Aufstieg des Pompeius zur Macht

Der römische Schriftsteller Plutarch berichtet:

Schon in der Jugend besaß sein Äußeres die Freundlichkeit, die ihm die Herzen der Menschen gewann, ehe er noch mit ihnen sprach. Das majestätische, königliche Wesen seines Charakters verriet sich schon in seiner blühenden Jugend. Sein sanft zurück­wallendes Haar und das lebhafte Feuer seiner Augen verliehen ihm Ähnlichkeit mit den Bildern Alexanders des Großen, die gewiss nicht überraschend groß war, von der man aber immer wieder sprach. Pompeius ließ es sich deshalb nicht ungern gefallen, dass viele ihm diesen Namen beilegten, manche taten es freilich zum Hohn.

In dieser Zeit hielt sich Pompeius in der italischen Landschaft Picenum auf, wo ver­schiedene seiner Güter lagen. Vor allem stand er schon von seinem Vater her in freundschaftlichem Verhältnis zu den dortigen Städten. Da sah er, wie die besten, angesehensten Bürger von überall her in Sullas Lager flüchteten, um dort wie im Hafen Schutz zu suchen. Aber er selbst mochte nicht als Flüchtling mit leeren Händen schutzflehend vor Sulla treten, er wollte, um sich ihn zu verpflichten, an der Spitze einer bewaffneten Macht zu ihm kommen. Als er deshalb den Versuch machte, die Picenter zum Kampf aufzurufen, folgten sie seiner Aufforderung mit Begeisterung und schenkten den Sendungen Carbos kein Gehör mehr. Als einer von diesen, Vedius, die Bemerkung wagte, Pompeius sei doch eben erst aus der Schule gelaufen, um jetzt als Volksverführer bei den Picentern aufzutreten, wurden sie so rasend, dass sie in demselben Augenblick über Vedius herfielen und ihn totschlugen. So machte sich Pompeius jetzt, dreiundzwanzig Jahre alt, selbst zum Feldherrn, ohne dass ihn jemand dazu ernannt hätte. Auf dem Markte einer großen Stadt, Auximum, ließ er ein Tribunal errichten und verwies die beiden Brüder Ventidius, angesehene Männer der Stadt, die gegen ihn für Carbo warben, des Landes. Dann begann er Truppen auszuheben, und nachdem er in aller Form Offiziere ernannt hatte, bereiste er auch die umliegenden Städte, um auch dort Truppen auszuheben. Die Anhänger Carbos aber machten sich aus dem Staube und überließen ihm das Feld, während die übrige Bevöl­kerung ihm mit Freuden ihre Dienste anbot. So brachte er in kurzer Zeit drei Legionen zusammen, mit allem was dazu gehört, Verpflegung, Lasttieren und Wagen. Erst dann zog er Sulla entgegen, ohne Hast und ohne Heimlichkeit.

Diese kühne Tat hat seinem ganzen künftigen Leben die Richtung gewiesen... Dass ein privatus (Amtsloser) sich eigenmächtig die Befehlsgewalt über ein römisches Heer aneignete, war ein revolutionärer Vorgang, der sich nach römischen Begriffen unter Umständen mit der Notlage des Staats rechtfertigen ließ. Unerhört war jedoch, dass er solches in einem Alter wagte, wo er nach dem geltenden Recht noch mindestens sechs Jahre zu warten hatte, bis er sich um die Quästur, das Anfängeramt, bewerben konnte.

Aber da zogen gleichzeitig drei Generale gegen ihn ins Feld. Die Gefahr lag darin, dass sie nicht in einer Front von einer Stelle her kamen, ihn vielmehr von drei ver­schiedenen Seiten her einschließen und vernichten wollten. Doch Pompeius ließ sich nicht einschüchtern, er zog seine Truppen an einer Stelle zusammen und warf sich an der Spitze seiner Reiterei zuerst auf Brutus' Lager. Als ihm vom Feinde her die keltischen Reiter entgegenstürmten, traf er den ersten, der tollkühn heransprengte, mit der Lanze, ehe der Gegner sich besinnen konnte, und stieß ihn nieder. Die anderen warfen ihre Gäule herum und jagten auf ihrer Flucht das Fußvolk durcheinander, so dass schließlich das ganze Heer auseinanderlief. Da bekamen denn auch die beiden anderen Feldherren untereinander Streit und zogen ab, so schnell sie konnten. Der Erfolg war, dass die Städte auf Pompeius' Seite traten, weil seine Gegner offenbar aus Furcht vor ihm sich zerstreut hatten.

