St. Viktor. Dort wurde er aufgenommen und lernte u.a. Latein, die Sprache der Gebildeten. Am Rhein entlang ging er jeden Tag 5 km zur Klosterschule, die außerhalb der Mauern von Mainz lag. In seinen hohen Holzpantinen wird er auf seinem Weg dem Unrat und den Hinterlassenschaften der Kuh- und Schafherden, die zum Weiden aus der Stadt getrieben wurden, ausweichen. Damals gab es noch keine Kanalisation. 

Um 1430 brachen in Mainz am Rhein Unruhen aus. In der Stadt wurden Handwerker, die sich in Zünften zusammengeschlossen haben, immer einflussreicher und mächtiger. Sie forderten, dass die Patrizier, also die Oberschicht, zu der die Gensfleischs gehörten, ebenfalls Steuern zu zahlen hätten. Der Kurfürst stand auf Seiten der Zünfte. Daher bleibt den Patriziern nur die Möglichkeit zu zahlen oder die Stadt zu verlassen. Familie Gensfleisch verließ die Stadt. Johannes war zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alt.

In der damaligen Zeit gab es noch kein einiges Deutschland. Stattdessen hatten sich viele kleine und kleinste Einflussbereiche wie freie Städte, Grafschaften und Herzogtümer herausgebildet. Daher blieben die Konflikte, wie der in Mainz, auf die Stadt beschränkt. Aus dem Konfliktbereich zu kommen, mussten sie daher auch nicht weit reisen. Allerdings wurde ihr gesamtes Hab und Gut, auch der Gutenberghof, in Mainz während dieser Zeit beschlagnahmt.

Sie zogen in das 20 km entfernte Rheinstädtchen Eltville, wo die Familie aus mütterlichem Erbe ein Haus besaß. Wieder ging Gutenberg auf eine Lateinschule und anschließend an die Universität in Erfurt. Viele Studenten verdienten sich Geld durch das Abschreiben der Lehrbücher. Später wird Gutenberg großen Wert darauf legen, so schön zu drucken, wie mit Hand geschrieben werden konnte. Es dauerte nicht lange und die Familie Gensfleisch konnte wieder nach Mainz zurückkehren, da der Streit zwischen den Handwerkerzünften und den Patriziern beigelegt worden war. Die Familie erhielt ihren Gutshof zurück.

Auf dem Gutshof wohnten jetzt auch zwei Münzmacher. Johannes wird sich hier einige handwerkliche Techniken abgeschaut haben, die ihm später für die Herstellung der beweglichen Lettern (Buchstaben) von Nutzen sein werden.

Man verstand schon lange, in Holztafeln geschnittene Muster, Bilder und Sprüche auf Tuch, Pergament oder Papier zu drucken. So entstanden Stoffdrucke, Heiligenbilder, Spielkarten, Kalender und Blockbücher. Seit einiger Zeit kamen auch Gebete, Psalmen und Lieder als Holztafeldrucke in den Handel, viel billiger als Abschriften von Hand.

1434 ging Gutenberg mit 34 Jahren nach Straßburg. Hier ließ er sich als Goldschmied nieder. Straßburg war mit 25.000 Einwohnern einer der größten Städte, in der sich das technische Wissen der Zeit bündelte. Die Stadt war offen für neue Ideen des 15. Jahrhunderts. Gutenberg wusste aus eigener Studentenerfahrung, wie lange es dauerte, ein Buch mit Feder und Tinte abzuschreiben und eine andere Möglichkeit gab es bis dahin nicht. Langsam nahm in ihm die revolutionäre Idee Gestalt an, einzelne Buchstabenstempel aus Metall zu fertigen, um diese in Wörtern und schließlich in ganzen Zeilen zusammenzufügen. Somit wäre es möglich, sie immer wieder zu verwenden und neu zusammenstellen. Gutenberg experimentierte und fand eine geeignete aus Zinn, Blei und Antimon eine eigene Legierung. Sie ließ sich besonders gut gießen und erkaltete schnell. Werkzeug und das Können dazu besaß er als Goldschmied. Hinter verschlossenen Fensterläden arbeitete er ganze Nächte an diesem Versuch. Er wollte die einzelnen Lettern aus Metall anfertigen.

Als erstes wurde ein Buchstabe erhabenen und seitenverkehrt in Handarbeit aus einem kleinen Metallblock gesägt und gefeilt. Diesen Stempel schlug er anschließend in ein Stück weicheres Metall wie Kupfer oder Messing und erzeugte so eine Hohlform. In diese goss Gutenberg anschließend seine flüssige Metalllegierung. Somit konnte er viele Letter von jedem der 26 Buchstaben des Alphabets in kurzer Zeit gewinnen.

