Kirche und Bildung

Die höchste Fürsorge Karls galt der religiösen Bildung seiner Völ­ker. Christliche Lehre, christlicher Glaube sollten das ganze Leben durchdringen und als einigende Kraft das Reich beseelen. Er förderte darum den Bau von Kirchen und Klöstern, kümmerte sich eifrig um die Ausbildung der Geistlichen, um das Vorbild ihres Lebenswandels und die würdige Gestaltung des Gottesdienstes. Er kümmerte sich um jede Form geistigen Lebens überhaupt.

Der Königshof wurde unter seiner Führung zu einer Bildungsstätte mit großer Strahlungskraft. Er berief die hervorragendsten Gelehr­ten, gründete eine Hofschule und lernte selber mit höchstem Eifer mit. Er hatte in seiner Jugend nur reiten, schwimmen, fechten und jagen, aber weder schreiben noch lesen gelernt. Jetzt lagen sogar unter seinem Kopfkissen Wachstafel und Griffel, damit er in jeder wachen Stunde üben konnte. Latein, die Sprache der Kirche und der überlieferten römischen Bildung, beherrschte er nach einigen Jahren wie das eigene Deutsch. Griechisch lernte er wenigstens lesen. Mit unerhörtem Fleiß wurden auf sein Geheiß alte Handschriften gesam­melt und von sprachkundigen, kunstfertigen Mönchen abgeschrie­ben. Er versuchte aber auch die deutsche Sprache zur Schriftsprache zu erheben, arbeitete selber an einer deutschen Grammatik und ließ deutsche Heldenlieder sammeln. Kurz nach seinem Tode übertrug denn auch ein Elsässer Mönch die Lebensgeschichte Jesu in ein deut­sches Gedicht.

«Warum», fragte er, «sollen sich die Franken nicht einmal getrauen, in ihrer eigenen Sprache Gottes Lob zu singen?»

Neben den Sprachstudien wurden an der Hofschule wie bei den alten Römern Rechnen und Geometrie, Musik, besonders Kirchengesang, und Sternkunde getrieben. Und über all diesen Künsten und Wissen­schaften stand die Glaubenslehre, die Theologie. Karl nahm auch daran lebhaft Anteil und redete in den Glaubensstreitigkeiten seiner Zeit öffentlich mit. So wurde seine Hofschule zur Hochschule für die hohe Geistlichkeit. Bischöfe und Äbte wurden aber ihrerseits wieder verpflichtet, Schulen zu errichten zur Ausbildung der Landpfarrer. Denn Karls letztes Ziel war die Frömmigkeit des Volkes. Sogar auf einzelnen Münzen bekundete er diese Absicht, indem er sein Lo­sungswort «Christliche Religion» darauf prägen ließ.

Die Kirche konnte diese große Aufgabe nur erfüllen, wenn für ihren Unterhalt gesorgt war. Die Mönche bebauten eigenes Land und erhielten sich selber. Aber die Weltgeistlichen? Im Alten Testa­ment wurde verordnet, alles Volk habe den zehnten Teil von Korn und Früchten, Most und Öl, Rindern und Schafen den Priestern, Sängern und Tempeldienern abzuliefern. König Karl erhob diese Verordnung zum Reichsgesetz und beauftragte die Königsboten, die Eintreibung und Verwendung des Zehnten zu überwachen. Daneben beschenkte er selber die Kirche unermüdlich aus eigenen Mitteln. Als eines Tages eine Karawane von fünfzehn riesigen Wagen, jeder von vier Rindern gezogen, den eben entdeckten Avarenschatz - Gold und Silber, kostbare Gewänder, Waffen und Schmuck aller Art - zur Königspfalz in Aachen brachte, dachte er zu allererst an die Kirche und überreichte den größten Teil des unerwarteten Reichtums sei­nen Bischöfen, Äbten und dem Papst. Ebenso verfügte er, dass nach seinem Tode sein Vermögen zu drei Vierteln der Kirche zufließe.

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