Bis dahin hatte Sulla keine Kunde erhalten von Pompeius' Erfolgen. Aber auf die ersten, undeutlichen Nachrichten hin fürchtete er für Pompeius, der sich mit so viel ausgezeichneten gegnerischen Generalen herumschlagen musste. Er versuchte daher, ihm schleunigst Hilfe zu bringen. Das kam Pompeius bald zu Ohren, und er gab seinen Offizieren Befehl, die Truppen in vorschriftsmäßiger Rüstung und Ordnung aufmar­schieren zu lassen, um mit der glänzenden Pracht des Heeres auf den Imperator Sulla Eindruck zu machen. Denn groß waren die Ehren, die Pompeius von Sulla erhoffte, größer noch, die er erhielt.

Als Sulla ihn herankommen sah und das Heer erblickte, all die kräftigen, herrlichen Gestalten, mit Augen, die in der Erinnerung an ihre Siege fröhlich glänzten, da sprang er vom Pferd, und - wie es ihm gebührte, mit dem Zuruf Imperator begrüßt - begrüßte er Pompeius selbst auch als Imperator, und doch hätte niemand erwarten können, dass Sulla einem jungen Menschen, der noch nicht einmal Mitglied des Senats war, einen Titel verleihen würde, den zu gewinnen er selbst mit Männern wie ... Marius im Krieg lag.

Imperator in diesem titularen Sinn wurde nach römischem Brauch der befehlführende Magistrat, wenn ihn nach siegreicher Schlacht die Soldaten mit diesem Namen begrüß­ten, und es bedeutete somit diese Anrede nichts Geringeres, als dass der ruhmbedeckte Imperator den jungen amtslosen Mann als seinesgleichen anerkannte.

Im Auftrage Sullas warf Pompeius die Marianer in Sizilien und Afrika nieder.

Als er nach Utika zurückkehrte, lief ein Schreiben Sullas ein, wonach er mit einer Legion die Ankunft des für Afrika bestimmten Statthalters abwarten, die übrigen Truppen entlassen sollte. Diese Behandlung entsprach keineswegs seiner Erwartung, aber auch nicht der seiner Soldaten, die sich der Einschiffung widersetzen wollten, wenn er sie nicht zurückführe, offenbar, weil sie fürchteten, der Diktator beabsichtige, ihnen den erhofften Triumph vorzuenthalten. In ihren Kundgebungen erscholl zum ersten Mal der Beiname Magnus. Sulla geriet auf die erste Nachricht von dieser Gehor­samsverweigerung in heftigen Zorn und sagte zu seiner Umgebung, es scheine ihm in seinem Alter beschieden zu sein, nachdem ihm schon der junge Marius so viel Not bereitet habe, wiederum zu einem Knabenwettkampf antreten zu müssen.

Pompeius selbst war die Stimmung des Heeres natürlich willkommen, aber er erklärte mit größter Entschiedenheit, dass er sich lieber selbst umbringe als zwingen lasse, und erreichte so, dass auch Sulla sich mit der sofortigen Rückkehr an der Spitze der sieg­reichen Truppen einverstanden erklärte. Dieser ließ sich schließlich sogar herbei, ihn vor der Stadt feierlich zu empfangen, und begrüßte ihn bei dieser Gelegenheit laut als Magnus, womit dieser Beiname vor der Öffentlichkeit anerkannt war. Wahrschein­lich wollte er mit dieser Ehrung dem Begehren nach dem Triumph zuvorkommen, weil dieser nach dem Staatsrecht, an dessen Befestigung er seine ganze diktatorische Wirksamkeit setzte, nur dem ordentlichen Magistrat gebührte, war doch gerade der Triumph eine Kulthandlung, die der Magistrat als Nachfolger der ehemaligen Köni­ge vollzog. Er verwies darauf, dass früher aus diesem Grunde auch der ältere Scipio Africanus nicht über Spanien habe triumphieren dürfen; desto mehr gelte das für Pompeius, der seinem Range nach überhaupt nur dem Ritterstand angehörte, das entstehende Ärgernis würde ihnen beiden nachteilig sein. Indessen eben das war Pompeius' höchster Ehrgeiz, als Ritter den Triumph über Hiarbas zu feiern, und er war keck genug, dem Diktator auf seinen Einwand zu erwidern, die aufgehende Sonne genieße mehr Verehrung als die untergehende. Dieser ließ darauf seinen Wider­spruch fallen, und auch der Senat stimmte zu. Zuletzt wurden noch die Soldaten unruhig, weil sie fanden, ihr Beuteanteil sei im Verhältnis zu dem, was der Imperator für die Staatskasse bestimmte, zu gering ausgefallen. Da machte es einen ausgezeich­neten Eindruck, dass Pompeius unbeugsam blieb und erklärte, lieber auf den Triumph zu verzichten als ihnen nachzugeben. Das Fest wurde am 12. März 79 gefeiert. Als Sieger über Afrika wollte er dem Volk das Schauspiel bieten, dass statt der Pferde vier Elefanten den Triumphwagen zogen. Allein es stellte sich heraus, dass die gewal­tigen Tiere nicht nebeneinander die porta triumphalis (den Torbogen, durch den sich der Festzug vom Marsfeld nach der inneren Stadt bewegte) durchschreiten konnten, und es blieb nichts übrig als Pferde vorzuspannen.

