Die Hellenisierung des Vorderen Orients

Mochten sich die Völker Asiens gegen die Eindringlinge aus dem Westen so erbittert gewehrt haben, die griechische Kultur, die griechische Sprache, die griechischen Gewohnheiten haben sie überall bereitwillig angenommen. Natürlich sind sie mit der ganzen Kraft und Lebendigkeit des Ostens auch gleich dazu übergegangen, ihrerseits die Hellenen zu orientalisieren. Das Modell dieses Vorgangs war der König der Makedonen selbst. In der ersten Hälfte seine Regierung hat Alexander Asien erobert. In der zweiten Hälfte eroberte Asien Alexander.
 
In den folgenden Jahrhunderten eroberte hellenistischer Geist das einstige Weltreich der Perser, erblühte aus dem frischen Nährboden der Ver­mischung und Verschmelzung uralter orientalischer Verwaltungs- und Ordnungskunst mit den Gedanken sittlicher Lebensformen und der Staats­auffassung der Griechen ein sinnvoll gegliederter Kosmos. Ein reiches Leben entfaltete sich, förderte Welthandel und Weltverkehr von einem bis dahin unbekannten Ausmaß in dem neuerstandenen zusammenhängenden Wirtschaftsgebiet von Griechenland bis Indien. Mit der Übernahme des griechischen Lebensstils und der Ausbreitung der griechischen Kultur nach dem Osten wanderte auch die griechische Sprache mit als wirksamstes Mittel der fortschreitenden Hellenisierung des Vorderen Orients. Sie wurde Sprache des Kaufmanns, des Alltags, der Kanzleien der Diadochenreiche.
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