Das Leben als Legionär

Ein Beitrag von Svenja Schulz

Eine erste Aufgabe, die ich zu folgendem Text meinen SchülerInnen stellte, lautete: „Schreibe als junger Soldat einer Legion, die in Gallien kämpft, einen Brief nach Hause, wie schwer dir das Soldatenleben fällt. Beklage dich ausführlich über alle die Strapazen und Arbeiten.“

Eine zweite praktische Aufgabe bestand darin, einen Rucksack mit in die Schule zu bringen. Wir füllten ihn mit Steinen, die etwas weniger als die Hälfte unseres Körpergewichtes wogen. Anschließend machten wir einen Marsch von etwa 2 km Länge.

Eine dritte Aufgabe bestand darin, mit den Tischen unserer Klasse einen Wall für ein Marschlager zu bauen. Dafür stellten wir die Tische in einem Rechteck auf. Wir wählten einen Zenturio, der die Zeit stoppte und Anweisungen zur Verbesserung gab. Mit einer klaren Zuordnung der Zuständigkeiten und einem zweiten und dritten Versuch bemüht wir uns, immer schneller zu werden.

 

Geeignet als Material für ein Schülerreferat.

Das Leben als Legionär

Das römische Imperium war in vielerlei Hinsicht beeindruckend, insbesondere auch wegen seiner militärischen Stärke. Die Römer perfektionierten ihre Kriegstechnik immer weiter. Kaum ein Gegner war ihnen gewachsen. Unaufhörlich dehnten sie ihren Machtbereich fast bis an die Grenzen der damals bekannten Welt aus.

Bis zu 400.000 Mann, die in 30-35 Legionen aufgeteilt waren, bildeten die fast unbesiegbare Streitmacht des Imperiums. Davon waren 170.000 römische Legionäre. Es kamen ca. 230.000 Mann an Hilfstruppen hinzu, welche die eroberten Völker des Reichs stellten.

Rom gründete seine Macht auf seine Soldaten. Wenn man in den Militärdienst eintreten wollte, so bedurfte es verschiedener Voraussetzungen. Um Legionär zu werden, musste man z.B. größer als 1,75 m sein. Ebenso hatte man schlank und muskulös zu sein. Auch das Mindestalter von 17 Jahren war eine Voraussetzung. Zudem musste man lesen und schreiben können. Alles begann mit einer Musterung. Man wurde begutachtet, ob die Voraussetzungen zur Aufnahme in die Armee erfüllt waren. Anschließend hatte man einen Eid zu schwören, dass man den Befehlen der Vorgesetzten bedingungslos Folge leisten würde.

Nun kam es zur Grundausbildung. Sie dauerte vier Monate und war überaus anstrengend. Die jungen Männer übten lange Märsche mit voller Ausrüstung. Ein Legionär musste an einem Tag rund 30 km mit einem Gepäcksgewicht von 30 kg zurücklegen können. Das war eine unglaubliche Leistung, für die man hart trainieren musste. Neben Kleidung, seinen Waffen und einem Lederbeutel für persönliche Dinge trug ein Legionär auch Getreide, andere Nahrungsmittel, Wasser und einen Topf mit sich.

Aber damit noch nicht genug. Abends nach einem langen Marsch musste oft noch ein Lager errichtet werden. Das bedeutete nicht nur den Aufbau der Zelte. Ein römisches Marschlager war ein provisorisches Kastell. Es wurde durch Gräben und Palisaden gesichert. Dafür brauchte man weitere 3 Stunden Arbeit mit Hacke, Spaten und Axt. Erst dann war das Lager fertig. Zuweilen wurden auch „Lilien gepflanzt“, kleine Löcher mit Eisenspitzen – bösartige Fallen für den Feind.

Anschließend war man selbst auch noch für seine eigene Essenszubereitung verantwortlich. Erst dann konnte man sich zur Ruhe begeben.

Aber welche Schuhe hielten solche Märsche auf Dauer aus? Die römischen Militärstiefel hießen Caliga. Es waren im Grunde Sandalen, deren Sohlen mit vielen kurzen Eisennägeln mit großem Kopf versehen waren. Sie gaben einen hervorragenden Halt auf dem Untergrund und nutzten sich nur sehr langsam ab. Insbesondere in einer Schlacht war ein fester Stand wichtig und zudem hielten sie viele hundert Marschkilometer aus.

Der Wurfspeer, das Pilum

Neben einem Schwert hatte ein Legionär auch einen Wurfspeer. Auf einem 1 m langen Holzschaft befand sich eine etwa gleich lange Eisenstange mit einer Vierkantspitze. Das Pilum hat eine extrem hohe Durchschlagskraft. War ein gegnerisches Schild getroffen, so ließ sich dieser Speer nur schwer wieder herausziehen. Das hatte den Vorteil, dass der Gegner seinen Schild nicht mehr gebrauchen konnte. Erstens wurde der Schild zu schwer und zweitens war er nicht mehr flexibel einsetzbar. Dadurch war der Gegner schutzlos.

Die Römer wählten in der Regel folgende Taktik: Man marschierte in Formation bis ca. 20 m vor die feindliche Linie, nun warf man eine Pilum-Salve. Wer das von den Gegnern überlebte, hatte keinen gebrauchsfähigen Schild mehr. Jetzt kam das Kurzschwert zum Einsatz. Durch die geringe Länge war es gut in der Enge der Formation zu handhaben. Die Gegner hatten keine Chance.