Wir können uns kaum vorstellen, was es im damaligen Rom bedeutete, dass einer mit 26 Jahren bereits diesen Gipfel des Ruhmes erreichte. Cicero fasste später den Eindruck folgendermaßen zusammen: „Was war so neu, als dass ein ganz junger Mensch ohne Amt in schwieriger Lage des Staates ein Heer aufbrachte? Er tat es. Als es zu befehligen? Er tat es. Was war so außer aller Gewohnheit, als einem so jungen Mann, dessen Alter weit entfernt war vom Senatorenrang, Befehlsgewalt und ein Heer zu übertragen, ihm Sizilien anzuvertrauen und Afrika und den dort zu führenden Krieg? Er bewährte in diesen Provinzen einzigartige Redlichkeit, Würde und Tapferkeit, beendete den größten Krieg in Afrika und führte das siegreiche Heer zurück. Was aber war so unerhört, als dass ein römischer Ritter triumphierte? Doch das römische Volk bekam das nicht nur zu sehen, sondern es hielt dafür, dass es mit Eifer zuschauen und mitfeiern müsse".

Doch das herrlichste Schauspiel bereitete Pompeius selbst dem Volk, als er in eigener Person um seine Entlassung aus dem Kriegsdienst bat. Wenn nämlich die Ritter die gesetzlich festgelegte Zeit gedient haben, pflegen sie nach uralter Sitte ihr Pferd aufs Forum zu führen vor die beiden Männer, die in Rom Zensoren heißen. Dort zählen sie die Feldherren und Imperatoren auf, unter denen sie Dienst getan haben, und geben Rechenschaft von ihrer Teilnahme an den Feldzügen. Dann erhalten sie ihre Entlassung. Ehrungen und Strafen sprechen die Zensoren nach Verdienst aus. Damals hatten die beiden Zensoren Gellius und Catulus in ihrer feierlichen Amtstracht den Vorsitz, und die Ritter, die sich der Prüfung zu stellen hatten, zogen an ihnen vorbei. Da sah man auch Pompeius zum Forum herunterkommen. Geschmückt mit den Ab­zeichen seines Amtes, führte er doch wie ein einfacher Ritter selbst sein Pferd. Als er näher kam und sich alle Augen auf ihn richteten, gab er seinen Liktoren einen Wink, ihm den Weg durch die Menge zu bahnen, und führte sein Pferd vor das Tribunal. Verwundert hielt das Volk den Atem an, während sich bei den Zensoren Freude und Überraschung einte. Da richtete der ältere Zensor an ihn die Frage: „Pompeius der Große, ich frage dich, ob du alle im Gesetz vorgeschriebenen Feldzüge mitgemacht hast?"-„Alle", sagte er, „habe ich mitgemacht und alle unter meinem eigenen Kom­mando." Bei diesen Worten brach das Volk in nicht endenwollenden Jubel aus und kam nicht eher zur Ruhe, als bis die Zensoren sich erhoben und Pompeius feierlich zu seinem Hause geleiteten zur Freude der Bürger, die ihm mit Beifallsrufen folgten.

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