Neuerungen in der Landwirtschaft

Räderpflug und das Pferd

Ein entscheidender Grund für das im Mittelalter einsetzende Bevölkerungswachstum sind höhere Erträge bei den Ernten. Dies ist zum einen auf eine Vermehrung der Anbauflächen zurückzuführen, zum andern werden die Anbaumethoden entscheidend verbessert.

Zunächst entwarf man einen neuen Pflug. Im Frühmittelalter wurden hölzerne Pflüge mit einem Holzhaken verwendet, der die Erde aufriss. In die Rille, die hierdurch entstand, wurde das Saatgut gelegt. Diese Art zu pflügen erforderte unglaublich viel Kraft, da der Pflug kräftig in die Erde gedrückt werden musste. Trotzdem wurde der Boden nur sehr oberflächlich bearbeitet.
Nun erfand man den Räderpflug mit einem Streichbrett. Der Räderpflug aus Eisen löste ab dem 10. Jahrhundert den Hakenpflug nach und nach ab. Er funktionierte ganz anders. Der Pflug besaß vorn ein Rädergestell und hinten ein Pflugmesser, das den Boden senkrecht tief einschnitt und Streifen davon nach oben drückte und durch das Streichbrett umdrehte. Somit konnte der Boden viel tiefer und gründlicher bearbeitet werden. Für die Aussaat wurde der Boden stärker aufgelockert. Selbst schwerere Böden konnten auf diese Art bearbeitet werden.

Für eine verbesserte Zugkraft wurde ein neues Brustgeschirr üblich. Bislang trugen die Ochsen das Geschirr um den Hals. Dies bewirkte, dass dem Tier eigentlich immer ein wenig die Luft abgedrückt wurde. Zugkraft ging verloren. Aus dem Grund war auch das Pferd für die Feldarbeit bislang nicht zu gebrauchen. Man erfand das Stirnjoch für die Ochsen und das Kummet für die Pferde. Dadurch sind die Tiere in der Lage das Vier- bis Fünffache zu ziehen.

Des Weiteren fing man nun an, dem Pferd Hufeisen zu schmieden, was ihnen einen sicheren Tritt ermöglichte. Das Pferd verdrängte den Ochsen zwar nicht vollständig, aber auf einer wachsenden Anzahl von Fluren wurde der Ochse nun ersetzen. Insgesamt brachte das Pferd eine höhere Leistung, nicht zuletzt deswegen, weil es ein bis zwei Stunden länger am Tag arbeiten kann.

 

Dreifelderwirtschaft

Ein weiterer Fortschritt hat in dieser Zeit einschneidende Fol­gen für die Landwirtschaft; es ist die Einführung der Dreifelder­wirtschaft. In der antiken und frühmittelalterlichen Landwirtschaft war die Zweifelderwirtschaft üblich, bei der die Ackerfläche in zwei Felder eingeteilt wurde, von denen eines mit Getreide bestellt wurde, während das andere brach lag. Da nicht genügend Dünger zur raschen Wiederauf­frischung der Äcker vorhanden war, ließ man bisher die Anbauflächen eine Zeitlang ausruhen. Dadurch lag im Vergleich zur Dreifelderwirtschaft stets die Hälfte statt einem Drittel der Nutzfläche brach. Alternativ konnte man das eine Feld mit Sommer- und das andere mit Wintergetreide bestellen, doch wurde der Boden dadurch stark in Anspruch genommen. Ein Landwechsel war der Grund für viele Rodung. Außerdem verhinderte er oft die Sesshaftigkeit der Bauern und führte zur Lebensweise des Wanderfeldbaus

Die Dreifelderwirtschaft war die seit dem Mittelalter um etwa 1100 n. Chr. in Europa weit verbreitete Bewirtschaftungsform in der Landschaft. Die Römer kannten schon die Zweifelderwirtschaft („Landwechsel") und wandten diese auch nördlich der Alpen an. Im Hochmittelalter wurde dann, ausgehend von karolingische Klöster, nach der Einführung der neuen Gerätschaften des 11. Jahrhunderts flächendeckend das Dreifeldsystem eingeführt.

Im jährlichen Wechsel wurden

  • ein Acker mit dem vor dem Winter gesäten Wintergetreide (damals Roggen und Emmer) und
  • ein zweiter mit dem nach dem Winter gesäten Sommergetreide (Hafer, Hirse, Gerste) bestellt.
  • Das dritte Feld blieb in diesem Jahr eine Brache, so dass sich der Boden hier erholen konnte. Es diente jedoch als Viehweide.

So wird eine Abwechslung in der Lebensmittelerzeugung möglich, deren Vorzüge dreifach sind. Man kann durch die Verbreitung des Hafers Mensch und Vieh zugleich ernähren, kann eine schlechte Frühjahrsernte durch eine bessere Sommerernte ausgleichen (oder umgekehrt, je nach den Wettervoraussetzun­gen) und so gegen Hungersnöte ankämpfen, kann endlich die Speisenfolge abwechslungsreicher gestalten und der Nahrung kräftigende Stoffe zufügen, namentlich Proteine, an denen die im Frühjahr gesäten Gemüse reich sind.

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