Sullas Diktatur

Plutarch berichtet

Sullas Diktatur

So waren denn dem Sulla alle Unternehmungen gegen seine Feinde nach Wunsche gegangen, und er hatte keine Widersacher mehr. Die Angelegenheiten der Stadt ordnete er alle für sich allein und auf was für Art es ihm beliebte. Denn von einem Gesetze oder einer Stimmgebung oder von einem Lose war keine Rede mehr, nach­dem alle vor Furcht erstarrt waren und sich verbargen oder schwiegen. Sie erklärten sogar alles, was Sulla als Konsul und Prokonsul verfügt hatte, für gültig und unan­greifbar. Sulla war somit in der Tat... Alleinherrscher, freilich nicht durch freie Wahl, sondern durch Übermacht und Gewalt. Er wollte aber dennoch einigen Schein haben, als sei er dazu gewählt, und erreichte auch diesen Zweck,... da beide Konsulate durch den Tod des Carbo in Sizilien und des (jüngeren) Marius in Präneste erledigt waren, indem er sich ein wenig aus der Stadt entfernte und dem Senate befahl, einen so genannten Zwischenkönig zu wählen. Der Senat wählte den Valerius Flaccus, in der Hoffnung, dieser werde eine Konsulwahl veranstalten. Sulla aber schrieb dem Flaccus, er solle dem Volke vortragen, dass es Sulla für gut hielte, wenn man beim gegenwärti­gen Zustande der Stadt einen so genannten Diktator setzte, eine Würde, die seit 120 Jahren nicht mehr erteilt worden war. Derjenige aber, auf den die Wahl fiele, meinte er, sollte keine bestimmte Zeit, sondern so lange regieren, bis der durch Gärun­gen und Kriege herbeigeführte schwankende Zustand der Stadt und Italiens und des ganzen Reiches zur Ruhe gebracht wäre. Der Sinn dieses Antrages leitete ganz unzweideutig auf Sulla selbst, und Sulla vermochte sich auch so wenig zu verbergen, dass er am Ende des Briefes noch beifügte, niemand könne hierbei nach seiner Ansicht der Stadt nützlichere Dienste leisten als er selbst. Die Römer sahen bei diesem Briefe wohl ein, dass ohnehin keine freie, gesetzmäßige Abstimmung mehr bestehe und dass überhaupt der Stand der Dinge nicht mehr in ihrer Gewalt sei. Sie stimmten ab und wählten den Sulla auf so lange, als es ihm beliebte, zum unumschränkten Herr­scher. Doch setzten sie, um die Sache mit anständigen Worten zu beschönigen, wenigstens so viel hinzu, sie wählten ihn zum Diktator, um Gesetze zu geben, die er selbst für gut hielte, und um die Lage des Staates zu ordnen. Um indessen wenigstens noch einen Schein von der früheren Staatsverfassung beizubehalten, gestattete Sulla eine Konsulwahl... Er selbst aber stand, ein wahrer König, als Diktator über den Konsuln. Denn es wurden vor ihm als Diktator vierundzwanzig Beile hergetragen. So viel gingen auch den alten Königen voran, und eine starke Leibwache umgab seine Person... Dem Volke wurden die jüngsten und kräftigsten Sklaven der Ermordeten, mehr als 10000 an der Zahl, einverleibt, nachdem ihnen die Freiheit und das römische Bürgerrecht geschenkt worden. Sulla nannte sie nach seinem eigenen Namen „Cornelier". Seine Absicht dabei war, 10000 Menschen unter dem Volke zu haben, die immer seines Winkes gewärtig wären. Und damit dies auch im übrigen Italien statt­fände, hatte er an 23 Legionen, die unter ihm gedient, viele Ländereien in den Städten verteilt, wovon einige noch niemandes Eigentum, andere den Städten zur Strafe abgenommen waren.

Ein Beweis, wie rücksichtslos grausam er war und wie leicht sein Zorn alles Maß über­stieg, ist folgender. Quintus Lucretius Ophelia, der nämliche, der ihm Präneste erobert und eben dadurch Sullas Sieg erst vollendet hatte, wollte, ehe er aus dem Ritterstand ausgetreten und ehe er Quästor und Prätor gewesen war, wegen der Größe seiner Taten nach alter Sitte Konsul werden. Sulla suchte ihn daran zu hindern und ihn hinzuhalten. Weil er ihm aber nicht folgte und dessen ungeachtet sich um die Stim­men der Bürger bewarb, so ließ er ihn mitten auf dem Markte ermorden. Hierauf ver­sammelte er die Menge und sprach: „Wisset, ihr Männer, und höret es von mir selbst, dass auf meinen Befehl Lucretius getötet worden ist, weil er mir nicht gehorchte". Und er fügte die Erzählung bei: ,,Es bissen einst die Läuse einen Ackermann während des Pflügens. Zweimal legte er den Pflug weg und säuberte sein Unterkleid. Wie er aber aufs Neue gebissen wurde, verbrannte er das Kleid, um nicht noch öfter unter­brochen zu werden. So warne auch ich", setzte er hinzu, „die zweimal Besiegten, dass sie mich nicht das dritte Mal zum Feuer nötigen." Auch mit solchen Reden erschreckte er das Volk so, dass er nach freier Wilkür walten konnte."

„Sulla weihte Herkules den zehnten Teil seines gesamten Vermögens und veranstaltete für das Volk verschwenderische Gastereien. Man hatte dafür sogar viel mehr ange­schafft als nötig war, so dass man täglich Speisen in Hülle und Fülle in den Tiber warf. Der Wein, den man trank, war vierzig und mehr Jahre alt. Während der Festlichkeiten, die mehrere Tage dauerten, starb (Sullas Gattin) Metella an einer Krankheit. Da die Priester Sulla nicht zu ihr lassen wollten und ihn warnten, sein Haus durch die Leichenfeier zu entweihen, so hatte er ihr einen Scheidebrief schreiben und sie noch lebend in ein anderes Haus bringen lassen.

Als wenige Monate ins Land gegangen waren, fanden in Rom Fechterspiele statt. Da damals die Plätze im Theater noch nicht getrennt waren und Männer und Frauen nebeneinander saßen, geschah es, dass eine schöne Frau aus vornehmen Hause in Sullas Nähe saß. Es war Valeria, Messalas Tochter, des Redners Hortensius Schwe­ster und erst kürzlich von ihrem Mann geschieden. Als sie hinter Sullas Rücken vorbei­ging, streckte sie ihre Hand nach seiner Schulter aus, zog einen Faden aus seiner Toga und setzte sich an ihren Platz. Verwundert sah Sulla sich nach ihr um. Sie aber sagte: „Ich wollte dich nicht kränken, Herr, nur ein wenig von deinem Glück erhäschen!' Das hörte Sulla nicht ungern, man merkte vielmehr gleich, dass die Worte tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatten. Er ließ unter der Hand nach ihrem Namen fragen und erfuhr ihre Herkunft und ihre Lebensgeschichte. Bald darauf suchten sie sich schon mit den Blicken, sahen sich nach einander um und lächelten sich zu, bis dann Verlöbnis und Hochzeit folgten."

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