Die Cheopspyramide

Ähnlich könnte man den Kindern von den Pyramiden berichten. 

Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den sieben Weltwundern der Antike. Bis heute weiß man nicht ganz genau, wie man sie erbaut hat. Betrachten wir die Cheopspyramide. Sie ist die größte und vollkommenste der etwa 100 Pyramiden, die die Ägypter insgesamt errichtet haben.

Nachher ihrer Erstellung vor etwa 4600 Jahren war ihr Anblick ein überwältigendes Erlebnis. Dieses riesenhafte, vollkommen symmetrische Monument ragte aus dem Wüstensand wie ein gleißender Kristall der Sonne entgegen. Die Cheopspyramide hatte eine exakt quadratische Grundfläche mit einer Seitenlänge von 230,3 m und eine Höhe von 146,7 m. Die äußerste Schicht, die heute nicht mehr vorhanden ist, bestand aus glatt poliertem, weißem Kalkstein. Die seitlichen Dreiecke der Pyramide waren absolut ebenmäßig. Der oberste Schlussstein an der Spitze der Pyramide war vergoldet. Er sah wie eine eigene kleine Pyramide aus. Die Pyramide zeigt mit ihren Seitenflächen mit größter Genauigkeit nach Osten, Westen, Süden und Norden.
 

Begann nun am Morgen der Sonnengott „Re“ im Osten seinen Aufstieg, so traf sein Licht in Gänze die Ostseite der Pyramide. Aus dem Dunkel der Nacht glänzte zunächst die goldene Spitze wie ein Morgenstern und erhellte die Ostseite der Pyramiden immer stärker. Re nahm seinen Lauf und verströmte sein gleißendes Licht. Wie ein überirdischer, vollkommen geschaffener Kristall warf die Pyramide das Licht in das Auge des Betrachters. Beendete Re am Abend seiner Reise, so was es wiederum das Gold der Spitze, welches als letztes das Sonnenlicht reflektierte.

Die Pyramide und die Sonne waren ständig in Wechselbeziehung. Was jedoch in der Pyramide lag, verriet sie nicht und sollte verborgen bleiben. Kein Fenster, keine Tür, kein Eingang – nichts verriet, dass hier ein Gott auf Erden ruhte. Die Pyramide verband Himmel und Erde, in dem sie quadratisch fest auf dem Boden lag und mit ihren vier Dreiecksseiten bis zur goldenen Spitze aufstrebend in den Himmel zeigte. Ehrfurcht, Demut und die Gegenwart des Sonnengottes wird damals der Betrachter tief empfunden haben.

Um eine solche Pyramide zu bauen, beginnt man nicht, indem man einfach Stein auf Stein legt und hofft, dass die Seiten in der Spitze glücklich zusammenlaufen. Nein, alles an dieser Pyramide war zuvor durchdacht, geplant und berechnet, bis in jedes Detail. Da nie zuvor eine solche Pyramide erbaut worden war und man sich daher auf keine Erfahrungen berufen konnte, gleicht das einem Wunder.

Alles begann mit der Auswahl des Bauplatzes. Die Cheopspyramide steht nicht auf Sand, sondern auf einem felsigen Grund. Dieser musste vermessen, abgesteckt und vollkommen eingeebnet werden. Nun überzog man den Platz mit einem Gitter untereinander verbundener Rinnen, die man anschließend mit Wasser füllte. Dadurch entstand so etwas, wie eine riesige Wasserwaage. Am Wasserstand konnte man ablesen, wo noch mehr Fels abgetragen werden musste, damit am Ende eine riesige, ganz ebene Fläche entstand.

Die Grundfläche vom Pyramidenquadrat wurde durch eine aufwendige Beobachtung der Sterne genauestens nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Hier waren sternenkundige Fachleute notwendig. Auch der Neigungswinkel der Pyramide musste im Vorfeld sorgfältig berechnet werden. Auch musste er später ständig überprüft werden, damit man sicher sein konnte, dass die nach oben verjüngenden vier Seitenflächen ohne Abweichung in der Spitze zusammenliefen.

