Die Inquisition

Das folgende Kapitel ist den zwei Bänden "Denkwürdige Vergangenheit" entnommen.

Und dann wurde die Inquisition geschaffen: ein besonderes Ketzergericht mit dem Auftrag, von Land zu Land alle Abtrünnigen auf­zuspüren und die Ketzerei gänzlich auszurotten. Jedermann hatte die Pflicht, Verdächtige zu melden. Die Verklagten wurden verhaftet und aufgefordert, ihre Ketzerei zu gestehen, sie abzuschwören und Mitbeteiligte zu nennen.

Taten sie das nicht, so ließ sie der Inquisi­tor, gewöhnlich ein Dominikanermönch, in die Folterkammer füh­ren, um ihnen die Marterwerkzeuge zu zeigen: die Daumenschraube, die das Blut aus den Fingern presste, die Beinstöcke, die die Schien­beine zerquetschten, den Wippgalgen, der mit Zentnergewichten Arme und Beine ausrenkte, die Folterbank, deren Schnürung Haut und Fleisch bis auf die Knochen aufriss ...

Und genügte das immer noch nicht, so wurden diese Instrumente angewandt, eines nach dem andern, bis der Gemarterte, halb wahnsinnig vor Schmerzen, gestand - gestand, was er vielleicht nie getan hatte - und jede gewünschte Auskunft gab, nur um nicht weiter gequält zu werden.

Je nach dem Geständnis fiel dann das Urteil aus. Die mildesten Strafen waren Geldbußen, öffentliche Geißelung, beschwerliche Pilgerfahrten und lebenslängliche Kennzeichnung durch zwei auffallende, an jedem Kleide vorn und hinten aufgenähte gelbe Kreuze. Gestand der Beschuldigte erst in Angst und Qual, so lautete das Ur­teil zumeist auf lebenslängliche Kerkerhaft bei Wasser und Brot, oft noch verschärft durch Ketten an Händen und Füßen. Sein Hab und Gut wurde beschlagnahmt, sein Haus als vom Teufel besessen nieder­gerissen, und seine Nachkommen wurden bis zu den Enkeln für ehrlos erklärt. Er selber ging gewöhnlich im feuchten Kerker bald zu­grunde. Doch alle diese Strafen wurden nur dem Reumütigen ge­währt. «Verstockte» und «rückfällige» Ketzer wurden in einem Büßerhemd über einem Stoß von Reisigbündeln und Stroh an einen Pfahl gebunden und vor den Augen des Volkes bei lebendigem Leibe verbrannt.

Und man fand auch hierfür eine Rechtfertigung im Evan­gelium, indem man das Gleichnis Jesu wörtlich nahm: «Wer nicht in mir bleibt, wird weggeworfen wie die Ranke des Weinstockes, die ver­dorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer.» Hunderttausende fielen so den Ketzerverfolgungen dieser grausamen Zeit zum Opfer.

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