Nun brauchte er eine Presse. Auch hier wurde er erfinderisch. Das Prinzip schaute er sich von den Traubenpressen ab. Zwei durch eine Schraube verbundene Eisenplatten drückten das leere Papierblatt so gleichmäßig auf die zusammengefügte Schrifttafel, dass schönere Abzüge entstanden. Alles war nun bereit zum großen Werk, dem Druck eines ganzen Buches.

Gutenberg hielt seine bisherige Erfindung möglichst geheim. Zum einen wollte er nicht, dass jemand anderes schneller zum Ziele kam und zum anderen hatte er die Zunft der Schreiber zu berücksichtigen, die durch seine Erfindung ihre Arbeit verlieren würde.

1448 erschien Gutenberg wieder in Mainz. Ein Onkel lieh ihm eine Werkstatt, ein anderer verschaffte ihm durch Bürgschaft ein kleines Anfangskapital. Fortwährend verbesserte Gutenberg die Gusslegierung, aber auch die Druckerpresse. Sogar die Rezeptur der Druckerschwärze musste von Gutenberg entwickelt werden. Er entschied sich für ein Gemisch aus Lampenruß, Firnis und Eiweiß. Zudem erfand er halbkugelförmige Handballen, mit denen man die Druckerschwärze gleichmäßig auf den Drucksatz aufgetragen konnte.

Die ersten Drucke, die in seiner Druckerpresse entstanden, waren Ablassbriefe. Damit konnte Gutenberg schnell Geld machen. Ablassbriefe waren Handzettel, die man für eine bestimmte Summe erwerben konnte und von denen die Kirche sagte, dass einem dafür die Sünden vergeben würden. Sie wurden zu Tausenden von der Kirche ausgegeben.

Um 1450 druckte er sein erstes Buch mit beweglichen Lettern, eine lateinische Grammatik. Schon lange schwebte Gutenberg jedoch vor, das wichtigste und heiligste Buch zu drucken: die Bibel. Allerdings war die Kirche nicht der Meinung, dass jeder die Bibel lesen können sollte. Man wollte sie durch Priester von der Kanzel verkünden und erklären. Gutenberg war ein zutiefst gläubiger Christ. Bei seinen regelmäßigen Kirchgängen sah er die Bibel immer wieder im Mainzer Dom auf einem Pult liegen. Sie war aber angekettet, damit sie nicht geklaut werden konnte. Es war natürlich ein handgeschriebenes Exemplar in lateinischer Sprache. Mit seiner Erfindung hatte Gutenberg die Möglichkeit, die Bibel von der Kette zu lassen. Zudem wäre der Druck einer Bibel ein glänzendes Geschäft.

Mit seiner jetzigen kleinen Werkstatt und seinen wenigen Angestellten, dies war ihm klar, konnte er keine Bibel mit ihren 1282 Seiten drucken. Zunächst brauchte er eine Menge Geld, um die Werkstatt zu vergrößern, Druckmaschinen nach seinen Vorgaben bauen zu lassen, mehr Angestellte zu bezahlen und große Mengen Papier einzukaufen. Also wird er bei einem der reichsten Männer des damaligen Mainz vorstellig: Johannes Fust, ein Kaufmann und Geldverleiher. Dieser streckte ihm tatsächlich das Geld vor, aber Fust verlangt natürlich auch Sicherheiten. Gutenberg setzte dafür seine ganze Erfindung - seine Druckerei mit Geräten, Lettern und Papier - zum Pfand. Daraufhin erhielt er eine Summe von 800 Gulden. Das war damals eine Menge Geld. Man einigte sich auf eine Verzinsung von 6 %. Die Vorbereitung für den Druckbeginn der Bibel dauerten sicherlich ein halbes Jahr. 6 Druckerpressen mussten hergestellt und aufgebaut werden. An die 100.000 Letter galt es zu gießen, die für den Druck der Bibel benötigt werden. Und nebenbei musste er natürlich auch noch seine neuen Angestellten ausbilden. Gutenberg entwickelte zudem den Setzkasten und das Winkeleisen ganz neu, auf dem Zeile für Zeile die Buchstaben für die Texte zusammengestellt werden sollten.