Nun wurden die Steinbrüche vorbereitet. Schwere Steinquader mit einem durchschnittlichen Gewicht von 2,5 t mussten aus dem Steinbruch geschlagen werden. Schätzungsweise 1500 Männer waren dort beschäftigt. Die Arbeit erforderte spezielle Fertigkeiten, war also nichts für frisch verpflichtete Hilfskräfte. Jeder Steinarbeiter erhielt einen Kupfermeißel. Kupfer war das härteste Material, das die Ägypter kannten. Dennoch stumpfen die Werkzeuge schnell ab, etwa nach 100 Schlägen. Also musste eine Gruppe bereitstehen, die den Meißel schärfte. Das stumpfe Werkzeug wurde im Feuer angeheizt und die Schneide neu geformt und anschließend im Wasser abgekühlt. Dazu braucht es eine weitere Gruppe von Arbeitern, die Wasser und Brennholzarbeit schleppen. Eine typische Aufgabe für Neuankömmlinge ohne Erfahrung. Eine weitere Spezialaufgabe erfüllten die Schreiber. Um zu gewährleisten, dass jeder Block am richtigen Zielort ankam, wurde er am Boden markiert und erst dann in Richtung Pyramide abtransportiert.

Der Steinbruch von Gizeh lag etwa 800 m südlich der Baustelle. Wer im Steinbruch arbeitete, kam nie in die Nähe der Pyramide. Zugang zum eigentlichen Bauplatz war nur über zwei riesige Rampen möglich. Aber wie wurden die Blöcke bewegt? Mit Holzschnitten wurden sie transportiert, die von etlichen Menschen auf Nilschlammziegelstraßen gezogen wurden. Der Nilschlamm hat nämlich die Eigenschaft, dass er auch ungebrannt, also nur luftgetrocknet, ziemlich hart wird. Kommt er jedoch mit Wasser in Berührung, so löst er sich sofort wieder auf. Dies hat sich der Ägypter zunutze gemacht. Man musste die genaue Menge an Wasser vor den zu ziehenden Schlitten auf den Boden sprenkeln. Die Oberfläche der Nilschlammziegel wurde dadurch hauchdünn auflöste und es entstand eine Gleitschicht, auf der der Schlitten wie auf Glatteis gezogen werden konnte. Je höher die Pyramide wuchs, desto höher und länger wurden auch die Rampen.

Neben der perfekten Organisation verblüffte beim Bau der großen Pyramide vor allem die handwerkliche Sorgfalt für den millimetergenauen Feinschliff der riesigen Blöcke. Es standen nur sehr einfache Werkzeuge zur Verfügung. Mit Winkelholz und Lot wurde festgestellt, ob jeder Block rechtwinklig war und gerade lag. Mehr als 2,3 Millionen solcher Blöcke wurden mit der Hand gefertigt, was eine gigantische Anstrengung war. Am Ende erhielt die Pyramide ihre äußere Schicht aus einem wunderschönen Tura-Kalkstein. Aus den Treppenstufen der Steinquader wurde somit eine weiß-strahlende glatte Fläche.

Ein Heer von Hilfsarbeitern, Bauhandwerkern und Steinmetzen bauten länger als 20 Jahre an diesem Monument. Hinzu kommen Werkzeugmacher, Lagerverwalter, Träger und Wächter. Bäcker, Metzger und Bierbrauer sorgten für die Verpflegung der Bauleute. Diese erhielten drei Mahlzeiten am Tag: Brot, Bier, Zwiebeln und Knoblauch. Zudem erhielten sie einen Lohn in Form von Weizen- oder Gerstenkörnern. Alles wurde von den Schreibern des Pharaos genau festgehalten. Die überwiegende Mehrzahl der Arbeiter waren Bauern, die für die Zeit, in welcher der Nil jährlich die Felder überschwemmte, zur Arbeit am Pyramidenbau gerufen wurden. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (490 - 420 vor Christus), der selbst Ägypten bereist hatte und dort vielerlei Informationen einholte, berichtet, dass 100.000 Männer, in Gruppen eingeteilt, in Schichten von jeweils drei Monaten Dauer am Bau der Cheopspyramide arbeiten.

 

Fragen zum Text

  1. Was befand sich an der Spitze der fertigen Pyramide?
  2. Welche Arbeiten fielen im Steinbruch an?
  3. Wodurch gelang es, den Felsengrund der Pyramide vollkommen einzuebnen?
  4. Was waren die Hauptnahrungsmittel der Arbeiter an der Pyramide?
  5. Wie lange arbeitete man an der Cheopspyramide?
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