Die Phalanx

Ein Beitrag von Jens Schiemann

In Deutschland begegnen wir dem Marschieren in Reih und Glied aufgrund unserer Geschichte zu Recht mit gemischten Gefühlen. Um den Kindern aber ein Gefühl von der Durchschlagskraft einer damaligen griechischen Phalanx zu geben, kann man den Gleichschritt und verschiedene Befehle durchaus praktisch in einer kurzen Einheit üben. Bei Schild und Lanze kann man improvisieren.


Die Griechen haben die Phalanx ungefähr im siebten Jahrhundert vor Christus eingeführt. Sie markierte im europäischen Raum den Übergang von Einzelkämpfen hin zum Formationskampf. Die Spartaner prägten diese Entwicklung entscheidend mit. Über Jahrhunderte hinweg galt das Heer Spartas als unüberwindbar. Im Gegensatz zu allen anderen griechischen Stadtstaaten verfügte Sparta über eine hervorragend ausgebildete Berufsarmee.

Vor der Phalanx standen sich zwei feindliche Heere gegenüber und je nach Zeichen des Feldheers warf man mit Speeren oder schoss mit Pfeilen. Speere wurden damals nur selten als Stoßlanzen verwendet. Die Auseinandersetzungen begannen als Ferngefecht. Anschließend stürmte man aufeinander zu, suchte sich einen Gegner und schlug so lange aufeinander ein, bis der Gegner besiegt, getötet oder zur Flucht gezwungen war. Wenn man dann noch weiterkämpfen konnte, suchte man sich einen neuen Gegner und das Spiel begann von vorn.

Die Phalanx hat das geändert. Die Phalanxtaktik stellt bis heute eine tiefgreifende Veränderung des gesamten Kriegswesens dar. Alles Marschieren in Reih und Glied hat hier seinen Ursprung. Die Phalanx war eine geschlossene lineare Formation, die sich aus mehreren Gliedern von Hopliten zusammensetzte. Die Fußsoldaten stellten sich in einer Reihe auf und bildeten eine Wand aus Schilden, wobei die rechte Seite jedes Schwerbewaffneten durch den Schild des Nachbarn gedeckt wurde. Dann baute man eine zweite, dritte und vierte Reihe. Später wurde die Anzahl der Reihen noch vergrößert. Die Länge der Phalanx wurde durch die Menge der Soldaten bestimmt, die man zur Verfügung hatte. In der rechten Hand war jeder Fußsoldat mit einer ursprünglich etwa zwei Meter langen, später immer längeren (bis zu 7 Meter) Lanze bewaffnet. Diese Lanze war oftmals auch noch mit einer Bronzespitze am unteren Ende des Schaftes versehen. Diese diente dazu, im Falle eines feindlichen Kavallerieangriffs die Lanze in den Boden zu rammen. Dadurch bot sie den Reitern größeren Widerstand, als wenn sie von einem Soldaten gehalten wurde, und schuf so ein nahezu unüberwindbares Hindernis. Außerdem konnte die hintere Spitze als Sekundärwaffe benutzt werden, falls die Lanze brach. Im Falle, dass die Lanze noch ganz war, konnte man auf gestürzte Gegner einzustechen, die man in der Vorwärtsbewegung überging.

Die Formation der Phalanx erfordert ein intensives Training. Der Einzelne verliert den individuellen Handlungsspielraum und ist nur noch ein Glied des Ganzen. Alles bewegt sich wie in einer großen Maschinerie. Die Phalanx kennt nur eine Richtung: voran! Das griechische Wort Phalanx bedeutet eigentlich „Walze". Und so wirkte sie auch auf ihre Gegner. Sie schritt beängstigend und unaufhaltsam voran. Dabei stimmten die Männer ihren Schlachtgesang an und steigerten langsam ihre Geschwindigkeit bis zu einem Sturmlauf. Dem Aufprall und dem Massendruck dieser gepanzerten und lanzenstarrenden Walze konnte niemand widerstehen. Nicht selten kam es vor, dass Heere, die das erste Mal eine Phalanx auf sich zukommen sahen, vor dem Zusammenprall das Weite suchten.

Es gab nichts Schrecklicheres als den Angriff auf eine feindliche Phalanx. Schon der Sturmlauf war eine gewaltige psychische Überwindung der Beteiligten. Der Zusammenprall war furchtbar. Viele in den ersten Reihen wurden erdrückt und niedergetreten. Anschließend begann das hektische Stoßen mit den Lanzen, wobei jeder nach den Schwachstellen zwischen den gegnerischen Schilden und Panzern suchte: Achselhöhlen, Hals und vor allem Unterleib. Ein Ausweichen war kaum möglich, denn von hinten wurde man mit enormer Gewalt weiter nach vorne gedrückt.

Um einen Gegner mit der Schlachtordnung der Phalanx bezwingen zu können, war es unbedingt notwendig, dass man seine Formation aufrechterhielt und nicht vor dem anstürmenden Gegner zurückwich. Eine Auflösung der Phalanx auf dem Schlachtfeld, war gleichbedeutend mit ihrer Niederlage. Einer musste sich auf den anderen verlassen können. Und da half es natürlich zu wissen, dass die Flucht aus der Linie der Phalanx nahezu selbstmörderisch war.

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