Nach diesen großen Investitionen waren die 800 Gulden jedoch schon aufgebraucht und Gutenberg musste erneut zu Fust gehen. Dieser war entsetzt, ließ sich aber überreden, nochmals 800 Gulden nachzuschießen. Nun konnte das Projekt beginnen. Innerhalb von 3 Jahre entstanden die ersten 180 Bibelexemplare. Früher hatte es allein 3 Jahre gedauert, bis ein Schreiber ein Bibelexemplar abgeschrieben hatte. Gutenberg ist Perfektionist. Der Druck darf nicht schlechter aussehen, als wenn er mit Hand geschrieben worden wäre. Druckseiten, die seinem Anspruch nicht genügten, wurden aussortiert und nachgedruckt. Fortwährend verbesserte er die Druckmaschine. Damit setzte Gutenberg den Maßstab für die Kunst des Druckens. Gedruckt wurde nur in schwarzer Farbe. Alle farblichen Hervorhebungen wurden mit Hand eingeschrieben. An den Rändern wurden aufwendige verziert und Anfangsbuchstaben von Absätzen bildreich geschmückt. Wahrhaft ein Kunstwerk. Jede der 48 heute noch erhaltenen Bibeln ist einmalig.

Fust, der ein Vermögen in das Projekt gesteckt hatte, besuchte die Druckerei immer öfter, um sich vom Fortgang der Arbeit zu überzeugen. Dabei bekommt Fust den Eindruck, dass Gutenberg das geliehene Geld nicht nur für den Druck der Bibeln, sondern auch für andere Druckvorhaben verwendet habe. Gutenberg hingegen fühlte sich kontrolliert und musste sich gegenüber seinem Geldgeber mühsam beherrschen. Er wies jede Betrugsunterstellung zurück. Fust jedoch ging vor Gericht. Er klagte Gutenberg an, über die Jahre hinweg noch keinerlei Zinszahlungen für das Gelddarlehn erhalten zu haben und bekommt Recht.

Die Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil waren weitreichend. Fust bekam die gesamte Werkstatt mit allen Materialien zugesprochen. Zwar hatte Gutenberg schon einen Teil der fertigen Bibeln verkauft – war also nicht ganz mittellos – aber er wird nie wieder ein solch großes Projekt umsetzen könnten. Er musste wieder ganz von vorne an. Erneut lieh er sich Geld und richtet sich in seinem Geburtshaus eine kleine Druckerei ein. Wir wissen heute allerdings nicht mehr, was Gutenberg von nun an druckte.

Fust konnte jedoch zunächst gar nichts mit der Druckerei anfangen, da er kein Drucker war. Er musste also Drucker finden. Die gab es aber nicht, da dieses Handwerk bislang nur Gutenbergs Leute beherrschten. Das Fachwissen war auf wenige Personen begrenzt. Daher bemühte sich Fust, den Meisterschüler Peter Schöffer von Gutenberg abzuwerben. Er versprach ihm ein hohes Gehalt. Schöffer zögerte, aber als Fust ihm die Hand seiner hübschen Tochter Christina anbot, willigte er ein. Dadurch wurde Schöffer zugleich der Chef der Druckerei und durch die Heirat zugleich Miteigentümer. Die Druckerei hieß nun Fust-Schöffer. Sie wurde zu einer Erfolgsgeschichte – allerdings ohne Gutenberg. Zahlreiche weitere Buchtitel wurden mit höchster Qualität gedruckt. Gutenberg kann mit seiner kleineren Druckerei nicht mehr konkurrieren.

1462 ändert sich das Leben der Stadt Mainz gewaltig. Mainz wurde über Nacht von Erzbischof Adolf von Nassau, der vom Papst unterstützt wurde, erobert. Man plünderte die Stadt und zerstörte sie teilweise durch Brand. Viele Bürger wurden aus der Stadt vertrieben. Auch Gutenberg floh und zog sich erneut nach Eltville auf das mütterliche Erbe der Familie zurück. Und wiederum verlor er alles. Doch schon im Jahr 1465 kehrte Gutenberg nach Mainz zurück und wurde von demselben Erzbischof begnadigt und sogar urkundlich zum Hofmann ernannt. Als Hofmann erhielt er den Mantel der Edelleute und bis zu seinem Tode eine jährliche Rente ausgezahlt. Zudem war er von allen Diensten und Steuern befreit. Zum ersten Mal in seinem Leben musste sich Gutenberg nicht mehr um seinen Lebensunterhalt sorgen. Als Edelmann war er ein anerkannter Patrizier von Mainz. Lange konnte er sich daran jedoch nicht erfreuen, denn er starb drei Jahre später 1468 in Mainz.

Seine Erfindung der Buchdruckkunst verbreitet sich jedoch rasend schnell. Bereits 1470, also 2 Jahre nach seinem Tod, wurde in Venedig, Rom, Straßburg und Paris gedruckt. Im Jahr 1500 gab es an 255 Orten Druckereien, in denen bis dahin schon 20.000.000 Bücher gedruckt worden waren.

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