Mohammed

Während Kolumban den Germanen das Christentum predigte, begann im fernen Arabien Mohammed, ein neuer Religionsstifter, sein Werk.

Die Araber waren damals noch größtenteils wandernde Hirten, die anbetend zu den Gestirnen aufschauten und nur in dunkler Ah­nung an einen höchsten Gott über den Sternen glaubten. Sie hatten kein Gesetz wie die Juden, das sie einem göttlichen Willen unterstellte, keinen König oder Propheten, der ihnen den Weg wies, keine Bibel. Das Volk war führerlos, gespalten in Stämme und Sippen, und zwi­schen den Sippen wütete die Blutrache.

Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren. Früh verwaist, kam er in die Obhut eines Onkels und verlebte eine harte Jugendzeit als Schaf- und Ziegenhirt. Er war mit dem Onkel aber oft in der Kaaba, dem Wallfahrtstempel. Darin befand sich ein großer schwar­zer Stein, dessen Form einem Menschenkopfe glich und den nach alter Sage Allah - Gott - vom Himmel gesandt hatte. Wallfahrer aus ganz Arabien küssten diesen Stein, um die in ihm ruhende Kraft zu erlangen, und einmal sah und hörte der Knabe, wie ein Pilger seinen Rücken daran presste und ausrief: «O Gott, wüsste ich doch, wie ich dir am besten dienen kann!» Das stimmte ihn nachdenklich.

Der Jüngling wurde Kameltreiber; denn von Mekka aus führten Karawanenstraßen nach Norden, Süden und Osten. Er kam nach Palästina, Syrien, Mesopotamien und lernte andere Menschen, andere Religionen kennen. Nach einigen Jahren trat er in den Dienst einer wohlhabenden Kaufmannswitwe, besorgte ihre weitreichenden Handelsgeschäfte, heiratete sie und wurde ein reicher Mann. Doch bewegte ihn immer noch die Frage nach dem wahren Gott und dem rechten Gottesdienst. Darum zog er sich häufig in die Einsamkeit zurück.

In seinem vierzigsten Lebensjahr erzählte er seiner Frau etwas Seltsames: Er hatte die Nacht in einer Gebirgshöhle zugebracht. Da war ihm der Engel Gabriel erschienen und hatte ihn berufen, als Allahs Prophet seinen Mitmenschen den göttlichen Willen und das bald anbrechende Weltgericht zu verkündigen.

Seine Frau nahm diese Botschaft ernst, ebenso einige Freunde. Als Mohammed aber öffentlich zu predigen anfing, wurde er verspottet und beschimpft. Nur die fremden Pilger hörten ihm aufmerksam zu. Er erzählte wunderbare Dinge, farbig wie arabische Märchen:

In einer Nacht entführte ihn der Engel Gabriel auf einem Grauschimmel nach Jerusalem. Er betete im Tempel mit Abraham, Moses und Jesus. Dann stieg der Bote Gottes mit ihm auf einer goldenen Leiter bis in den siebenten Himmel. Dort musste der Engel zurückbleiben, während Mohammed vor den Thron Gottes trat, auf dem geschrieben stand: «Es gibt nur einen Gott, und Mohammed ist sein Prophet.» Er sprach mit dem Allmächtigen von Angesicht zu Angesicht und empfing von ihm vollkommene Erkenntnis des göttlichen Willens. Darauf kehrte er mit dem Engel nach Jerusalem zurück, bestieg den Grauschimmel und traf noch vor Tag wieder in Mekka ein.

Als Mohammed nun immer mehr Anhänger gewann, verschworen sich die Bewohner von Mekka, ihn umzubringen; denn sie fürchteten, er möchte sich über sie erheben. Da entfloh er nach Medina, wo ihn die Einwohner willkommen hießen, weil sie mit Mekka in alter Feindschaft lebten. Und nun wurde aus dem Religionsstifter ein Feld­herr und Herrscher. Der Prophet verwandelte die Schar seiner An­hänger in einen Kriegerhaufen, unternahm grausame Raubzüge gegen die jüdischen Araber, die ihn nicht als Messias anerkennen wollten, und vernichtete ganze Volksstämme, indem er die Gefangenen zu Hunderten niederhauen oder aufhängen ließ. Dann eroberte er Mekka ohne einen Schwertstreich und zog im Triumph in der Stadt ein, in rotem Gewand auf einem Kamele reitend, ein Zepter in der Hand und von einem glänzenden Gefolge umgeben. Schließlich unterwarfen sich die meisten Stämme freiwillig. Zehn Jahre nach seiner Flucht im Jahre 622, dem Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung, lag ganz Arabien in seiner Hand, und die Nachbarvölker zitterten vor ihm. Da starb er, kurz nach einem prächtigen Wallfahrtsfest in Mekka, zu dem über hunderttausend Gläubige erschie­nen waren.

 

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