In der Grundausbildung galt es außerdem den wichtigen Gleichschritt zu erlernen. Natürlich beschäftigte man sich ebenso intensiv mit dem Speerwurf und dem Schwertkampf. Bei verschiedenen Kampfformationen war äußerste Disziplin und ein Gleichmaß der Bewegungen notwendig. Dies war u.a. bei der „Schildkröte" der Fall.

Hier stehen die Soldaten in einer rechteckigen Formation. Die innenstehenden Soldaten halten ihre Schilde über den Kopf, die außenstehenden ihre Schilde an die Seite. So entsteht ein allseitiger Schutz. Mit dieser Formation konnten sie voranschreiten und angreifen.

Nach der Grundausbildung begannen bis zu 25 Jahre Dienst in der Legion.

Aber römische Legionäre waren nicht nur Soldaten in der Schlacht, sondern auch Handwerker, die nach anstrengendem Tagesmarsch ein befestigtes Lager aus dem Boden zu stampfen. Auch waren die Soldaten am Straßenbau beteiligt, für die das Römische Reich berühmt war. Befestigte Straßen durchzogen das ganze Imperium. Die Straßen waren für den Handel und schnelle Truppenbewegungen von großer Bedeutung.

Römische Militärlager

Der Aufbau eines solchen Lagers war straff vereinheitlicht, da es nach jedem Marsch gegen Abend neu errichtet werden musste. Dazu war es notwendig, dass die große Zahl der Menschen, die an einer militärischen Operation teilnahmen, zu jeder Zeit wusste, was zu tun war und wie sie sich in dem Lager zurechtzufinden hatten. Diese Abläufe folgten einer stets gleichen Mechanik, die jede Art von Nachfragen erübrigte. Daher war ein rascher und professioneller Lagerauf- und -abbau auch in Ausnahmesituationen gewährleistet. Nach allen vier Himmelsrichtungen öffnete sich meist je ein Tor, durch das die vier Lagerhauptstraßen rechtwinkelig hindurchführten und am Mittelpunkt des Kastells zusammenliefen.

Ein römischer Chronist schrieb, dass mehr Kriege mit dem Spaten gewonnen wurden als mit dem Schwert. Eine Zeltbesatzung - bestehend aus acht Männern - war die kleinste organisatorische Einheit der Armee. Sie waren nicht nur eine Kampf-, sondern auch eine Haushaltsgemeinschaft. Sie marschierten und schanzten zusammen und bereiteten gemeinsam ihr Essen zu. Jedes Zelt hatte eine eigene Handmühle samt Getreidevorrat. Als Selbstversorger waren die Soldaten im Gelände unabhängig. Ein entscheidender militärischer Vorteil. Zu essen gab es meistens den berühmt-berüchtigten „Puls“, einen Getreidebrei, der mit allem gerade Verfügbarem verfeinert wurde. Das Leben im Feld war anspruchslos.

Für eine längere Stationierung wurden befestigte Militäranlagen errichtet, die sogenannten Kastelle. Dies geschah, wenn eine Gegend dauerhaft erobert worden war und man sie militärisch sichern wollte. Egal ob in Afrika oder in der Eifel, ein Kastell der Römer sah im Prinzip überall ähnlich aus.

Die Kastelle waren die Grundpfeiler der Macht in den Provinzen. Hier lagerten auch die gefürchteten Fernwaffen der Römer: Pfeilgeschütze und Katapulte. Technische Wunderwaffen, Demonstrationen römischer Überlegenheit.

Kastelle und ihre Truppen sicherten den Raum entlang der Grenzen. Bei Überfällen der Germanen konnten aus den Kastellen schnelle Eingreiftruppen entsandt werden. Für größere Konfliktherde waren in Lagern wie Mainz und Regensburg ganze Legionen stationiert. Aus diesen Militärstandorten entwickelten sich bedeutende Städte, die es zum Teil noch heute gibt.

Organisation

In einer Legion wurde nicht diskutiert, sondern gehorcht. Die Befehlsordnung war ganz klar geregelt. Eine Legion bestand aus etwa 5000 Männern - diese Zahl änderte sich im Laufe der Zeit oft nach oben oder unten. Sie setzte sich zusammen aus 10 Kohorten. Jede Kohorte bestand aus 5 oder 6 Zenturien. Eine Zenturie war die kleinste Einheit aus etwa 80 Männern. Ihr stand der Zenturio (Hauptmann) vor. Hinzu kamen noch Hilfstruppen. Auch besaß jede Legion ihr eigenes Feldzeichen.

Besonders wichtig für eine Legion waren die 60 Zenturionen, hartgesottene Männer mit Kampferfahrung, die sich aus den Reihen der einfachen Legionäre hochgedient hatten. Der römische Militärtheoretiker Vegetius dazu:

„Als Zenturio muss ausgewählt werden, der wachsam, von kühlen Kopf, tatkräftig ist, mehr dazu geneigt Befehle aus zuführen als zu diskutieren, der seine Kameraden zur Disziplin anhält, sie zur Waffenübung zwingt, darauf achtet, dass sie wohlgekleidet und beschuht sind und dass die Waffen von allen geputzt und glänzen.“

Am Ende ihrer Militärdienstzeit erhielten die Römer Land und Geld zugeteilt. Dieses Land bewirtschafteten sie. Zwar war der Beruf des Soldaten gefährlich und anstrengend. Trotzdem war er begehrt, weil man durch ihn ein sicheres Auskommen hatte.

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