Der Heilige Krieg

Auch nach dem Tode Mohammeds dauerte der Krieg fort. Mohammed hatte ihn für heilig er­klärt. Seine Glaubenslehre sollte über die ganze Erde ausgebreitet werden. Nur Juden und Christen durften ihre Religion behalten, falls sie bereit waren, zinspflichtige Untertanen der Rechtgläubigen zu werden. Der Kampf gegen die Andersgläubigen galt als höchste Pflicht, zugleich aber auch als sicherster Weg ins Paradies.

Wer auch nur so lange kämpft, als das saugende Kamel aussetzt, um Atem zu schöpfen, der hat das Paradies erworben. Dort ruht er auf seidenen, mit Gold durchwirkten Kissen. Flüsse von Honig und Milch umgeben ihn. Herrliche Speisen sind ihm bereitet. Schrecklich dagegen sind die Strafen der Hölle, die denen bevorstehen, die nicht für den Glauben streiten oder ihn gottlos verlassen. In einem ewigen Feuer an eine dreißig Ellen lange Kette gebun­den, werden sie stinkendes Aas essen und siedendes Wasser trinken müssen.

Der Kriegseifer für die Sache Allahs wurde verstärkt durch des Propheten Lehre, der allmächtige Gott habe das Schicksal jedes Menschen vorausbestimmt. Keiner musste befürchten, der Tod könnte ihn im Krieg vorzeitig ereilen. Diese Überzeugung verlieh den arabischen Heeren ungeheure Stoßkraft. In zwanzig Jahren erober­ten sie Mesopotamien, Persien, Syrien, Palästina und Ägypten. Das Oströmische Reich schrumpfte auf die Balkanhalbinsel und Klein­asien zusammen. Um 700 gelang den Arabern der Einbruch in Indien. Und in Nordafrika rückten sie immer weiter nach Westen vor. Im Jahre 711 setzte der Feldherr Tarik über die Meerenge von Gibraltar. In einer achttägigen Schlacht vernichtete er das Goten­heer und erstürmte Stadt um Stadt, bis ganz Spanien unter seiner Herrschaft war. Hierauf stießen die Eroberer sogar nach Frankreich vor.

 

Das Abendland stand in Gefahr

Das Abendland stand in Gefahr, von den Mohammedanern überflutet zu werden. Da trat ihnen im Jahre 732, hundert Jahre nach dem Tode des Propheten, der Franke Karl Martell mit einem ebenbürtigen Heere entgegen, besiegte sie und zwang sie hinter die Pyrenäen zurück.

Dennoch war das Reich der Araber jetzt ungeheuer groß. Vom Ebro bis zum Indus herrschten die Nachfolger des Propheten, die Kalifen, und ihre in morgenländischer Pracht aufblühenden Welt­städte Bagdad, Kairo, Cordoba überstrahlten die Städte der Römer und Griechen. Der arabische Handel erstreckte sich noch weit über dieses Riesenreich hinaus: im Süden bis zu den afrikanischen Län­dern jenseits der Sahara, im Osten bis ins Innere Chinas. Die arabi­sche Sprache breitete sich aus. Am Hofe von Bagdad entstand um 800 die berühmte Märchensammlung «Tausendundeine Nacht». Man las aber auch die Werke der alten Griechen, besonders diejenigen des Naturforschers Aristoteles, und übersetzte sie ins Arabische. Bald übertrafen die Araber alle andern Völker an Gelehrsamkeit, und während Jahrhunderten reisten wissenshungrige Europäer nach dem mohammedanischen Spanien, um dort Philosophie, Mathematik, Astronomie, Chemie und Arzneikunst zu studieren.

 

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