Die Ritterrüstung - keine leichte Sache

Unterkleid

Das Anlegen einer Ritterrüstung war keine einfache Sache. Ein Ritter brauchte dafür sogar Hilfe. Als erstes legte man eine dick gepolsterte Unterkleidung an. Ansonsten bestand die Gefahr, dass man sich am Eisen wund rieb. So polsterte man besonders den Unterleib, die Hüften, die Schultern und den Hals. Alles wurde gut verschnürt, damit es nicht verrutschen konnte. In diesem Augenblick hatte der Ritter sehr viel Ähnlichkeit mit einem heutigen Eishockeyspieler. Die Polsterung bestand jedoch aus Filz und nicht aus Schaumstoff. Das war alles nichts für eine sensible Haut. Der Wollstoff wird ganz ordentlich gekratzt haben.

Als nächstes wurde die "Hose" der Rüstung angezogen. Dafür musste sich der Ritter hinlegen. Nur mithilfe seines Knappen war das Anziehen zu bewerkstelligen. Vernietete Panzerringe umschlossen die Beine, starke Metallplatten die Schienbeine. Die obersten Ringe wurden mit Schnüren an den Hüften befestigt. Einen besonderen Schutz erfuhren die Kniescheiben, da sie im Kampfgedränge der Pferde oder bei Stürzen schnell zerschmettert wurden. Auch das Aufstehen gelang nunmehr nur durch die Hilfe des Knappen.

Leibrüstung

Die Leibrüstung besteht aus einem geflochtenen und vernieteten Panzerkettenhemd. Das Hemd reicht bis zu den Knien und wird bis zum Hals mit Metallhaken umschlossen. Auf den Ober- und Unterarmen befinden sich eiserne Schienen, die die Muskeln schützen. Bei der Pflege der Ritterrüstung musste man sehr auf die Nieten achten. Waren diese verrostet, so reichte ein Schlag mit dem Schwert und die Rüstung zerfiel in ihre Einzelteile. Die Nieten waren die schwächste Stelle der Rüstung. Über das Kettenhemd wurde dann die Brustplatte geschnallt.

So eine Ritterrüstung war nichts für Schwächlinge. Sie konnte je nach Körpergröße sehr schwer sein.  Aber nicht allein das Gewicht konnte dem Ritter zu schaffen machen. Wenn nämlich die Sonne vom Himmel glühte, so erwärmte sich das Eisen ganz gewaltig.

Seidener Waffenrock

Hat nun der Ritter seine glänzend polierte Rüstung angelegt, so bedeckt der seidene Waffenrock einen Teil des Metalls. Er hielt ein wenig die Sonne ab und hatte oftmals beeindruckende Farben und Wappen. Die Ritter erkannten sich an dem Waffenrock. Dasselbe galt für die Pferdedecke. Auch sie diente als Schutz und als Schmuck, aber auch als Erkennungsmerkmal. Helm und gepanzerte Fäustlinge werden dem Ritter nun ganz zum Schluss angelegt. Nun sind dem Ritter nur noch seine Waffen zu überreichen. Sein Schwert ist ein edles Stück der Schmiedekunst. 

Das Schwert

Einem Bauern war es bei Strafe untersagt ein Schwert zu tragen. Dies zeichnete allein den Ritter aus. Das Schwert war ein Symbol seines edlen und machtvollen Standes.

Stoßlanze

Die Stoßlanze war die wichtigste Angriffswaffe. Auf einem Turnier versuchte man den Gegner mit der Lanze aus dem Sattel zu heben. Im Kampfe galt es den Gegner zu durchbohren. Der Schaft bestand aus Eschenholz und war bunt bemalt. Da das Holz leicht zerbrach, nahm man einen guten Vorrat an Lanzen mit.

Helm

Der Helm war aus einem Stück geschmiedet. Vorne bedeckte er das Kinn, hinten den Nacken. Er wird über die Eisenkapuze gesetzt und sorgfältig festgebunden.

Kosten

Eine Ritterrüstung war eine überaus kostspielige Angelegenheit. Sie hatte in etwa einen Wert wie 15 Stuten oder 23 Ochsen. Das konnten sich nur sehr reiche Adelige leisten. Rüstungen wurden daher selbstverständlich auch vererbt.

Schild

Das Anlegen einer Rüstung dauern recht lange. Nun bringt der Knappe seinem Herrn den Schild. Er ist aus Holz gefertigt und mit Leder überzogen. Am Rande hat es Eisenbeschläge. Es hängt dem Ritter an einem Lederband um den Hals und kann von innen schnell an einer Lederschlaufe ergriffen werden.

Das Streitross

Schwerfällig rasselnd schreitet der Ritter in den Hof und besteigt sein Pferd, das dort bereits wartet. Die spanischen Rösser galten lange als die besten. Auch ein solches Pferd kostete den Ritter ein Vermögen. Der Sattel hatte vorne und hinten jeweils einen Wulst, damit der Ritter bei einem Treffer mit der Lanze genügend Halt auf dem Pferd fand. Kostbares Zaumzeug, die bunte Pferdedecke und ein wippender Federbusch als Kopfschmuck vervollständigten das prachtvolle Bild, das Ritter und Pferd dem Betrachter boten.

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